+
Nur noch für sich selbst auf Erfolgssuche: Ulrike Giesa von den SF Föching wurde bei der EM in Caorle Zweite im Diskuswurf in der Altersklasse W35.

Vize-Europmeisterin im Diskuswurf W35

Giesas gelungene Work-Life-Diskus-Balance

Mit dieser Silbermedaille hat Leichtathletin Ulrike Giesa so richtig überrascht. Bei den Senioren-Europameisterschaften in Caorle/Italien feierte die 35-Jährige einen ganz großen Auftritt.

Die Leichtathletin von den Sportfreunden Föching glänzte nach einer langen internationalen Wettkampf-Abstinenz in den Wurf-Wettbewerben. Im Diskuswurf der Frauen schleuderte sie die ein Kilogramm schwere Scheibe 48,52 Meter weit und wurde damit Vize-Europameisterin. Es siegte Sabine Rumpf (LSG Goldener Grund/Hessen) mit 52,71 Metern, während die Französin Sibylle Retour mit 43,21 Metern Bronze holte.

Giesa freute sich sehr: „Mit dieser Medaille bin ich super zufrieden, doch mit der Weite hadere ich noch ein wenig.“ Gerne hätte sie den Diskus auf eine Weite jenseits der 50-Meter-Marke geworfen, doch die Tagesform war am Ende ausschlaggebend bei den regnerischen Bedingungen. „Klar habe ich aufgrund meiner Vorleistung ein bisschen mit Gold geliebäugelt, doch bei den deutschen Titelkämpfen vor einigen Wochen in Berlin musste sich ein kleines Leistungstief bewältigen“, erzählt Giesa. Deshalb hätte diesmal alles passen müssen, um wieder an ihre Saisonbestleistung von 53,39 Meter – die zu Gold gereicht hätte – wieder heranzukommen.

Am Wettkampftag fühlte sie sich in einer starken Verfassung, aber der Diskusring war nach den Regengüssen zu nass. „Da wusste ich, dass es sehr schwierig für mich wird. Da erfolgt dann die Drehung etwas mit Vorsicht, um nicht auf der Nase zu landen, und dadurch geht etwas an Dynamik verloren“, erklärt die erfahrene Athletin. Diese persönliche Vorsicht kostete ein paar Meter. Giesa kritisch: „Da hat eben mal wieder der Kopf entschieden, wie der Wettkampf verläuft.“

Eigentlich sah es für die Föchingerin gar nicht so schlecht aus, denn nach zwei Versuchen lag sie mit ihrer Weite von 48,52 Meter in Führung der neunköpfigen Konkurrenz und hatte zugleich die beste Serie. Die spätere Europameisterin Sabine Rumpf hatte nur einen starken Moment, der aber zum Sieg reichte: Alle anderen Würfe wären schwächer als Giesas gewesen. „So ist es das eben im Wettkampf“, sagt die Föchingerin die sich nach dem letzten Wurf zu Recht ein wenig ärgerte, zumal sie ihrer Meinung nach ihr volles Potenzial nicht abrufen konnte und so ihrer deutschen Team-Kollegin den Vortritt lassen musste. „Dennoch war der Gedanke schnell verflogen, denn es war auch ein schönes Gefühl, bei der Siegerehrung einen Doppel-Sieg für Deutschland zu landen.“

Zumal die 35-Jährige sich sicher ist: „Es kommen in meiner Zeit als Leichtathletik-Seniorin so viele große Wettkämpfe wie Weltmeisterschaften und europäische Masters – da wird sicherlich auch mal eine Goldmedaille für mich herausspringen, solange ich gesund bleibe.“

Als 19-Jährige wurde die Landkreis-Athletin bereits Jugend-Europameisterin im Diskuswurf und gewann bislang bei deutschen Meisterschaften in der Frauen-Hauptklasse fünf wertvolle Medaillen. Nun mit ihrer ersten großen Silbermedaille in der Altersklasse W35 ist dies für die Leichtathletin so ein neuer Abschnitt des Erfolges. „Das ist schwierig mit dem Einschätzen des Erfolges von damals und heute“, stellt sie fest, „denn ich betrachte diese Medaillen wirklich getrennt.“ Damals absolvierte sie noch ein Hochleistungstraining – jetzt ist sie mit einem sehr lockeren Trainingskonzept unterwegs. „Es ist ein neuer Lebensabschnitt für mich, denn das jetzt gewonnene Silber hat für mich eine andere Bedeutung als damals die Erfolge bei Jugend- und Frauen.“ Damals wollte sie beweisen, was in ihr steckt, während sie heute nur noch für sich auf Erfolgsjagd geht. „Das ist jetzt für meine eigene Zufriedenheit und meine Work-Life-Diskus-Balance.“

Nach der erfolgreichen Saison 2019 kann sie nun auf ein überaus starkes Jahr zurückblicken. Dank ihres ausgewogenen speziellen Trainings kann Giesa noch regelmäßig Weiten über 50 Meter erreichen. „Das ist wohl so wie Radfahren: Man verlernt es einfach nicht, sondern die Gelenke und Muskeln sind im Alter einfach nicht mehr so geschmeidig“, sagt Giesa.

Gleich nach der Siegerehrung fuhr sie in den Urlaub zum Strand von Cavallino, bevor es in den nächsten Wochen für sie als Fußball-Torfrau bei der SG Holzkirchen/Otterfing weiter geht.

Ludwig Stuffer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Turner Felix Remuta im Aufgebot für Heim-WM
Felix Remuta darf sich Hoffnungen auf die Heim-WM machen. Der Kunstturner aus Holzkirchen steht im deutschen Kader. Zwar als Ersatzmann, aber das kann sich noch ändern.
Turner Felix Remuta im Aufgebot für Heim-WM

Kommentare