Fast wie bei den Profis: In Amerika spielen selbst College-Mannschaften in großen Stadien. Diese sind oft bis auf den letzten Platz ausverkauft. Julius Welschof aus Miesbach hofft weiter, eines Tages in der NFL auflaufen zu dürfen. Foto: Michigan Athletics
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Fast wie bei den Profis: In Amerika spielen selbst College-Mannschaften in großen Stadien. Diese sind oft bis auf den letzten Platz ausverkauft. Julius Welschof aus Miesbach hofft weiter, eines Tages in der NFL auflaufen zu dürfen.

Im dritten Jahr läuft es

Miesbacher Julius Welschof spielt regelmäßig in seinem College-Team

  • vonMichael Eham
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Im dritten Jahr in den Vereinigten Staaten läuft es endlich für den Miesbacher Julius Welschof: Er spielt regelmäßig für die Michigan Wolverines American Football.

Miesbach/Michigan – Normalerweise hört man vom US-Bundesstaat Michigan im Landkreis Miesbach eher wenig. In den letzten Tagen war der Staat im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten vermehrt in deutschen Medien vertreten, da er für die US-Wahl einen sogenannten Swing State darstellte, dessen Wähler den Ausgang des Rennens um das Weiße Haus maßgeblich mitentschieden haben. Für den Miesbacher Julius Welschof hingegen ist Michigan seit gut zwei Jahren die neue Heimat. Der 23-Jährige spielt an der University of Michigan für die hiesigen Michigan Wolverines American Football und ist vor zwei Wochen in die neue Saison gestartet.

In seinem dritten Jahr kommt Welschof nun erstmals zu regelmäßigen Einsätzen in der Abwehrlinie der Wolverines. „Im ersten Jahr habe ich mich erst mal körperlich und auch in Sachen Spieltheorie an das höhere Level als in Deutschland gewöhnen müssen“, erzählt Welschof, der in Miesbach aufgewachsen ist und sein Leben lang Ski gefahren ist und Tennis gespielt hat. Erst vor rund fünf Jahren, mit 17, kam er bei einem Auslandsaufenthalt in den Vereinigten Staaten mit Football in Kontakt. Zurück in der Heimat schloss er sich den Rosenheim Rebels und dann den Munich Cowboys an. Von dort hat er sich für ein Stipendium an einer renommierten Universität empfohlen.

Bei den Michigan Wolverines angekommen – und an die sportlichen Gegebenheiten gewöhnt – bekam Welschof in seinem zweiten Jahr die Chance zu spielen. „Ich war im ersten Jahr hauptsächlich im sogenannten Scout Team. Das ist eine Gruppe, die im Training mögliche Spielzüge von den kommenden Gegnern simuliert“, erklärt Welschof, der in seiner zweiten Saison dann mit der echten Defensive trainieren durfte.

Nach seinem ersten Kurzeinsatz im vergangenen Dezember zog sich der Miesbacher allerdings eine komplizierte Bänderverletzung im Sprunggelenk zu und fiel für den Rest der Saison aus. Im ersten Spiel der neuen Saison gegen die Minnesota Golden Gophers gelang den Michigan Wolverines ein überzeugender 49:24-Sieg und dem 1,98 Meter großen Miesbacher das erste Mal ein Sack. Das ist ein Tackle gegen den Quarterback des gegnerischen Teams und eine der Hauptaufgaben von Welschof auf der Position des Defensive Tackle, die er seit Kurzem einnimmt. Zuvor agierte er als Defensive End.

Welschof träumt weiter von NFL

Für seine neue Position musste Welschof an Gewicht zulegen. Von 124 Kilogramm ging es für den 1,98-Meter-Hünen hoch auf 130 Kilo. Vor den knappen Niederlagen gegen die Lokalrivalen der Michigan State University (24:27) und die Indiana University (21:38) waren die Wolverines auf Platz 13 aller Collegefootballmannschaft der USA gelistet. Dafür müssen Welschof und seine Kollegen allerdings viel aufgeben – vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie. „Wir leben gerade in einer Blase“, sagt Welschof über seinen Alltag, den er mit seinen fünf Mitbewohnern, die allesamt seine Teamkollegen sind, bestreitet. „Außerhalb des Footballs haben wir nicht viele soziale Kontakte.“

Viel Zeit dafür hat das Team allerdings sowieso nicht, denn für die kommenden acht Wochen stehen an jeweils fünf Tagen Training und am Wochenende ein Spiel auf dem Programm. „Wir werden jeden Tag morgens auf Corona getestet, bevor wir uns mittags zu Meetings und Analysen treffen“, sagt Welschof. Nach dem knapp zweistündigen Mannschaftstraining geht er noch selbstständig in den Kraftraum.

Für den großen Traum, eines Tages in der National Football League (NFL) zu spielen, trainiert er weit weg von seiner Familie in Bayern, die er während seiner Verletzungspause an Weihnachten zuletzt gesehen hat. Während der Corona-Pandemie ist er nicht mehr nach Deutschland geflogen, weil er befürchtete, nicht mehr in die USA einreisen zu dürfen. Ob er dieses Jahr an Weihnachten nach Hause kann, hängt davon ab, wie gut die Michigan Wolverines in der regulären Saison in der sogenannten Big Ten Conference, einer der ältesten renommiertesten Universitätssportligen der USA, abschneiden.

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