Lukas Meiler führt das Fahrerfeld auf einer Straße in den französischen Alpen an.
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Quälen fürs Team: Lukas Meiler (links vorne) startete bei der Tour de Savoie Mont Blanc in den französischen Alpen.

Die Oberammergauer Radprofis Lukas und Martin Meiler sind so fit wie noch nie

Top-Form durch Corona

  • vonPatrick Hilmes
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Die Brüder Lukas und Martin Meiler haben heuer corona-bedingt viel länger trainieren müssen. Nun sind sie so fit wie nie. Doch bei den ersten Rennen haben sie jetzt gemerkt, dass das auch für die Konkurrenz gilt.

  • Radprofi-Brüder haben fünf statt zwei Monate Vorbereitung hinter sich.
  • Lukas Meiler fährt mit dem Team Vorarlberg-Santic bei der Tour de Savoie Mont Blanc.
  • Martin Meiler wird bei einem Sprintrennen in Niederösterreich Sechster.
  • Oberammergauer träumen von der Tour de France

Oberammergau – Die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie haben jeden getroffen, jeden anders. Auch die Brüder Lukas und Martin Meiler sind natürlich nicht verschont geblieben. Für die beiden Radprofis aus Oberammergau haben die Beschränkungen ganz besondere Folgen. Sie befinden sich in Top-Form, sind fit wie noch nie – das gilt allerdings auch für die Konkurrenz.

Zwei Monate zwischen den Saisons zur Vorbereitung, das ist normal. Fünf Monate wie jetzt, das ist extrem. Für die Meiler-Brüder im Grunde jedoch kein Problem. Das Team Vorarlberg Santic stehe auf gesunden Beinen, beide hatten keine Gehaltskürzungen zu verkraften. „Das ist gut für den Kopf“, betont Martin. Zudem durften die Meilers raus, sie durften aufs Rad und können sich über ihr Trainingsgebiet vor der Haustür nicht beschweren. Wichtig war zudem: Deutscher musste man sein. „Die Franzosen oder Italiener hatten es deutlich schwerer. Die durften teils sechs Wochen nicht raus“, erzählt Lukas. Ein eingesperrter Radprofi hat nur eine Wahl: Er muss daheim auf der Rolle trainieren. „Das kannst du mal sieben bis zehn Tage machen. Aber über solch eine Zeit verlierst du deine Form.“ Und vermutlich auch die Lust am Fahrradfahren.

Bei den Meiler-Brüdern ist das Gegenteil der Fall. Sie waren in der Corona-Pause mit einem privaten Coach fleißig. Das fahrer-spezifische Intervalltraining jeder für sich, die Grundlagen gemeinsam. Ein weiterer Vorteil für die Brüder, konnten sie doch miteinander fahren. Einsamkeit war für sie auf dem Rad kein Thema.

Meilers bei 100 Prozent, aber viele andere auch

Das Ausmaß des Trainings, ein nie da gewesenes. Die Früchte erntete Lukas erstmals bei der Tour de Savoie Mont Blanc. Die viertägige Rundfahrt in den französischen Alpen bestritt der 25-Jährige heuer zum vierten Mal. Auf jeder der fünf Etappen verbuchte er persönliche Bestleistung. Doch das war kein Alleinstellungsmerkmal. Lukas hatte das erahnt, war aber dennoch überrascht. „Alle sind auf einem enorm hohen Niveau, jeder ist bei 100 Prozent.“ Der Oberammergauer war zwar so schnell wie nie, in der Platzierung spiegelte sich das aber nicht wider. Im Endklassement wird er an Position 51 geführt. Er hatte mit dem einen oder anderen Ausflug in einer Ausreißergruppe geliebäugelt. Eine solche Chance bot sich ihm aber nicht. Lukas hatte wichtige Arbeit für das Team und Kapitän Alexis Guerin zu verrichten. Und das mit Erfolg: Die Mannschaft wurde Dritte, Guerin Zweiter. „Die Teamleitung war sehr zufrieden mit mir.“ Der Lohn: Lukas gehört zum Team-Kader für die Ungarn-Rundfahrt, die Ende August ansteht.

Gute Aussichten, ebenfalls in Ungarn mit von der Partie zu sein, hat Bruder Martin. Für ihn stellt sich die diesjährige Situation aufgrund der Pandemie etwas komplizierter dar. Martin mag es im Rennen lange ruhig, um am Ende Vollgas zu geben. Doch Sprintrennen sind heuer unattraktiv für die Veranstalter, schwieriger die Hygiene- und Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Eine Chance bot sich nun beim siebten Internationalen Grand Prix Fliegerhorst in Niederösterreich. Und der 22-Jährige nutzte sie mit Platz sechs. „Das stimmt positiv, dass man vorne mitfahren kann.“

Zeitfahren ist nicht seine Spezialdisziplin, aber heuer im Corona-Jahr 2020 zählt jeder Rennkilometer für Martin Meiler.

Negativ war hingegen die Stimmung, denn Zuschauer waren nicht erlaubt. „Das war etwas langweilig“, erzählt Martin. Generell sei das Nachbarland aber in puncto Corona-Beschränkungen „schon fast erschreckend offen“. Anders gestaltete es sich bei Lukas in Frankreich, da die Tour eine internationale Veranstaltung war. Sieben und drei Tage vor der ersten Etappe musste Lukas einen Corona-Test machen. Ohne negatives Ergebnis wäre ihm der Start verweigert worden. Zuschauer hingegen durften an den Strecken zugegen sein, ausgenommen der Start-/Zielbereich. „Die Tour war super organisiert. Die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken, ist wohl beim Einkaufen größer als bei den Rennen“, betont Lukas.

Die nächste Station für die Brüder wird die Deutsche Meisterschaft am 23. August auf dem Sachsenring sein. Lukas rechnet sich einen Platz unter den Top 20 aus, Martin hingegen überlegte lange, ob er überhaupt starten solle. Warum: Massensprint unwahrscheinlich. „Doch jeder Rennkilometer ist in diesem Jahr wichtig“, begründet Martin seine Zusage. Daher nahm er zuvor auch an einem Zeitfahrrennen auf dem Salzburgring teil. Martin war für seine Verhältnisse sehr gut unterwegs, „aber mit sehr gut kommt man grad nicht weit“ – Platz 47.

Die Tour de France bleibt das große Ziel

Beide wollen weiterkommen, beide verfolgen weiter den Traum, den ein jeder Radprofi träumt: der Start bei der Tour de France. „Das ist das, was uns von Kind an antreibt. Und solange ich merke, dass der Traum erreichbar bleibt, werde ich ihn weiter verfolgen“, sagt Lukas. Bei der Tour de Savoie Mont Blanc sah er sich wieder auf seinem Weg bestätigt. Unter anderem galt es, den prestigeträchtigen Col de la Madeleine zu bezwingen. Das gelang sogar schneller als bei der Tour de France üblich. „Da merkt man, dass die Weltspitze nicht mehr Welten entfernt ist.“

Die Meilers machen Jahr für Jahr immer wieder kleine Fortschritte. Zwei große fehlen ihnen noch. Der nächste wäre ein Platz in einem Pro-Team, anschließend einer in einem World-Team. Die Fahrer dieser Mannschaften dürfen bei der berühmten Frankreich-Rundfahrt starten.

Beendet wäre der Tour-Traum erst, wenn die Brüder sich über einen längeren Zeitraum nicht mehr verbessern würden. Doch noch geht es vorwärts, wie sie jetzt in der Corona-Krise wieder gemerkt haben.

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