Startplatz eins: Im dritten Rennen in Portimao startete Estner von der Pole Position.
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Startplatz eins: Im dritten Rennen in Portimao startete Estner von der Pole Position.

EUROFORMULA - Andreas Estner startete als Gastfahrer beim Saisonauftakt in Portimao

Estner hat guten Speed, aber kein Glück bei Kurz-Comeback

  • Sebastian Schuch
    VonSebastian Schuch
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Beim Saisonauftakt der Euroformula in Portimao durfte der Waller Rennfahrer Andreas Estner noch einmal für ein Kurz-Comeback ins Auto steigen - und überzeugte.

Wall/Portimao – Anfang der Woche setzte der Formel 1- Tross vom portugiesischen Portimao nach Barcelona in Spanien über. Dort beginnt am heutigen Freitag das vierte Rennwochenende der Saison 2021 der Königsklasse. Auch der Waller Rennfahrer Andreas Estner begann die Woche an der Algarve-Küste, sein Flug führte ihn allerdings nicht an die spanische Mittelmeerküste, sondern zurück nach Hause. Denn für den 20-Jährigen war das Wochenende in der Euroformula Open nur ein Gastspiel. Andreas und Bruder Sebastian (19) stehen in diesem Jahr bei keinem Team fest unter Vertrag.

Dass er fahrerisch das Zeug für einen Stammplatz in der Euroformula – oder einer anderen Klasse – hat, stellte Andreas Estner in Portimao zumindest unter Beweis. Im ersten Training stellte er seinen Van-Amersfoort-Rennwagen direkt auf Platz zwei. „Ich war von Beginn an richtig gut dabei, obwohl ich sieben Monate nicht gefahren bin“, sagt Estner. „Der Speed war um einiges schneller als erwartet.“ In der Qualifikation hätte er den schwarz-orangenen Wagen mit der Nummer 16 zeittechnisch auf Platz drei gestellt. „Aber ich bin zurückversetzt worden. Es gab eine rote Flagge kurz vor der Start-Ziel-Gerade, bevor ich meine Runde beendet hatte.“ Von Platz acht kämpfte sich Estner, der gerade auf Start-und-Ziel den Speed vermisste, noch einen Platz nach vorne und sammelte sechs Punkte.

Beim zweiten der drei Rennen des Wochenendes musste der 20-Jährige als eine Art Versuchskaninchen für das Team herhalten und kam mit drei Runden Rückstand als Elfter ins Ziel. „Das war ein bisschen komplizierter“, erklärt Estner. Er startete aus der Boxengasse und es ging mehr um das Set-up als um eine Platzierung. Zudem kam er einmal für Veränderungen in die Box, da summierte sich der Rückstand schnell auf.

Andreas Estner fällt nach Unfall zurück

Diese ungewöhnliche Herangehensweise sollte sich für das abschließende Rennen auszahlen. Denn die Startaufstellung ergab sich aus den schnellsten Rundenzeiten des zweiten Rennens. Und da hatte Estner die Bestzeit gesetzt. „Also habe ich von der Pole starten dürfen.“ Die Bestätigung für seinen guten Speed am gesamten Wochenende quasi.

Wichtige Arbeit leistete Andreas Estner für sein Team. Er hat sich auch ohne Stammplatz empfohlen.

Doch im Rennen lief es wie im vergangenen Jahr, wenn Estner Siegchancen hatte: Das Glück war nicht auf seiner Seite. Zwar konnte er die Spitzenposition zunächst verteidigen, doch „das Auto hat die ersten Runden nicht gut gelegen. Ich habe kämpfen müssen“, meint Estner. Deshalb musste er zunächst den späteren Sieger Cameron Das (Motopark) und Louis Foster (Crypto Tower) passieren lassen. Auf Platz drei liegend verbremste sich dann Nazim Azman (Crypto Tower) hinter Estner – bei der Kollision schlitzte der Malaysier Estners rechten Hinterreifen auf. Mit einem Platten fuhr er zum Reifenwechsel in die Box, das Rennen war aber gelaufen. „Am Schluss bin ich wieder die zweitschnellste Rennrunde gefahren. Ein Podium wäre drin gewesen“, hadert Estner.

Auch wenn nach dem Gastauftritt in Portugal „nur“ ein Platz in den Punkten zu Buche steht, fällt Estners Fazit grundsätzlich positiv aus: „Die Ergebnisse waren nicht top, aber vom Fahrerischen war ich schon dabei.“ Und nach Monaten ohne Einsatz im Rennwagen sei die Erwartung nicht allzu groß gewesen.

Das hängt auch damit zusammen, dass Estner erst rund eine Woche vor dem Saisonauftakt von seiner Chance erfahren hat. „Wir wurden gefragt, ob wir vielleicht fahren wollen. Dann haben wir überlegt, weil es von der Fitness nicht so gut war“, erklärt der 20-Jährige. Schnell hatte sich die Lust aufs Rennfahren durchgesetzt.

Andreas Estner empfiehlt sich für weitere Einsätze

Die Belastungen des Rennwochenendes spürte er noch in den Tagen danach. „Es ist nicht so, dass man sich reinhockt und nach einer Woche Training geht das“, betont Estner. „Rennautofahren ist schon anstrengend, wenn man es nicht gewohnt ist.“ Autos ohne Servolenkung oder Schnell- und Fliehkräfte auf der Gerade und in den Kurven: Gerade am Samstagnachmittag und am Sonntag habe er das Genick, die Arme oder den Rücken gespürt.

Von der Formel 1, in deren Rahmenprogramm der Saisonauftakt der Euroformula stattfand, hat Estner nicht viel mitbekommen. Wie schon im vergangenen Jahr waren die Rennserien coronabedingt strikt getrennt – sogar noch mehr als 2020. So durfte nicht einmal die Rennkontrolle der Euroformula ins Boxengebäude, sondern musste aus einem Container im eigenen Fahrerlager heraus arbeiten. Die Möglichkeit, mit den Großen des Motorsports in direkten Kontakt zu kommen, blieb dem Waller also erneut verwehrt.

Im Mittelfeld landete Andreas Estner beim ersten Rennen des Wochenendes. Schon da hatte er Pech, dass ihm seine schnellste Runde in der Qualifikation gestrichen wurde.

Wie oft er oder Bruder Sebastian heuer in ein Rennauto steigen werden, ist aufgrund des fehlenden Stammplatzes unklar. Dabei ist weniger das Können im Auto das Problem, sondern eher das Finanzielle. „Wenn eins fehlt, dann gehts halt nicht“, sagt Andreas. Aber klar ist auch: „Wenn einer sagt, du kannst fahren, dann kann ich wahrscheinlich nicht Nein sagen“, gibt Estner die Hoffnung auf weitere Rennen nicht auf.

Und selbst wenn es bei diesem einen Einsatz bleiben sollte, wird ihm und Bruder Sebastian über das Jahr nicht langweilig werden. Beide arbeiten im elterlichen Unternehmen. Andreas Estner studiert nach dem Meister als Kfz-Mechatroniker mittlerweile berufsbegleitend Unternehmensführung an der Hochschule München, Sebastian beginnt im Herbst mit dem Meister.

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