Mehr Zeit fürs Ausspannen hat Isabelle Stiepel nach ihrem Karrieende nun ganz bestimmt. foto: privat

Neue Karriere, neue Träume

Mittenwald - Skirennfahrerin Isabelle Stiepel konzentriert sich auf ihr Studium und engagiert sich als Trainerin beim SC Mittenwald

Olympia-Medaillen, WM-Teilnahmen - von derlei Erfolgen träumen Skifahrer gemeinhin. Auch Isabelle Stiepel hat das einmal getan. Als Kind. Als sie mit dem alpinen Rennsport begann. Ein solcher sportlicher Höhepunkt blieb der 22-Jährigen allerdings verwehrt. Zwei Top-15-Platzierungen im Weltcup in der Kombination - mehr war der Mittenwalderin nicht vergönnt. Zu oft war sie verletzt, und zu schwerwiegend. Deshalb zog sie nun den Schlussstrich unter ihre Ski-Karriere - und träumt von anderen Dingen: „Ein Job in der Reha-Klinik in Bad Wiessee, das wär das Größte.“

Horrorgeschichten könnte Stiepel erzählen, wahrscheinlich ganze Nachmittage lang. Von unglaublichen acht Knie-Operationen im jungen Alter von 22 Jahren beispielsweise. Oder vom ersten Kreuzbandriss als 15-Jährige. Viel hat sie mitgemacht in den sieben Jahren nach diesem ersten großen Rückschlag. Oft hat sie sich aber auch wieder aufgerappelt. Und doch: „Jetzt haue ich den Deckel drauf, es macht keinen Sinn mehr.“

Eine spontane Entscheidung war der Rückzug keinesfalls. Dieser Gedanke hat sich in der Leidenszeit langsam entwickelt. „Früher dachte ich, es gibt nur Skifahren in meinem Leben. Und wenn ich fit wäre, würde ich auch noch viele Jahren fahren“, betont Stiepel. Aber die Serie von Verletzungen hat ihr klar gemacht, dass es „auch nach dem Sport noch ein Leben geben muss“. Im September 2011 verletzte sie sich zum bisher letzten Mal. Sie renkte sich das Wadenbein aus, Knorpelschaden inbegriffen - der Anfang vom Ende. „Das Wadenbein ist jetzt so locker, dass es ständig auf die Nerven drückt.“ Immer wieder tauchen die Schmerzen auf. Und wenn’s nicht rund um das Knie zwickt, dann eben im Rücken. Da haben die vielen Fehlbelastungen Spuren hinterlassen. Einen Bandscheibenvorfall hatte sie schließlich auch schon erlitten.

Nach einem Jahr Kampf um die Rückkehr begann Stiepel erstmals, sich mit dem „Leben danach“ zu befassen. Sie startete ihr Fernstudium in Sport- und Trainingswissenschaften in Ismaning. Die Hoffnung auf ein Comeback auf der Piste war da noch lange nicht verworfen. Doch die Pechsträhne riss nicht ab. „Dann habe ich mir heuer im Januar noch einen Nerv eingeklemmt und konnte eine Woche gar nicht mehr laufen.“

Wieder biss sie auf die Zähne - und, tatsächlich: Am 2. März stand sie in Thalkirchdorf bei Oberstaufen wieder am Start eines FIS-Slaloms. Erstmals nach eineinhalb Jahren. Doch wäre dies nicht die Geschichte über das Karriereende von Isabelle Stiepel, wenn bei dieser Rückkehr alles glatt gegangen wäre. „Der erste Durchgang lief gut, und ich war auch recht schnell unterwegs.“ Doch nach den knapp 50 Sekunden begann das Knie höllisch zu schmerzen. „Ich konnte zum zweiten Lauf nicht mehr antreten.“ Noch schlimmer: Einen Monat lang musste sie erneut aufs Skifahren verzichten. Ein klares Signal. „Da war bei mir die Luft raus“, gibt sie zu.

Am Ende wurde ihr die Entscheidung auch noch von Seiten des Deutschen Skiverbands leicht gemacht. Der strich Stiepel aus dem Kader und drehte den Geldhahn in puncto Fördermittel zu. Die junge Frau nahm es gelassen hin, war im Endeffekt froh darüber, dass ihr der Entschluss einfach gemacht wurde. „Das war mir wirklich lieber so.“

Froh ist sie auch, bei der Bundeswehr in Bischofswiesen bleiben zu können - erst 2015 muss sie ausscheiden. So kann sie ihr Studium weiter vorantreiben, das sich noch bis 2017 hinziehen wird. Danach würde sie gerne im Reha-Bereich arbeiten. „Damit hab’ ich ja auch schon genug Erfahrung.“ Eine Aussage, über die sie mittlerweile lachen kann. „Man muss das alles ja mit Humor nehmen.“

Einen Job hat Stiepel schon gefunden. Sie wird das Trainerteam des Skiclubs Mittenwald verstärken. „Der Verein hat so viel für mich getan, so kann ich etwas zurückgeben“, betont sie Auf die Arbeit mit den Ski-Talenten freut sie sich. „Die sind alle noch so locker drauf, richtig heiß aufs Skifahren und nicht so verbissen.“ Gleichzeitig wird sie die Trainerausbildung in Angriff nehmen. „Ich habe zwar die Scheine von der Bundeswehr, aber die bringen mir da nichts.“ Die C-Lizenz des DSV möchte sie erwerben. Allerdings weiß sie nicht, ob sie den Lehrgang schon durchsteht. „Da musst du drei Tage auf Ski stehen, keine Ahnung, ob ich das schaffe.“ Stiepel bastelt nun an ihrer zweiten Karriere - und widmet sich neuen Träumen. (cf)

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