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„Auch mal jemanden wegchecken“: Niki Heinzinger (r.) zeigt sich unbeindruckt von der möglichen Routine des Gegners – hier Dresdens Jordan Knackstedt – und ist mit 18 Jahren fester Bestandteil der Tölzer Löwen.

Holzkirchner setzt sich in DEL2 durch

Die steile Karriere des Niklas Heinzinger

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Mit nur 18-Jahren hat sich Niklas Heinzinger schon in der DEL2 durchgesetzt. Das Talent wurde dem Holzkirchner vermutlich in die Wiege gelegt: Er ist der Neffe von Michael und Jürgen Rumrich.

Holzkirchen/Bad Tölz – Es ist das Schicksal des Verteidigers: Die Tore, also das, was im Eishockey zählt, schießen meist andere. Niklas Heinzinger hat sich damit abgefunden. Für ihn liegen die Erfolgserlebnisse in schöner Defensivarbeit: „Ein schöner Aufbaupass, auch mal jemanden zamfahren, ein geiler Check, das sind so Momente, das pusht einen noch mal so richtig.“ Diese Momente hatte der 18-jährige Holzkirchner und Abwehrspieler der Tölzer Löwen heuer schon einige Male.

Das Talent zeigt keine Scheu vor älteren Routiniers, spielt bisher eine starke Saison in der DEL2 und schaffte gerade mit der Deutschen U20-Nationalmannschaft bei der B-Weltmeisterschaft in Füssen den Aufstieg in die Top-Division. „Das war bestimmt ein Höhepunkt meiner Karriere bisher“, sagt Heinzinger. Auch der Umstieg von Nachwuchs- zu Erwachsenen-Eishockey ist geglückt. „Bisher war es wirklich eine richtig gute Saison.“

Er hatte das so nicht unbedingt erwartet. Doch seit seinem Realschulabschluss, als er neben dem Sport mit Mathe, Deutsch und Englisch zu kämpfen hatte, kann sich Heinzinger voll auf das Eishockey konzentrieren. Er zog das Training im Sommer durch – und schaffte es, Löwen-Trainer Markus Berwanger von sich zu überzeugen. Und zwar auf dem Eis und nicht seiner Abstammung wegen: Heinzinger ist der Neffe der Nationalspieler Michael und Jürgen Rumrich. Sein Vater Hermann, ebenfalls Eishockey-begeistert, war früher sein Kleinstschüler-Trainer beim ESC Holzkirchen und später bei den Kleinschülern, als Heinzinger zum EC Bad Tölz wechselte.

Das Eishockey lag ihm gewissermaßen in den Genen, als er mit drei Jahren anfing. „Ich hab’ auch Fußball gespielt, aber Eishockey fand ich besser.“ Nach der Grundschule in Holzkirchen, wo er mit einer älteren Schwester und einem Halbbruder aufwuchs, musste er sich entscheiden, wählte den schnellsten Teamsport der Welt und spielt seitdem für den Tölzer Eisclub. Bei den Löwen hat Heinzinger bereits jetzt um zwei weitere Jahre verlängert. Eine Entscheidung, die er nicht bereut, auch wenn demnächst der eine oder andere DEL-Verein bei ihm anklopfen könnte.

Die Zukunft lässt Heinzinger entspannt auf sich zukommen. Auch über seinen beruflichen Werdegang nach dem Sport hat er sich noch nicht zu sehr den Kopf zerbrochen. „Vielleicht irgendwas mit Sport oder in der Werkstatt. Erst mal will ich mich aufs Hockey konzentrieren.“ Heinzinger ist ein freundlicher, hilfsbereiter Mensch mit Heimat- und Bodenhaftung. Seine Karriere entwickelt sich derzeit steil nach oben. Trotzdem bleibt er auf dem Teppich, sieht seine Entwicklung nüchtern, realistisch und selbstkritisch, verfällt nicht in Euphorie oder Selbstüberschätzung.

Sich längerfristig an die Löwen zu binden, das war auch eine Grundsatz-Entscheidung: „Ich möchte nicht bei irgendeinem Verein versauern oder ins Farmteam abgeschoben werden, sondern viel Eiszeit bekommen und mich hier weiter entwickeln.“ Am liebsten in die Richtung von NHL-Profi Korbinian Holzer. „Find’ ich gut, wie der spielt.“ Nach Ablauf der zwei Jahre ist die beste deutsche Eishockey-Liga aber durchaus ein Ziel für Heinzinger. „Ich setze mir gerne Ziele, die ich erreichen kann, und dann gebe ich alles dafür, um sie zu erreichen.“

Die beste Liga der Welt dagegen, die NHL in Übersee, reizt ihn nicht übermäßig. „Das ist nicht so mein Fall.“ Da bleibt er lieber in „seinem“ Oberland, würde später „eventuell für überschaubare Zeit“ innerhalb Deutschlands den Verein wechseln. Doch dazu sieht er derzeit überhaupt keinen Anlass. „Wir sind eine super Mannschaft, guter Zusammenhalt, und ich glaube, dass wir es in die Playoffs schaffen“, sagt Heinzinger über die Löwen.

Dass es Phasen gibt, in denen es weniger gut läuft, und Spiele, bei denen der Wurm drin ist, sei mehr oder weniger normal, meint der Holzkirchner nüchtern. Zum Beispiel vor Kurzem die Partie gegen Bayreuth. „Da haben wir lauter viel zu einfache Tore kassiert.“ Er trat anfangs im Sturm an – dort hat er erst einmal in der Vorbereitung in England gespielt. Nach vielen Abwehr-Schnitzern tauschte Löwen-Coach Berwanger seine Defensive um, und Heinzinger verteidigte wieder an der Seite von Casey Borer, „Aber an dem Tag ist es einfach nicht gelaufen.“

Da erinnert er sich lieber an die Zeit direkt davor. Der 18-Jährige wurde in den Kader von Bundestrainer Christian Künast berufen und spielte mit der deutschen Mannschaft ein Top-Turnier bei der U20-WM. Die DEB-Auswahl gewann alle Spiele – gegen Österreich im Penaltyschießen – und steigt damit in die Top-Division auf. „Gegen Österreich haben wir uns schwergetan.“ Dann folgten klare Ergebnisse gegen Norwegen, Litauen, Weißrussland und Frankreich. „Es waren alles starke Gegner, aber wir haben gut gespielt, haben wenig zugelassen.“ Und das war auch sein Verdienst.

Seine Meriten bei den Löwen hat er sich in seiner ersten Saison im Erwachsenen-Bereich schon jetzt verdient. Zwar kam Heinzinger bisher erst auf zwei Scorerpunkte in der DEL2. Doch seine defensiven Aufgaben erledigt er vorbildlich, kompromisslos in den Zweikämpfen, mit Übersicht bei der Spieleröffnung. „Er hat sich heuer zu einer echten Abwehr-Größe entwickelt“, lobt Trainer Berwanger. Bei der WM tauchte Heinzinger gar nicht in der Scorer-Liste auf. Aber der Jubel nach dem 6:1 gegen Frankreich, als der Aufstieg feststand, da war er Teil der Mannschaft, die etwas Großes geschafft hatte. „Das war schon ein Erlebnis, das vergisst man nicht.“ Und er hatte schon vorher ab und zu diesen besonderen Moment. Diesen Verteidiger-Moment.

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