Olympiasieger: 2018 gewann Peiffer in Pyeongchang den Sprint-Titel.
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Olympiasieger: 2018 gewann Peiffer in Pyeongchang den Sprint-Titel.

Arnd Peiffer beendet aktive Karriere – Mehr als ein Jahrzehnt Weltspitze

Ein Vorbild verlässt die Loipe

  • vonMichael Eham
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Arnd Peiffer beendet seine Karriere, er wird dem Biathlon-Zirkus fehlen - nicht nur als Sportler. Eine Würdigung seiner Karriere.

Holzkirchen – „Das ist zwar keine weltcuptaugliche Loipe, aber man kann viel für die Beinarbeit machen“, sagte Arnd Peiffer vor der Weltmeisterschaft über die gespurten Kilometer in Hartpenning. Auf dieser Loipe kann der Holzkirchner in Zukunft lockere Runden drehen. Denn Beinarbeit muss er für den Weltcup nicht mehr machen. Peiffer ist am Dienstag vom Biathlonsport zurückgetreten (wir berichteten).

Er war ein analytischer, sachlicher Biathlet, der selten emotional wurde und stets den Durchblick wahrte. Einer, der es schafft, während einer ganzen Schießeinheit nicht einmal zu blinzeln. Und jetzt – noch vor dem Weltcupfinale im schwedischen Östersund am Wochenende – hängt einer der erfolgreichsten deutschen Biathleten aller Zeiten die Ski und das Gewehr an den Nagel. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, erklärte Peiffer.

Silberner Abschluss: Bei der WM auf der Pokljuka sicherte sich Peiffer Platz zwei im Einzel.

Peiffer von Beginn an Spitze

Dennoch kommt der Entschluss nicht gänzlich überraschend. Schon vor zwei Wochen deutete er im NDR an: „Ich werde das vorher nicht groß ankündigen. Irgendwann sage ich einfach: ‚Das war’s jetzt für mich’“, sagte Peiffer, der heute seinen 34. Geburtstag feiert. Für ihn habe sich schon länger herauskristallisiert, dass nach dieser Saison der ideale Zeitpunkt zum Aufhören gekommen sei. „In diesem Winter konnte ich mich noch über einige gute Rennen und Erfolge freuen, und es ist wunderbar, mit dem Gefühl aufzuhören, noch konkurrenzfähig zu sein.“

Mit der Weltspitze mithalten konnte Arnd Peiffer seine gesamte Biathlonkarriere. Weil er seinem Teamkollegen Christoph Stephan im Januar 2009 beim Hallenfußball die Nase gebrochen hatte, durfte Peiffer den Invaliden in der Staffel ersetzen. Platz drei im Quartett am Rennsteig in Oberhof zum Weltcupdebüt. Seitdem war er aus der deutschen Biathlonmannschaft nicht mehr wegzudenken.

Seinen größten Erfolg feierte er bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang mit der Goldmedaille im Sprint. Insgesamt gewann Peiffer einen kompletten olympischen Medaillensatz. Eine Goldmedaille vom Staffelrennen 2014 in Sotschi kommt vielleicht noch obendrauf. Das Verfahren gegen den später des Dopings überführten Russen Jewgeni Ustjugow läuft auch sieben Jahre danach noch.

Seine letzten Karriererennen lief Arnd Peiffer am vergangenen Wochenende im tschechischen Nove Mesto.

Hinz: „Sehen uns im Oberland“

Zuletzt holte Peiffer im Einzel auf der Pokljuka die Vizeweltmeisterschaft und feierte zuvor in Hochfilzen seinen ersten Sieg im Massenstart. Insgesamt gewann Peiffer 20 Medaillen bei Biathlon-Großereignissen. Der im Harz geborene und seit 2016 in Holzkirchen lebende Biathlet ist ein Familienmensch. Im Landkreis ist Peiffer mittlerweile angekommen, wurde bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2020 Zweiter.

Peiffer: Mythos Olympia ist beschädigt.

Dass er nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ein wichtiger Bestandteil der deutschen Biathlonmannschaft war, zeigen die Reaktionen aus dem Team. „Du bist mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, warst ein so fairer Sportler, Teamplayer und mein Vorbild“, schrieb die Schlierseerin Vanessa Hinz auf Instagram und fügt neben Wünschen für die Zukunft hinzu: „Ich bin mir sicher, wir sehen uns mal im Oberland.“ Vielleicht ja auf einer lockeren Runde auf der Hartpenninger Loipe.

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