Vornewegfahren will Florian Wilmsmann im kommenden Winter. Bislang ist Platz zwei sein bestes Ergebnis im Weltcup. Fotos: ESC/DSV
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Vornewegfahren will Florian Wilmsmann im kommenden Winter. Bislang ist Platz zwei sein bestes Ergebnis im Weltcup.

Florian Wilmsmann fiebert dem Weltcup-Auftakt entgegen – WM abgesagt

Wilmsmanns Saison-Highlight fällt aus

  • vonEwald Scheitterer
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Der Weltcup-Auftakt der Skicrosser wurde bereits verschoben. Florian Wilmsmann aus Holzkirchen fiebert der neuen Saison bereits entgegen, doch das Highlight fällt aus.

Großhartpenning – „Es hätte schlimmer kommen können“, fasst Florian Wilmsmann, der aktuell beste deutsche Skicrosser, den Verlauf des Corona-Jahrs 2020 aus sportlicher Sicht bislang zusammen. Zur Erklärung schiebt der Sportler vom TSV Hartpenning noch nach: „Bis Anfang November ist es bei mir richtig gut gelaufen.“

Geholfen habe dabei vor allem das ausgeklügelte System an Schutzmaßnahmen in Sachen Corona-Pandemie, dass für Profi-Sportler – und die Crosser im Besonderen – eingeführt wurden. So etwa als einige Trainingseinheiten auf dem Stilfser Joch in Südtirol durchgeführt wurden. Um die damals gültige 48-Stunden-Regelung bei Fahrten in Österreich zu umgehen, unterzogen sich die Sportler noch in Italien einem PCR-Test, der dann ins Labor gebracht wurde. So lag der aktuelle, glücklicherweise negative Befund, bereits vor, als die Athleten nach Abschluss der Trainingswoche wieder nach Deutschland einreisten. Damit wurde ihnen die sonst drohende 14-tägige Quarantäne erspart.

„Das einzig Lästige dabei ist, dass nahezu täglich selbst kurzfristige Pläne umgeworfen werden müssen, je nachdem wie sich die gesetzlichen Vorgaben in den entsprechenden Gebieten ändern“, erklärt der Ausnahme-Athlet.

Wilmsmann zufrieden mit Sommertraining

Auch der Wettkampf-Kalender der Skicrosser im Weltcup wurde bereits mehrfach gehörig durcheinandergewirbelt. Erst einmal ausgefallen ist der übliche Saisonstart im französischen Val Thorens. Dort allerdings nicht wegen Corona, sondern schlicht in Folge Schneemangels. Die beiden Weltcup-Rennen in Frankreich sind nun am letzten Wochenende vor Weihnachten geplant, dem ursprünglichen Innichen-Termin. Im Südtiroler Hoch-Pustertal waren die Rennen bereits weit im Vorfeld für heuer komplett abgesagt worden. Damit ist der Auftakt der Skicross-Weltcup-Saison 2020/21 nun für den 15. und 16. Dezember im Schweizer Arosa mit zwei Nachtsprints geplant.

Verschoben sind derzeit auch noch wegen Schneemangels die Dezembertermine im Montafon (Vorarlberg). Sie sind bereits auf den 13. bis 15. Januar 2021 verlegt worden. Auch wenn das Ganze ständige, nicht unerhebliche Umplanungen aus logistischer Sicht bedeutet, „ist das allemal besser, als wenn gleich alles abgesagt worden wäre“, betont Heli Herdt, der Sportliche Leiter der Crosser im Deutschen Skiverband.

Für den Stabsunteroffizier Wilmsmann (Bundeswehr) ergaben sich freilich über den Sommer einige persönliche Veränderungen, nachdem die Saison 2019/20 im März wegen Corona so abrupt endete. Hatte er noch im Vorjahr seinen Wohnsitz ins Allgäu verlegt, so ging’s diesmal wieder zurück nach Oberbayern. „Jetzt wohne ich in Rosenheim. Da sind die Bedingungen für das Sommertraining für mich wesentlich besser, und zu den Bergen ist es auch nicht all zu weit. Zudem habe ich hier viele Freunde“, erklärt der 24-Jährige. Auch genoss er auch das kulturelle Angebot der oberbayerischen Kleinstadt, im Gegensatz zu seinem vorherigen doch etwas ländlichen Wohnort.

So konnte er unter seinem ehemaligen Rennfahrer-Spezl Paul Eckert bei der Bundespolizei in Bad Endorf trainieren. Auch in Ainring, dem Sportstandort der bayerischen Landespolizei, konnte er einige Trainingseinheiten absolvieren. Und wenn es alleine um Kraft und Athletik ging, stand ihm ein Holzkirchner Sportstudio offen, am Wohnort seiner Eltern. „Insgesamt konnte ich so über den Sommer gut und vielseitig trainieren“, berichtet Wilmsmann.

Skicross: WM in China am Mittwoch abgesagt

Das Resultat seiner Mühen zeigte sich dann bei der alljährlichen Leistungsdiagnose im Herbst. „Da war ich mit dem Resultat absolut zufrieden“, erklärt der Sportsoldat. Im Vorwinter überzeugte er mit 342 Punkten und Platz fünf in der Cross-Weltcup-Wertung. Logisch, dass Wilmsmann hier wieder anknüpfen möchte: „Ich hatte bereits viele und gute Skitage, die Bedingungen etwa am Stilfser Joch waren ideal. Das Material passt, und ich habe ein sehr gutes Gefühl.“

Besonders gefreut hatte er sich auf das Highlight des Winters, die Weltmeisterschaft in China. „Ich bin absolut überzeugt, auch wenn alles andere abgesagt wird, die WM findet statt. Da sind die Chinesen echt brutal. Die werden das durchziehen, selbst wenn sie das ganze Skigebiet für uns abriegeln müssen.“ Doch da lag er falsch: Gestern Nachmittag sagte der Weltverband FIS die Titelkämpfe im Februar ab.

Jetzt geht es noch nächste Woche zur letzten Vorbereitung auf den Saisonstart auf die Reiteralm bei Schladming, ehe sich der Tross in Richtung Arosa auf den Weg macht. Da bleiben Wilmsmann nur noch zwei Wünsche: „Zum einen hoffe ich, dass sich das ganze harte Sommertraining auszahlt und ich mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann. Andererseits würde ich mich freuen, wenn der aktuelle Terminplan corona- und schneebedingt eingehalten werden könnte. Aber sicher ist heuer gar nichts.“

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