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Ski-Ass Hübner: Keine Karriere auf Biegen und Brechen

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Frei wie ein Vogel: Monica Hübner (Mitte) nach ihrem Triumph im Slalom bei den Ski-Meisterschaften der US-Universitäten. © FKN

Garmisch-Partenkirchen - Monica Hübner gewinnt in den USA wichtige Erkenntisse. Von  deutschen Trainern gibt's klare Aussagen.

Das erste Jahr in den USA hat Monica Hübner schon ein ganzes Stück weitergebracht. Die 25-Jährige hat durch ihr Studium in Denver/Colorado eine wichtige Erkenntnis gewonnen: „Ich brauche eine Skikarriere nicht unbedingt, nicht auf Biegen und Brechen.“ Vor einem Jahr hätte sie so einen Satz vermutlich noch nicht über die Lippen gebracht. Doch das Leben im Herzen der Vereinigten Staaten öffnete der Garmisch-Partenkirchnerin ein wenig die Augen. „Ich muss nicht mehr unbedingt in den Weltcup, das Leben geht auch nach dem Sport weiter.“

Klingt erst einmal nach einer Aufgabe, nach einem Schlussstrich. Doch weit gefehlt. Hübner ist lediglich mit sich im Reinen, sie kennt Alternativen, sie will sich den ultimativen Druck nicht mehr auferlegen. Der Skisport, der bleibt vorerst ihr Fokus. Allein schon im Ski-Team ihrer Universität in Denver. Doch auch die große Bühne hat sie noch nicht aufgegeben. Während ihrer Sommermonate in der Heimat suchte sie das Gespräch mit den Trainer. Markus Anwander, ein alter Bekannter, führt ja weiterhin als Bundestrainer die Frauen-Riege an. Und Robert Krumbacher, der für die Technikerinnen verantwortlich ist, weilt oft genug am Bundesstützpunkt am Skistadion. Hübner hat den Dialog mit den Coaches mit einem guten Gefühl verlassen. „Ich habe endlich ziemlich präzise Aussagen bekommen“, betont sie. „Früher hieß es immer: Kommst halt mal rüber, dann schauen wir mal.“ Nun ist die Ausgangslage klar: „Es gibt sieben Plätze für den Slalom, wenn bei den ersten Rennen eine Läuferin nicht ansprechend fährt, nehmen die Trainer eine weniger mit in die USA.“ Die Chance für die Athletin vom SC Garmisch – falls sie selbst ordentliche Ergebnisse bei der nordamerikanischen Elite-Rennen vorweisen kann. „Wenn das Team komplett nach Aspen kommt, dann fahren auch alle.“ Hübner ist quasi auf die Schwäche einer Kollegin angewiesen – nicht schön. Doch sie ist froh über die klaren Regeln.

Hübner will noch einmal Vollgas geben. Auch um ihrem Uni-Team eine Stütze zu sein. Schließlich wählten die Coaches der US-Ski-Mannschaften sie in diesem Frühjahr zur Skifahrerin des Jahres – eine große Ehre für einen „Freshman“, eine Studentin im ersten Jahr. Das Training mit dem Team taugt ihr richtig. „Viermal in der Woche stehen wir am Hang.“ Vorausgesetzt es passt mit dem Schnee. „Das war vergangenen Winter das große Problem“, betont sie. Das weiße Gold kam sehr spät, das erschwerte die Einheiten enorm. „Wenn ich erst in den letzten Oktober-Wochen auf Schnee stehe, dann sind mir die anderen sechs bis acht Wochen voraus.“ Das Thema Weltcup könne sie dann abhaken. Diesen Rückstand aufzuholen, sei fast nicht machbar. Doch genau das wäre für sie dann kein GAU mehr. „Dann fahre ich halt nur in den USA.“

Hübner hat sowieso ein neues Hobby gefunden. „Ein Traum, den ich schon immer hatte, der aber lange Zeit so weit weg war.“ Es geht ums Fliegen. Da das Semester für sie bereits Anfang Juni dieses Jahres beendet gewesen war, verbrachte sie danach noch zwei Monate in Kanada bei einer Kollegin aus dem Ski-Team. Der positive Nebeneffekt: Dort begann sie mit dem Pilotenschein. „Ich darf sogar schon alleine fliegen, allerdings noch keine Passagiere mitnehmen.“ Hübner steuert eine Cessna – und ist begeistert. „Es ist eine Faszination, und ich mache im Sommer in jedem Fall weiter.“ Die kanadische Lizenz sei hoch angesehen und jederzeit auf Deutschland übertragbar. Hübner ist gewappnet, wenn es mit der Weltcup-Skikarriere nichts mehr werden sollte.

Christian Fellner

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