Ein Skifahrer rast die Kandahar-Abfahrt hinunter
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Fokussiert zum besten Abfahrtsergebnis der Karriere: Simon Jocher (SC Garmisch).

Große Fahrt, großes Lob

Weltcup auf der Kandahar: Simon Jocher feiert mit Platz 25 bestes Abfahrt-Ergebnis seiner Karriere

  • vonPatrick Hilmes
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Großer Erfolg für Simon Jocher (SC Garmisch) beim Abfahrt-Weltcup auf der Kandahar. Der 24-Jährige fährt auf Rang 25 und erhält viel Lob von Teamkollege Thomas Dreßen.

„Er hat ein extrem großes Potenzial.“ Dieses Zitat stammt von Thomas Dreßen. Und wenn ein Athlet der Weltspitze, wie es der Mittenwalder ist, so etwas sagt, dann muss da doch etwas dran sein. Ist es auch, denn demjenigen, über den Dreßen diesen Satz verlor, gelang am Freitag auf der Kandahar das beste Weltcup-Abfahrtsergebnis seiner Karriere. Die Rede ist von Simon Jocher.

Mit Platz sieben im Training hatte der Lokalmatador – er fährt für den SC Garmisch – bereits am Donnerstag aufhorchen lassen. Er kennt die Piste bestens und nutzte das zu seinem Vorteil. „Man ist einfach mehr von sich überzeugt, wenn man die Strecke so gut kennt, wie ich die Kandahar“, betont Jocher. Nach dem Trainingslauf hatte er aber noch zwei Dinge an seiner Fahrt auszusetzen. Unter anderem seine Fahrt in der FIS-Schneise. Für das Rennen gelobte er Besserung, und er hielt Wort. „Das ist mir ganz gut gelungen“, erzählt er grinsend. Dabei hatten sich die Verhältnisse im Vergleich zum Training eher verschlechtert. „Es war schwieriger mit einer hohen Startnummer zu fahren.“ Zudem beeinträchtigten die Fahrer auch die dunkeln Abschnitte der Kandahar. Jocher meisterte dennoch alle Schwierigkeiten und erntete unten im Ziel mit den größten Applaus des Tages. Sein bis dato bestes Abfahrtsergebnis im Weltcup datierte vom 30. Dezember 2020. Rang 26 in Bormio (Italien). Nun ist es Platz 25 beim Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen.

„Ich hoffe, er geht den Weg so weiter, wie er ihn bisher eingeschlagen hat. Ein Schritt nach dem anderen, nicht mit dem Kopf durch die Wand“, sagt Dreßen über seinen Teamkollegen. Das hat Jocher vor. Rang 15, ebenfalls im Dezember in Bormio, ist sein bisher bestes Ergebnis im Super-G. Für den heute auf der Kandahar wünscht sich der 24-Jährige natürlich ähnliches. „Aber ich mache mir darüber keine Gedanken. Ich kümmere mich nur um meine Fahrt.“

Sturz von Teamkollege Ferstl lenkt Jocher kurzzeitig ab

Das versuchte er auch am Freitag, wurde aber doch abgelenkt – teils gewollt, teils ungewollt. Jocher beobachtete die Top-Fahrer Beat Feuz und Dominik Paris, welche Linie sie fahren. Sie bestätigten das, was er sich selbst vorgenommen hatte. Der spektakuläre Sturz von Josef Ferstl lenkte ihn dann aber ungewollt ab. „Das ist eins der Dinge, die ich noch verbessern muss, dass ich mich trotz der äußeren Einflüsse auf meine Fahrt konzentriere.“ Jocher gelang es wenig später wieder. Denn Ferstl befreite sich aus dem Fangnetz und fuhr die Abfahrt im gemächlichen Tempo hinunter. „Wenn er aufsteht, macht man sich weniger Sorgen. Bleibt er liegen, beschäftigt einen das natürlich viel mehr.“

Jocher befreite sich von den Gedanken an Ferstls Sturz, gab auf der Kandahar Vollgas und wurde im Ziel belohnt. Und Dreßen weiß auch, was seinen Teamkollegen ausmacht. „Er hat ein extrem gutes Gefühl für die technischen Passagen. Er weiß, wie man da sauber fahren muss und trotzdem dabei schnell ist. Das macht Spaß, wenn ich sehe, dass so ein junger Fahrer gescheit Gas gibt.“ Wächst da also teaminterne Konkurrenz heran? „Ich hab’ nichts dagegen, wenn die Konkurrenz aus dem Team kommt. Das ist nur gut für mich und den ganzen deutschen Skisport“, sagt Dreßen.

Noch kümmert sich Jocher aber nicht um die Weltspitze, sondern darum, immer wieder unter die Top 30 im Weltcup zu fahren. Heute hat er die nächste Chance.

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