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Außenseiter unter Druck

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Will hoch hinaus: Skicrosser Simon Stickl im Training am Kreischberg. © imago/GEPA pictures

Kreischberg - Simon Stickl startet bei der WM am Kreischberg – Seine Hoffnung steigt bei guter Zeit in der Qualifikation.

Skicross ist auch deswegen so spannend und faszinierend, weil der Sport extrem unberechenbar ist. Es kann schon mal vorkommen, dass drei Athleten vorneweg fahren und einer abgeschlagen ist. Die drei behindern sich aber gegenseitig, rumpeln zusammen oder schießen sich von der Strecke – und der Vierte fährt vorbei. Frei nach dem Motto: Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte.

Der Sieger ist in dieser Sportart schwer vorherzusagen, das gilt auch für Großereignisse. Darauf zählt Simon Stickl vor seinem Start bei den Weltmeisterschaften am österreichischen Kreischberg (Qualifikation: Samstag 9 Uhr, Rennen: Sonntag 12 Uhr). „Ich weiß, dass ich nur Außenseiter-Chancen habe. Aber mittlerweile bin ich lange genug dabei. Im Skicross kann alles passieren“, sagt der 27-jährige Bad Wiesseer.

Stickl hat die erforderliche WM-Norm von zwei Plätzen unter den besten 16 oder einem Platz unter den besten acht nicht geschafft. Er darf am Kreischberg an den Start gehen, weil sich die Trainer für ihn eingesetzt haben. Bundestrainer Peter Stemmer glaubt, dass der Knoten von einem Tag auf den anderen platzen kann. „Ich kriege schon mit, wie die Trainer über mich denken. Das motiviert“, sagt Stickl.

Der Bad Wiesseer ist der erste deutsche Weltcup-Sieger im Skicross, im Januar 2010 gewann er das Rennen im österreichischen St. Johann. Als sein Sport kurz darauf in Vancouver erstmals bei den Olympischen Spielen vertreten war, eröffnete Stickl die Qualifikation mit der Startnummer eins. Eine große Ehre.

Aber das alles ist rund fünf Jahre her. Stickl auf dem Stockerl – das hat es seit St. Johann kaum mehr gegeben. Der Knoten, von dem Trainer Stemmer spricht, hat sich dadurch immer fester zusammengezogen. Stickl sucht nach den Enden, um ihn zu entwirren. Bis jetzt hat er sie nicht gefunden. In diesem und im vergangenen Winter fährt er der Konkurrenz nur hinterher – auch im eigenen Team: Mittlerweile haben Daniel Bohnacker (SC Gerhausen) und zuletzt in Val Thorens Andreas Schauer (SC Lenggries) Weltcup-Rennen gewonnen. Sie haben Stickl den Rang abgelaufen.

Eines haben aber alle deutschen Skicrosser gemeinsam: Bei Großereignissen läuft es nicht. Weder bei den seit 2005 ausgetragenen Weltmeisterschaften noch bei den Olympischen Spielen holten die Männer eine Medaille. Bei den Frauen ist Alexandra Grauvogl aus Bad Wiessee mit WM-Bronze 2007 die einzige Medaillengewinnerin. Bundestrainer Stemmer hat für die WM in Kreischberg einmal Edelmetall als Ziel ausgegeben. „Wir spüren den Druck, aber den machen wir uns schon selbst am meisten“, sagt Stickl. „Wir haben in den vergangenen Jahren wirklich gute Ergebnisse geholt, aber jetzt wollen wir es auch mal bei einem Großereignis runterbringen."

Für Stickl selbst hängt viel von der Qualifikation ab. Fährt er da eine gute Zeit, hat er einen besseren Startplatz und kann sich die Ausgangssituation verschaffen, die er für ein gelungenes Rennen braucht. Und dann kann alles passieren.

Christoph Fetzer

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