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Vom Autor zum Trainer

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Von: Patrick Hilmes

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Andreas Mayr mit Taktiktafel in der Hand.
Weiß, wie Basketball funktioniert: Andreas Mayr coacht bereits die Zweite Mannschaft des ESV. © Stephan Adelberger

Eigentlich schreibt Andreas Mayr über die Murnauer Bayernliga-Basketballer, fortan coacht er sie. Der Journalist übernimmt bis Saisonende den Trainerposten beim ESV Staffelsee.

Murnau – Gerne wird Experten im Sport vorgeworfen, wenn sie mal Kritik an Leistungen von Athleten, Trainern oder Mannschaften äußern: „Mach’s doch besser.“ Diese Chance hat nun Andreas Mayr. Als Journalist und freier Mitarbeiter des Tagblatts berichtet er stetig über die Spiele der Murnauer Basketballer, Damen wie Herren – immer mit der nötigen kritischen Objektivität. Doch damit ist vorerst Schluss. Denn Mayr legt nun den Kugelschreiber an die Seite und schnappt sich den Filzstift für die Taktiktafel. Er übernimmt bis Saisonende den Trainerposten bei den Bayernliga-Herren des ESV Staffelsee.

Bisheriger Trainer Goran Culum nicht geimpft

Doch die Murnauer Entscheidung, Mayr zum Coach zu ernennen, führt natürlich nicht auf seine journalistische Tätigkeit zurück, sondern auf seine Fachkenntnisse, die er bereits bei der Zweiten Mannschaft des ESV als Trainer unter Beweis stellt. Und auf das Dilemma des Klubs auf dieser Position. Da der eigentliche Mann mit der Taktiktafel, Goran Culum, ungeimpft ist, darf er die Partien des ESV nicht mehr begleiten. Somit standen die Murnauer seit Mitte November ohne Coach dar. Und seitdem sieht das Training lediglich wie folgt aus: warm machen und zocken.

Pleite gegen Traunstein als Quittung für mangelhaftes Training

Wohin das führt, wurde vergangenes Wochenende sichtbar. Der ESV sah kein Land beim 64:89 gegen den TV Traunstein, wobei das Ergebnis die Chancenlosigkeit der Murnauer nichtmals widerspiegelte. „Traunstein hat schonungslos aufgedeckt, wie schnell man ohne vernünftiges Training die Basics vergessen kann“, betont Mayr, der das Spiel live vor Ort verfolgt hatte. Damals noch als Reporter, fortan als Trainer.

Mayr will Culums Fundament auffrischen

Die eigentliche Wunschlösung, Bastian Rapp, musste das Angebot aus zeitlichen Gründen ablehnen. Zudem sollte keiner der Aktiven zum Spielertrainer ernannt werden. Somit war Mayr quasi die logische Wahl, kennt er doch den Verein und die Spieler bestens. Zudem ist sein Auftrag nicht, den ESC zum Aufstieg zu führen, oder ein anderes Spielsystem einzuverleiben. Von ihm werden keine Wunderdinge verlangt. „Ich muss nichts Neues erfinden. Es geht darum, das von Goran geschaffene Fundament aufzufrischen, denn das ist sensationell gut für die Bayernliga.“ Mayrs Aufgabe ist es, wieder Ernsthaftigkeit und Struktur ins Training zu bringen. Einfach nur ein paar Körbe werfen und zocken, das ist nun vorbei. In den Einheiten unter der Woche sowie während der Partien braucht es eine ruhige Hand von außen, die das Team einstellen, es ordnen kann. „In dem Maße traue ich mir das zu“, betont Mayr.

Undankbarer Gegner beim Debüt

Doch sein Start, davon ist auszugehen, wird kein erfolgreicher sein – zumindest nicht vom Resultat her. „Es geht darum, den Schaden in einem erträglichen Ausmaß zu halten“, betont er mit Blick auf die Partie an diesem Samstag gegen die TS Jahn München, ihres Zeichens ungeschlagener Tabellenführer. „Jahn München und Traunstein sind in allen Belangen eine Klasse besser als der Rest der Liga.“ Mayr bescheinigt dem kommenden Gegner, „kräftezehrenden Basketball“ zu spielen. München setzt auf kompromisslose und kontinuierliche Verteidigung von einem Ende des Spielfeldes zum anderen. „Das sind 40 Minuten in der Hölle.“ Eine Halbzeit könne man dieses Tempo mithalten, doch gegen Ende gehen den Kontrahenten immer die Körner aus. So könnte es auch den Murnauern ergehen, stehen derzeit doch lediglich sieben Stammspieler zur Verfügung. Immerhin kann Mayr am Samstag auch auf die Hilfe von Dominikus Findler und Moritz Czajka aus der Zweiten bauen.

Doch die Turnerschaft ist nicht der Maßstab der Staffelsee-Basketballer. Der Blick wird eher nach unten gerichtet, aber nicht bis ans Ende. „Mit dem Abstieg sollten wir nichts zu tun bekommen“, betont Mayr zuversichtlich.

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