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Legende am Start: Der BMW 320 Judd V8 von Georg Plasa beim „Goodwood Festival of Speed“.

Bergrennsport

Lautstarke Wiederauferstehung: Georg Plasas BMW rast in Goodwood auf Platz 3

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Das Monster ist zurück – und wie. In 46,43 Sekunden jagte Jörg Weidinger den BMW 320 Judd V8 seines 2011 tödlich verunglückten Freunds Georg Plasa den Goodwood Hill hinauf.

Unser Archivbild zeigt Plasa am Cockpit seines BMW 320 Judd V8.

Warngau/Fichtenberg – Das Monster ist zurück – und wie. In 46,43 Sekunden jagte Jörg Weidinger den BMW 320 Judd V8 E36 seines 2011 bei einem Bergrennen tödlich verunglückten Freunds Georg Plasa aus Warngau den Goodwood Hill hinauf. Jene berühmte 1,86 Kilometer lange Asphaltpiste zwischen Strohballen, Bäumen und Steinmauern in Südengland, die beim „Goodwood Festival of Speed“ jedes Jahr im Juli zum Wallfahrtsort für alle Geschwindigkeitspilger wird. Als Drittschnellster im legendären Shootout erfüllte sich Weidinger (Hersbruck) einen Traum – sich und seinem verstorbenen Freund, wie der Rennfahrer betont: „Ich habe Georg nur vertreten.“

Dass er dies würdig getan hat, belegte alleine schon der begeisterte Jubel der zigtausenden Zuschauer an der Strecke. Die versorgte Weidinger nämlich mit dem, nach dem sie am meisten dürsten: dem infernalischen Kreischen des Achtzylinders von Plasas BMW. Dank seinen 550 PS, 3,4 Litern Hubraum und bis zu 11 000 Umdrehungen pro Minute erzeugt er einen Sound, den Fans voller Ehrfurcht mit dem eines Formel-1-Motors vergleichen. Wohlgemerkt aus der Zeit, als die Formel 1 noch richtig laut war. Doch anders als viele andere Fahrer beim „Festival of Speed“, bei dem neben schnellen Autos auch Motorräder und sogar Flugzeuge in Aktion zu bewundern sind, war Weidinger nicht auf Show aus. Das, sagt er, wäre nicht im Sinne Plasas gewesen. „Einfach nur zum Spaß ein bisschen Lärm und Burnouts, das war nicht und niemals seine Art.“

In Gedanken seien er und Plasa schon oft in Goodwood an den Start gegangen, erinnert sich Weidinger. Der „Hillclimb“ sei immer wieder zentrales Thema ihrer motorsportlichen „Spinnereien“ gewesen. „Jörg, denen müssten wir endlich mal zeigen, was man dort mit einem gescheiten Bergrennauto machen kann“, zitiert Weidinger seinen verstorbenen Freund. Dass er nun vom Veranstalter Charles Gordon-Lennox, 11. Duke of Richmond, tatsächlich zum Festival eingeladen wurde, führt der Rennfahrer in erster Linie auf Plasas Kult-BMW zurück.

Den wiederaufgebauten Boliden seines tödlich verunglückten Freundes steuerte Jörg Weidinger  in der drittschnellsten Zeit die 1,86 Kilometer lange Strecke hinauf.

Bis 2009 heizte der Warngauer vom MSC Tegernsee mit seinem „Sound-Monster“ die Bergstrecken in allen Teilen Europas hinauf. Dann stieg er auf den von ihm selbst mitentwickelten BMW 134 Judd V8 um, mit dem er am 10. Juli 2011 in Italien in eine Mauer krachte und dabei sein Leben verlor. Sieben Jahre später hat ein Team von Angestellten und Diplomanden des Fahrwerkherstellers KW aus Fichtenberg in Baden-Württemberg Plasas Ur-BMW wieder aufgebaut und damit sein Vermächtnis zu neuem Leben erweckt.

KW-Geschäftsführer Klaus Wohlfahrt, der eine enge und lange Freundschaft mit Plasa pflegte, hatte das Fahrzeug des Warngauers übernommen. Dieses war zwar in gepflegtem Zustand, an einen Renneinsatz war aber nicht zu denken. Neben Aufhängungs- und Anbaukomponenten fehlten auch zahlreiche Kleinteile. Weil es sich meist um Einzelanfertigungen für den Perfektionisten Plasa gehandelt hatte, gestaltete sich der Ersatz äußerst schwierig. Beispielsweise nutzte der Warngauer eine Reifenmischung auf einer Felgengröße, die so nur für ihn entwickelt worden war. Doch als das KW-Team mit dem Namen Plasa anklopfte, waren die Türen bei seinen ehemaligen Firmenpartnern weit offen. Zusammen mit ehemaligen Teamkollegen des Warngauers gelang es, den Wagen in den Wintermonaten von 2017/2018 wieder in den Zustand zu versetzen, in dem er reihenweise Streckenrekorde pulverisierte.

Apropos Streckenrekord: Der steht am Goodwood Hill bei 41,6 Sekunden. Aufgestellt 1999 vom damaligen F1-Testfahrer Nick Heidfeld im McLaren-Mercedes-Weltmeisterauto von Mika Häkkinen. Weidinger war in Plasas BMW keine fünf Sekunden langsamer. Geschlagen wurde er übrigens von zwei Elektroautos. So darf der Bergrennfahrer stolz behaupten, beim Festival of Speed 2018 das schnellste Fahrzeug mit Verbrennungsmotor über die Ziellinie gelenkt zu haben.

Würdiger hätte Weidinger seinen Freund Georg Plasa nicht vertreten können. Fast schon demütig bedankt er sich für das Vertrauen des Teams, „dieses ehrenvolle Gerät so zügig auf dieser Strecke bewegen zu dürfen. Never forget!“

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