1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport
  4. Kreis Garmisch-Partenkirchen

Bad Bayersoier Fünfkampf: Sie entthronen die Lions

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Mayr

Kommentare

null
Das Siegerteam Radsport Veloass Hohenfurch (v.l.) Sebastian Kucharek, Christian Risenbeck, Markus Schilcher und Fabian Zwerger © Andreas Mayr

Bad Bayersoier - 2003 war es, da holte das Team Veloass aus Hohenfurch zuletzt den Bernd-Utschneider- Pokal. Dann verschwand es von der Bildfläche. Für ein ganzes Jahrzehnt. Dieses Jahr meldete es sich zurück. Mit dem Sieg.

Normalerweise stehen sie um 23 Uhr auf den Tischen. In der linken Hand eine Mass Bier, die rechte um den Nachbarn geschlungen. Und natürlich grölen sie. „Atemlos“, „Schatzi schenk mir ein Foto“ und so Zeug. Bis sie keinen Ton mehr herauskriegen oder die Blaskapelle die Lust verliert. Der Partyabend gehört dazu zum Bad Bayersoier Mannschafts-Fünfkampf. Er ist der Abschluss. Sportler und Organisatoren feiern zusammen.

In diesem Jahr sitzen sie um 23 Uhr auf den Bierbänken – und warten. Party-Musik noch lange nicht in Sicht. „Probleme bei der Auswertung“, flüstern sie an den Tischen. Rupert Haseidl, Vorsitzende des Veranstalters ESV Bad Bayersoien, klärt auf. „Wir mussten sehr viel manuell korrigieren, es gab so viele Punktgleichheiten.“ So spannend war die Siegerehrung in 24 Jahren Fünfkampf nicht, eine Geduldsprobe. Dreieinhalb Stunden nach dem – offiziellen – Beginn stürmen die Sieger vom Team Radsport Veloass aus Hohenfurch die Bühne. Genervt sehen die nicht aus. Die vier Mannsbilder grinsen und reißen den Glaspokal in die Luft. Gewartet haben sie schließlich viel länger. Was sind schon dreieinhalb Stunden im Vergleich zu zwölf Jahren?

2003 hatte das Team um Sponsor Christian Riesenbeck, der den Veloass-Bikeshop in Hohenfurch betreibt, zuletzt triumphiert. Der zweite Sieg in Serie war das damals. Die fünf dominierten. Eine Ära bahnte sich an. Doch es kam alles anders. Statt das Triple klarzumachen, löste sich die Mannschaft auf. „Die Interessen haben sich verlagert“, erklärt Riesenbeck. Das Fünfkampf-Urgestein („Ich habe selbst bei der ersten Ausgabe mitgemacht“) zog's ins Radgeschäft. Bereits in seiner Jugend gehörte er zu Deutschlands Mountainbike-Elite, fuhr für die Nationalmannschaft und war Deutscher Vizemeister. Dann entdeckte er Zeitfahren für sich. Für Fünfkampf fehlte Zeit. Bis heute.

Markus Schilcher, sein alter Spezl, bekam wieder Lust, stellte ein neues, extrem starkes Team zusammen und meldete es kurzfristig an. Mit dabei: Läufer Fabian Zwerger, Bundesliga-Stockschütze Christian Lindner, der kürzlich Deutscher Meister wurde – und Kraftpaket Sebastian Kucharek. Er avancierte zum entscheidenden Mann. Im Bankdrücken stemmte Kucharek 84,30 Kilo über Körpergewicht. Mehr packte keiner. Nach fünf Disziplinen hatte Team Veloass ein Pünktchen mehr auf dem Konto als die Titelverteidiger Soier Lions. Wahnsinn, war das eng.

Die Ehre des Dorfes retteten dafür die Frauen der Bad Bayersoier Blechblosbixn. Die fünf von der Soier Blaskapelle verteidigten locker ihren Titel. Mit zehn Punkten Vorsprung. Natürlich lag's auch daran, dass die Konkurrenz bei den Frauen abnimmt. „Es ist schwierig, fünf Frauen zusammen zu bringen. Gerade Bankdrücken machen nicht viele“, erklärt Siglinde Hack. Fürs kommende Jahr hofft sie auf mehr weibliche Starter. „Damit der Wettbewerb nicht stirbt.“

Ihren Spaß hatten auch die Asylbewerber. Ihr Team Kilimanjaro belegte am Ende Platz 32 (von 34 Mannschaften). Läufer Abdi Rooble gewann sogar das Rennen um den Soier See in der Youngsters-Klasse. Egal, wo die fünf auftauchten, überall waren sie die gefeierten Helden. Selbst um 23 Uhr nachts bei der Siegerehrung, als sie die Belohnung für drei Monate hartes Training überreicht bekamen.

Auch interessant

Kommentare