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Ein echter Kämpfer: Seit 2014 startet der von der Brust an abwärts gelähmte Christian Triendl für den RSLC Holzkirchen im Handbike.

Christian Triendl sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl

Vom Boxer zum Biker

Warngau - Früher war Christian Triendl aus Bernloh einer der besten Boxer Bayerns. Seit einem Unfall ist er von der Brust an abwärts gelähmt. Heute fährt er Handbike - und peilt erneut die Spitze an.

Es begann mit einem Lachen, und zwar mitten im Rennen. Vor etwas mehr als zwei Jahren startete Christian Triendl mit seinem Handbike beim Italien-Marathon in Maranello. Es ging ihm gut, das Rennen lief bestens, die ganze Trainiererei ergab plötzlich einen Sinn. „Da sind meine alten Wettkampfgene wieder hervorgetreten“, sagt Triendl. Ihm wurde klar: „Jetzt möchte ich es nochmal wissen.“ Und da musste er eben lachen.

Ein Boxer auf dem Weg nach oben: Christian Triendl (2.v.l.) aus Bernloh erkämpfte sich als Amateurboxer insgesamt drei Mal die Bayerische Meisterschaft – zuletzt 1994.

Zwanzig Jahre zuvor war Triendl aus Bernloh (Gemeinde Warngau) schon einmal ganz vorne mit dabei gewesen. Als Amateurboxer kämpfte er sich an die bayerische Spitze, gewann drei Mal die Bayerische Meisterschaft – zuletzt 1994. Die Rangliste führte ihn als viertbesten Boxer in seiner Gewichtsklasse in ganz Deutschland.

Aber irgendwann kam der Punkt, an dem es nicht mehr weiterging. Aus den Kaderschmieden der ehemaligen DDR drängten reihenweise talentierte Athleten nach, und Triendl selbst hatte Probleme, als er vom Weltergewicht in die nächsthöhere Gewichtsklasse wechseln musste. Er hörte mit dem Sport auf, machte sich als Maurer selbstständig – und verlor fast sein Leben. 1999 verunglückte er mit seinem Motorrad – „selbstverschuldet“, wie er heute sagt. Seitdem ist Triendl von der Brust abwärts gelähmt.

Er, der als Maurer auf der Baustelle werkelte, musste nun lernen, im Rollstuhl zu sitzen. „Von heute auf morgen war ich gelähmt“ sagt er. Wie schwer der Weg zurück ins Leben gewesen sein mag, kann man nur erahnen. Aber Triendl hat es gepackt. Nicht zuletzt, weil er ein Kämpferherz in sich trägt. „Der Sport hat mir gezeigt: Auch wenn du nicht das größte Talent bist – wenn du trainierst, kannst du ganz schön weit kommen. Das hat mir immer Kraft gegeben.“

Dass er einmal wieder Leistungssport betreiben würde, damit rechnete er zunächst nicht mehr. Erst der Blick auf die Waage änderte das. Als Boxer hatte er ein Kampfgewicht um die 67 Kilogramm gehabt. „2010 war ich bei 130 Kilo. Da habe ich gemerkt: Jetzt reicht’s.“ Er begann systematisch zu trainieren, meldete sich einfach mal bei dem einen oder anderen Rennen an – und nach dem Erlebnis in Maranello beschloss er: Da geht noch mehr.

Seit 2014 startet er nun regelmäßig für den RSLC Holzkirchen bei diversen Rennen in ganz Europa – besonders gern in Italien, der Heimat seiner Frau. Die Familie begleitet ihn, feuert ihn an. Mit Erfolg: Bei der Deutschen Meisterschaft in Köln erreichte er im Sommer 2015 den achten Platz im Rundenrennen über 45 Kilometer und kam im Zeitfahren auf Rang elf. Trotzdem ist Triendl nicht ganz zufrieden mit seiner zweiten Wettkampfsaison. „Jedes Mal, wenn meine Formkurve nach oben ging, hat mich kurz darauf ein Infekt erwischt.“ Beim Marathon in Heidelberg verhinderte ein Sturz die erhoffte Top-Platzierung. Es bleibt also noch Luft nach oben für das neue Jahr.

Dann möchte der 46-Jährige unter den besten Fünf bei der Deutschen Meisterschaft landen. Beim Berlin-Marathon soll es ein Platz unter den ersten 30 sein. „Da sind die Besten der Welt mit am Start“, betont er. Zu denen gehört der Österreicher Walter Ablinger. Auch er hatte 1999 einen Unfall und ist seitdem querschnittsgelähmt. Triendl und Ablinger lernten sich im Krankenhaus kennen. 2012 gewann Ablinger bei den Paralympics in London eine Gold- und eine Silbermedaille.

Für ihn sind solche Großereignisse nicht mehr realistisch, sagt Triendl. Als Familienvater und Firmeninhaber bleibt ihm einfach nicht genug Zeit. Zehn bis zwölf Stunden Training pro Woche sind das Maximum. Die Spitzenleute haben außerdem Sponsoren, können sich Rennräder für 25 000 Euro leisten.

Aber so ganz möchte sich Christian Triendl dann doch noch nicht geschlagen geben. „Mein Ziel ist, dass die Besten mich im Auge haben müssen.“ Dass ein Weltklassefahrer sich im Rennen umdreht und feststellt: „Der Triendl ist noch gut dabei.“ Weil er nicht aufgegeben hat. Noch nie.

Von Christian Selbherr

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