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Tor des Jahres: Bei seinem ersten Auftritt im deutschen Nationaldress erzielte Benjamin Lauth einen spektakulären Treffer.

Sportereignis im Landkreis Miesbach

Benny Lauth in der Saison 2002/03: Ratzfatz von null auf hundert

  • vonChristoph Fetzer
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Die Saison 2002/03 war es, in der Benny Lauth den absoluten Durchbruch schaffte. Heute erinnert er sich.

Fischbachau – Wenn ein Fußballer in einem Lied verewigt wird, dann muss das schon ein ganz spezieller Spieler sein. „Lauth anhören“ heißt ein Song der Rockband Sportfreunde Stiller. Die besondere Schreibweise ist kein Zufall. Das Lied stammt aus einer Zeit, in der Benny Lauth beim TSV 1860 München einer der Shootingstars des deutschen Fußballs war. 2002/03 spielte Lauth, aufgewachsen in Fischbachau, seine erste Bundesliga-Saison. 13 Tore schoss er, die Fans lagen ihm zu Füßen. „Ich war aus der Region und sogar aus der eigenen Jugend. Die Euphorie und der Hype gingen schnell los“, erinnert sich der heute 39-Jährige. „Es ging ratzfatz von null auf hundert. Sportlich gesehen war das Jahr 2003 für mich persönlich das beste.“

Seinen ersten Bundesliga-Einsatz hatte Benny Lauth schon in der Saison 2001/02. „Peter Pacult kannte mich von den Amateuren. Als er als Trainer von Werner Lorant übernommen hat, hat er mich gleich beim ersten Training zu den Profis geholt. Er hat immer Vertrauen in mich gehabt.“ Lauth zahlte das Vertrauen schnell zurück. Am zweiten Spieltag der Saison 2002/03 wurde er im Spiel bei Hannover 96 in der Schlussphase für Thomas Häßler eingewechselt und erzielte mit dem 3:1-Endstand sein erstes Bundesliga-Tor. Es folgten Doppelpacks gegen Schalke 04, Arminia Bielefeld und den 1. FC Nürnberg.

Lauth hatte eine große Stärke: seine Schnelligkeit. „Das war damals noch wichtiger. Die Verteidiger waren noch nicht so beweglich und schnell wie heute“, meint Lauth. Mit 1,79 Metern war er kein großer Stürmer. „Aber meine Sprungkraft und mein Timing waren gut. Wenn du einen Lauf hast, dann triffst du dazu auch noch oft die richtige Entscheidung.“ Diesen Lauf hatte er. Martin Max, in der Saison davor Torschützenkönig, war verletzt. Lauth bildete mit dem größer gewachsenen Markus Schroth, ein komplett anderer Stürmertyp, ein gefährliches Duo.

Neben den 13 Toren in seiner ersten vollen Bundesliga-Saison feierte Lauth sein Debüt in der Nationalmannschaft, erzielte für Deutschland in einem Benefizspiel per Fallrückzieher das Tor des Jahres. Sein offizielles Länderspieldebüt gab Lauth am 12. Februar 2003 in einem Testspiel gegen Spanien. Insgesamt bestritt er fünf Länderspiele, darunter auch eines gegen Italien. „Im Jahr davor war ja die WM in Japan und Südkorea, da hatte ich zehn Minuten Bundesliga gespielt und es als Fan verfolgt“, erinnert sich Lauth. „Das war schon etwas komisch.“ Die Nationalspieler seien durch die Bank alle Ende 20, Anfang 30 gewesen. Ganz junge Spieler waren selten. „Tobi Rau war noch mit dabei, Kevin Kuranyi kam ein bisschen später dazu. Das war’s schon, das war als junger Spieler gar nicht so leicht“, sagt Lauth. Die Nationalmannschaftskarriere des Fischbachauers war kurz, neben seinem Tor des Jahres gelang ihn kein weiterer Treffer für die DFB-Elf. Für ein Trikot des späteren Weltmeisters Fabio Cannavaro und Auftritte in Nutella-Werbespots mit Schokoladenmund („Benny, Du hast das was.“) reichte es trotzdem.

Jungspunde: Benny Lauth (l.) und Tobias Rau bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Spanien.

Mit dem TSV 1860 München stieg Lauth 2003/04 aus der Bundesliga ab, er wechselte zum Hamburger SV, spielte beim VfB Stuttgart, bei Hannover 96, noch einmal bei 1860 München in der 2. Bundesliga und ein Jahr bei Ferencváros Budapest in Ungarn. Seine erste Bundesliga-Saison und das Jahr 2003 blieben aber unerreicht. „Man sieht schon, was noch möglich gewesen wäre, da wäre schon Luft nach oben gewesen“, sagt Lauth heute. „Aber meine Stationen, meine Tore, die Meisterschaft mit Stuttgart, Champions League und Uefa Cup gespielt, Pokalsieger in Ungarn geworden – das liest sich schon gut. In München habe ich mich immer wohlgefühlt. Es sollten dort noch mehr Bundesligaspiele dazukommen. Es hat nicht geklappt.“

Mittlerweile arbeitet Benny Lauth als Experte für den Sport-Streamingdienst DAZN. „Das macht Spaß, es läuft gut. Aber ich will irgendwann wieder in einem Verein was machen. Den Reiz, zu gewinnen oder zu verlieren, vermisse ich manchmal schon“, sagt er. Auch wenn der Fischbachauer in den Profi-Fußball zurückkehrt, werden sie ihm keine Lieder mehr widmen, es wird kein „Lauth anhören“ oder „Let’s get ‚Lauth’“ in den Stadien ertönen. Aber daran, was für ein toller Stürmer Benny Lauth mal war, wie er über das Feld flog und seine Tore schoss, so flink, so dynamisch, so mühelos, so eiskalt – daran wird man sich noch lange zurückerinnern.

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