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Im Deutschland-Dress: Benedikt Ertl, der vor einem Jahr seine Langlauf-Karriere beendet hat.

Benedikt Ertl: „Eigentlich wollte ich ganz aufhören“

Vom Langlauf zum Berglauf: WM-Ticket für den Umsteiger

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In der Jugend hat Benedikt Ertl noch von einer Karriere als Langläufer geträumt. Voriges Jahr wechselte er den Sport und begann mit dem Berglaufen. Nun fliegt der 19-Jährige als einer von zwei Landkreis-Läufern zur Nachwuchs-WM.

Garmisch-Partenkirchen– Kurt König hat ihn getestet und für gut befunden. Der Bundestrainer jagte den jungen Mann durch die österreichischen Alpen über 7,5 Kilometer und 800 Höhenmeter. Im Ziel auf der Schlicker Alm warteten hunderte Menschen, die sich nach Schatten dürstend unter einen der vielen Pavillons drängten. Benedikt Ertl sollte einen Eindruck bekommen, was es heißt, bei einer Weltmeisterschaft zu starten. Die Österreichischen Staatsmeisterschaften im Stubaital vermitteln ihm den Wahnsinn, der ihn in zweieinhalb Wochen erwartet. Auch wenn das Niveau in Andorra steigen wird. Nach seinem vierten Platz in der Nachwuchswertung des Schlickeralmlaufs hat Berglauf-Bundestrainer König den 19-Jährigen für die Nachwuchs-WM nominiert. Ertl fliegt mit dem Mittenwalder Robert Sußbauer, der den Sieg als Zweiter um 45Sekunden verpasste, in die Pyrenäen zum ersten großen internationalen Wettkampf.

Keiner erwartet von den beiden Heldentaten. Die Deutschen zählen im Berglauf zu den Außenseitern. Die Besten kommen aus Italien oder Tschechien. Im Team, schätzt der Wahl-Garmisch-Partenkirchner, könnte ein Platz unter den ersten Fünf herausspringen. Zu was er im Einzel fähig ist, weiß er nicht. Das Verflixte ist, dass bislang niemand den Sportler einschätzen kann. Bis vor einem Jahr kannte ihn in der Szene kaum einer. Ertl, der aus Gaißach kommt, strebte in der Jugend eine Karriere als Langläufer an. Er betont: „Mein Fokus lag immer auf Langlauf.“ Allerdings gehörte er nie zu den Ausnahmetalenten, denen man eine der begehrten Behördenstellen samt Perspektive in den Leistungskadern anbietet. Nach dem Abitur beschloss Ertl das Ende seiner Langlauf-Laufbahn. Er war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt. Heute sagt er: „Eigentlich wollte ich ganz aufhören.“ Ciao, Leistungssport.

Ertl gefiel Kletterei und Quälerei auf und über die Berge

Doch der Gaißacher erweckte ein Talent, das sich früher vor allem im Sommertraining mit den Langläufern offenbart hatte. Bei den Testläufen in der Vorbereitung hatte Ertl immer zu den schnellsten gehört. Im Gegensatz zu anderen Teamkollegen gefiel ihm die Kletterei und Quälerei auf und über die Berge. „Ich war schon immer gut darin.“ Dem Anfänger gelangen im vorigen Jahr beachtliche Ergebnisse bei seinen ersten Bergläufen. „Ich bin immer besser geworden“, sagt der 19-Jährige. In diesem Sommer lief er zwar nicht viele Rennen. Doch bei jedem Start landete er weit vorne: Rang zwei beim Ammertrail, Sieg beim Juniorenlauf in Reit im Winkel, Bestzeit auf der neuen Berglaufstrecke zum Eckbauer. Nach solchen Umsteigern, die die Berglauf-Welt noch nicht kennt, sucht Bundestrainer König. Er lud Ertl zum Quali-Rennen ins Stubaital. Diese Strecke gleicht dem WM-Kurs, weshalb der Mittenwalder sie gewählt hatte, um seine zwei letzten Kaderplätze zu vergeben. Der Flieger nach Andorra hebt am 14. September ab. Nach der Ankunft bleibt ein Tag, um die Strecke zu inspizieren. Danach laufen sie um Gold. Ertl fände aber schon einen Platz unter den ersten 20 super.

Sein Leben richtet sich nicht mehr nach dem Sport. Er arbeitet und studiert jetzt gleichzeitig. In einem Fitnessstudio in Garmisch-Partenkirchen. Nebenbei hilft er einem alten Spezl beim SC Partenkirchen. Jonas Heiland, früher Trainingskollege, besetzt seit vorigem Jahr den Posten des Cheftrainers beim SCP. Er holte Ertl in sein Team. „Das hat sich gut ergeben“, sagt der Gaißacher. Er habe ohnehin nach einem weiteren Job gesucht. Die Arbeit mit den Kindern gefällt ihm bislang ziemlich gut.

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