Etwas mehr als eine Stunde benötigte der Holzkirchner Andreas Wipper für die einzelnen Aufstiege am Brauneck.
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Etwas mehr als eine Stunde benötigte der Holzkirchner Andreas Wipper für die einzelnen Aufstiege am Brauneck.

Holzkirchner besteigt die Weltcup-Strecke am Brauneck mehr als zehnmal am Stück mit Tourenski

Andreas Wipper aus Holzkirchen schafft Everest-Challenge am Brauneck

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Mehr als zehnmal stiefelte der Holzkirchner Andreas Wipper die Weltcupstrecke am Brauneck hinauf, um so die Everest-Challenge zu bewältigen.

Holzkirchen – Um den Mount Everest zu besteigen, braucht es normalerweise eine Spezialausrüstung. Der Holzkirchner Andreas Wipper setzte bei seinem „Aufstieg“ dagegen auf leichtes Gepäck – und das mit gutem Grund. Denn der 55-Jährige hat nicht den höchsten Berg der Erde bestiegen, sondern mit Tourenski die sogenannte Everest-Challenge absolviert. Bei dieser müssen 8848 Höhenmeter zurückgelegt werden. Und die hat der Holzkirchner auf der Weltcupstrecke am Brauneck erklommen.

„Die Idee ist eher aus der Not heraus entstanden“, erklärt Wipper. Da die Langlauf-Marathons, an denen er in einem normalen Winter regelmäßig teilnimmt, heuer allesamt ausgefallen sind, hat er eine neue sportliche Herausforderung gesucht. Durch eine Radl-Zeitschrift kam er auf die Everest-Challenge. „Ich habe gedacht, das könntest mal mit Tourenski machen.“

Eine Idee, die bei Wipper durchaus naheliegt. Der gebürtige Allgäuer, der seit 16 Jahren in Holzkirchen wohnt, ist dem Langlaufen seit Kindheitstagen verbunden und seit fünf Jahren einer der ehrenamtlichen Spurer der Holzkirchner Loipen. „Wenn Langlaufen nicht geht, schaue ich, dass ich Skitouren mache.“ Möglichkeiten gibt es im Oberland genug, doch das Brauneck sei einer seiner Lieblingsberge. Und da es aufgrund stillstehender Lifte heuer erlaubt war, auch die Weltcupstrecke hinaufzustiefeln, war der entsprechende Aufstieg schnell gefunden. Zehneinhalbmal musste Wipper die 842 Meter lange Weltcupstrecke erklimmen – und natürlich wieder abfahren. Natürlich stapfte der 55-Jährige nicht einfach los, trainierte mit Joggen, Langlaufen oder auf der Radlrolle. Und er ging auf Probetouren. „Ich bin vorher schon vier, fünf Mal am Stück hochgelaufen, um das auszutesten“, erklärt er.

Was er da schon wusste: Abwechslungsreich wird die Everest-Challenge nicht. Denn es gibt Regeln. Neben den Höhenmetern muss man immer die gleiche Strecke überwinden. „Es ist auch eine Kopfsache“, weiß er daher. Was Wipper vom Training nicht kannte: „Der Holzhammer kommt nach dem sechsten oder siebten Mal“, erzählt er. Doch sowohl gegen die psychische wie die physische Krise konnte Wipper auf Unterstützung bauen: Seine Frau Kerstin sorgte an der Talstation für Verpflegung, und bei einigen Aufstiegen begleiteten ihn Freunde, denen er dafür sehr dankbar ist.

Auf seiner Uhr konnte er jederzeit seine Zeit prüfen und wie viele Höhenmeter noch fehlen.

Auch die dritte Regel, die beim Everesten zu beachten ist, war für Wipper kein Problem: die Strecke innerhalb von 24 Stunden zurückzulegen. Den ersten Anstieg nahm der Holzkirchner um kurz nach 4.30 Uhr in der Früh in Angriff, die letzte Abfahrt hatte er um 21.45 Uhr hinter sich. „Ich war der Erste am Parkplatz und der Letzte, der wieder gefahren ist“, sagt er lachend. Insgesamt 17:13 Stunden war er unterwegs. Für Aufstiege und Abfahrten allein benötigte er allerdings nur 13:34 Stunden. Der Rest: am Gipfel die Felle abziehen, Schuhe enger schnallen, Jacke anziehen und im Tal das umgekehrte Prozedere. Dazu kurze Verpflegungspausen, von denen er sagt: „Am besten geschmeckt hat ein einfaches Wurst-Käse-Brot.“

Den Tag nach den 10,5 Aufstiegen verbrachte Andreas Wipper zwischen Couch und Küche: Erholung und den Energiehaushalt wieder auffüllen. Fast 10 000 Kalorien hat er laut App verbraucht, das Fünffache des normalen Tagesbedarfs. Trotz aller Erschöpfung überwiegen der Stolz, das Abenteuer vor der Haustür bestanden zu haben, und die Freude über sein persönliches Highlight: „Der wunderschöne Sonnenauf- und -untergang.“

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