+
Sebastian Huber landet nach seiner Rückkehr von den Red-Bull-X-Alps in Schliersee.

Red-Bull-X-Alps

Der Alpen-Überflieger

Rottach-Egern – Von Salzburg nach Monaco - und das mit dem Gleitschirm. Sebastian Huber vom Gleitschirmclub Tegernseer Tal hat das gemacht und landet bei den Red-Bull-X-Alps auf einem überragenden zweiten Platz.

Wie kommt man am schnellsten über die Berge von Salzburg nach Monaco? Darum geht es beim Red-Bull-X-Alps-Rennen. Nur auf zweierlei Art dürfen sich die 32 Starter fortbewegen: zu Fuß, oder mit dem Gleitschirm. „Man versucht natürlich, so weit wie möglich zu fliegen,“ sagt Sebastian Huber vom Drachen- und Gleitschirmclub Tegernseer Tal, einer von vier deutschen Teilnehmern. Denn in der Luft ist man ungefähr sieben Mal so schnell, wie wenn man über Berge und Alpentäler läuft.

Der 29-jährige Huber war in diesem Jahr erstmals am Start und feierte gleich einen Riesenerfolg: Hinter dem Schweizer Seriensieger und Profi-Flieger Christian „Chrigel“ Maurer landete er auf dem zweiten Platz. Die genaue Route ist nicht vorgeschrieben, aber es gibt zehn Wendepunkte, die jeder Athlet passieren muss. Dazu gehörten dieses Mal die Kampenwand, das Ötztal, Meran, das Matterhorn und der Mont Blanc. Um 5 Uhr morgens laufen die Sportler los, und wenn die Thermik gegen 10 Uhr richtig gut wird, schnallen sie den Gleitschirm um und gehen in die Luft. Es ist ein großes Spektakel. „Für Gleitschirmflieger die größte Herausforderung, die es gibt,“ sagt Huber. „Im Vorfeld habe ich gesagt: Ich sehe das als Abenteuer, die Platzierung ist sekundär.“

Huber ist gelernter Forstwirt, zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder bewirtschaftet er Wälder in seinem Heimatort Söldenau bei Passau. Mit dem Fliegen fing er vor knapp sieben Jahren an. 2006 war er bei der Bundeswehr in Bad Reichenhall. Dort lernte er Florian Gloggner aus Kreuth kennen. Sie blieben in Kontakt, unternahmen immer wieder gemeinsame Hochtouren in den Alpen. Und oft saßen sie auf dem Gipfel und sagten: „Mensch, wenn wir jetzt einfach hinunterfliegen und uns den Abstieg sparen könnten.“ Eines Tages rief Gloggner an und sagte: „Ich mach’ jetzt den Gleitschirmfliegerschein. Hast auch Lust?“

Sebastian Huber

Nach einem Unfall hörte Gloggner mit dem Fliegen wieder auf. Huber blieb dabei. Ein gewisses Risiko fliegt mit, aber: „Man muss immer wissen, wo man sich gerade befindet, und was gelände- und windmäßig auf einen zukommt. Und man darf nicht über seine eigenen Grenzen gehen.“ Damit das nicht passiert, ist bei einem Wettbewerb wie X-Alps immer ein Begleiter dabei. Martin Walleitner, zugleich Vorsitzender des Tegernseer Klubs, begleitete schon 2007 einen deutschen Starter. Deshalb kannte er den Ablauf ganz gut – auch wenn Route und Bedingungen jedes Mal wechseln. Walleitner sorgte dafür, dass sein Athlet immer genügend zu Essen und zu Trinken hatte, er hatte Wetter und Flugbedingungen im Auge, brachte die Flugausrüstung auch mal mit der Seilbahn einen Berg hoch.

Und er zog kurz vor Ende den entscheidenden Joker: den Night Pass. Nur ein einziges Mal durfte jeder Athlet sich auch nachts fortbewegen. Huber und Walleitner hatten sich diese Option bis kurz vor Schluss aufgespart. Das bedeutete aber, dass Huber über Nacht stolze 100 Kilometer bis zum nächsten geeigneten Startberg laufen musste, um sich den nötigen Vorsprung auf seine Verfolger zu sichern. Dabei half ihm die Unterstützung von Familie und Freunden. In kleinen Etappen von jeweils fünf Kilometern liefen sie abwechselnd neben ihm her und trieben ihn an. „Eine Strecke fuhren meine Eltern mit dem Auto hinter mir und hatten die Warnblinkanlage an“, sagt Huber.

Um 3 Uhr nachts gönnte er sich eine Stunde Schlaf. Dann war er fit für den Endspurt – und den Zielanflug Richtung Monaco. Nach insgesamt acht Tagen und 23 Stunden traf er dort ein und jubelte über seinen zweiten Platz – und über die Energieleistung der vergangenen Tage. Eine lange Pause zur Erholung brauchte er nicht: Schon wenige Tage später unternahm er die nächste Tour – diesmal zusammen mit seinem Bruder, ohne Stress und ohne Wettkampfdruck. Aber mit Gleitschirm. Einfach nur fliegen. „Das Schönste was es gibt.“

In zwei Jahren wird der nächste X-Alps-Wettbewerb ausgetragen. Ob er dann wieder an den Start gehen wird, weiß Sebastian Huber noch nicht. „Ich mache das wie beim Fliegen. So lange ich mich noch entscheiden kann, ob ich rechts oder links fliege, halte ich mir alle Optionen offen.“

Christian Selbherr

Auch interessant

Kommentare