Sabine Huth kam zufällig nach Weyarn.
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Sabine Huth kam zufällig nach Weyarn.

Sabine Huth gewann 1992 Gold in Albertville

Curling-Olympiasiegerin Sabine Huth wohnt mittlerweile in Weyarn

1992 gewann Sabine Huth Olympia-Gold im Curling - obwohl die Sportart damals noch nicht olympisch war. Mittlerweile wohnt sie in Weyarn und engagiert sich in der Dorfgemeinschaft.

Weyarn – In den Chroniken des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) sucht man die fünf erfolgreichen Damen auch 29 Jahre später vergebens. Zehnmal Gold, zehnmal Silber, sechsmal Bronze – so die Ausbeute der deutschen Mannschaft bei den Winterspielen 1992 in Albertville. Dabei waren es genau genommen elf Goldmedaillen, die der schwarz-rot-goldene Tross mit nach Hause brachte. Denn auch die Curling-Frauen gewannen ihr Finalspiel gegen die favorisierten Norwegerinnen mit 9:2.

Allerdings war Curling seinerzeit nur eine Demonstrationssportart. Die Beförderung zum festen Programm folgte acht Jahre später in Nagano – was für Sabine Huth freilich keinen Makel darstellt. Die 54-Jährige, die seit drei Jahren in Weyarn lebt, war Teil des Erfolgsquintetts. „Ich fühle mich trotzdem als Olympiasiegerin. Das war der größte Erfolg meiner Karriere – das lasse ich mir von niemand nehmen.“ Die Schwäbin fungierte in der von Andrea Schöpp als Skip angeführten Mannschaft als Lead. Heißt: die Spielerin, die die beiden ersten Steine spielt.

Ein Jahr zuvor waren die fünf Frauen in Chamonix bereits Europameisterinnen geworden. Auf olympischem Parkett wurde ihre Sportart von den Funktionären um NOK-Präsidenten Walther Tröger zunächst mit Missachtung gestraft. „Wir waren nicht zur offiziellen Einkleidung eingeladen, durften nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen und mussten mit Privatautos nach Frankreich fahren“, erzählt Huth.

Geändert hat sich die Anerkennung erst mit einer Grußbotschaft von Bundeskanzler Helmut Kohl: „Ihre Goldmedaille zählt für uns wie eine richtige.“ „Plötzlich durften wir zu Empfängen, in Fernsehstudios und sogar als Teil der deutschen Mannschaft zur Abschlussfeier“, sagt Huth. Mehr: Das Ensemble erhielt das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung für deutsche Sportler. Zuvor hätten sie in Albertville rund um das Eisstadion auf die Frage, für welches Land sie starteten, noch scherzhaft geantwortet: „Republic of Garmisch Bavaria“ – eine Reaktion auf die NOK-Ignoranz.

Huth engagiert sich in Weyarn

Die misslungene Qualifikation für die Weltmeisterschaft ein Jahr später war der sportliche Schlusspunkt des Teams, das sich Jahre lang an den Wochenenden zum Training in der Schweiz, Garmisch oder Oberstdorf getroffen hatte. „Heute gibt es nur noch gelegentlichen Kontakt mit Stephanie Mayr. Von den anderen habe ich schon lange nichts mehr gehört.“

Die 54-Jährige hat es nach einer Ausbildung zur Hotelfachfrau vor gut 20 Jahren zunächst nach München gezogen. Mittlerweile lebt sie in Weyarn und organisiert als Eventmanagerin Werbeveranstaltungen. In das Klosterdorf kam sie per Zufall. „Die Gemeinde Weyarn hatte ein schönes Neubaugebiet und der Makler hat uns etwas angeboten, in das wir uns sofort verliebt haben.“ Auch gesellschaftlich ist sie angekommen, engagiert sich in der Nachbarschaftshilfe, in der Arbeitsgemeinschaft Dorfladen und arbeitet ehrenamtlich im Klostercafé. „Ich will hier nicht mehr weg. Ich bin ein Naturmensch – und das hier ist die schönste Umgebung, die ich mir überhaupt vorstellen kann“, sagt Huth.

Welcher Bezug zum Sport geblieben ist? „2008 habe ich ein halbes Jahr in Peking gelebt. Da habe ich mir Karten für die Sommerspiele besorgt und mich stundenlang unter die olympische Flamme gestellt, um dieses tolle Erlebnis von 1992 noch einmal zu spüren“, sagt Huth, die bei der verpassten WM 1993 dann doch auch dabei war – als Coach der australischen Mannschaft.

Ihr bislang letztes Curling-Turnier hat die Olympiasiegerin vor sechs Jahren zum Spaß in Hamburg gespielt. „Ich schaue die Sportart noch immer gerne im Fernsehen, habe aber inzwischen einen großen Abstand dazu“, sagt Huth. Die olympische Goldmedaille, die auch die Sieger der Demonstrationssportarten erhielten, hat bis heute einen Ehrenplatz in der heimischen Vitrine.

Harald Landwehr

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