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Mit sich im Reinen: Skicrosser Simon Stickl geht in diesem Winter nur noch privat auf die Piste.

Skicrosser Simon Stickl beendet seine Karriere

„Dieses Harakiri will ich nicht mehr“

Bad Wiessee – Skicrosser Simon Stickl beendet mit 27 Jahren seine Karriere. Der Skicrosser macht jetzt eine Kochlehre im Freihaus Brenner.

„Bei mir war’s es“, sagt Simon Stickl. Ein kurzer und knackiger Schlussstrich. Der 27-jährige Skicrosser aus Bad Wiessee beendet seine Karriere.

„Es hat mir einfach nicht mehr genug Spaß gemacht“, meint Stickl. Im Urlaub in Portugal hat er sich noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen. Dann stand der Entschluss. „Die vergangene Saison war wieder ein bisschen besser, die davor war überhaupt nicht gut“, sagt Stickl selbstkritisch. Dass die Erfolge ausblieben, war allerdings nicht der einzige Grund. „Noch bin ich gesund, aber es kann immer was passieren. Beim Skicross muss man bereit sein, alles zu riskieren. Und das bin ich nicht mehr. Dieses Harakiri will ich nicht mehr."

Leicht gefallen ist Stickl die Entscheidung nicht. Schließlich war der Sport in den vergangenen Jahren sein Haupt-Lebensinhalt. Mit seinem Sieg beim Weltcup in St. Johann löste Stickl 2010 eine kleine Euphorie-Welle für seine Sportart aus. Schließlich war er der erste deutsche Skicrosser, der bei einem Weltcup ganz oben auf dem Treppchen stand. Stickl war sogar in Stefan Raabs Fernsehshow „TV total“ zu Gast. Als Skicross in Vancouver erstmals olympisch war, wurde ihm die Ehre zuteil, in der Qualifikation als Erster auf die Strecke zu gehen.

An seinen größten Erfolg, den Weltcup-Sieg, konnte Stickl aber nie wieder anknüpfen. Nicht bei den Olympischen Spielen in Vancouver, nicht bei den X-Games in Aspen, nicht im Weltcup. Andere waren schneller – auch aus der eigenen Mannschaft. In den vergangenen Jahren waren Daniel Bohnacker und Andreas Schauer deutlich erfolgreicher als Stickl. Die Teamkollegen stecken jetzt schon wieder mitten in der Vorbereitung auf den Winter. Stickl startet in einen neuen Lebensabschnitt.

Ab September macht der 27-Jährige im Freihaus Brenner in Bad Wiessee eine Ausbildung zum Koch. Im Sommer hat Stickl schon seinen Eltern auf der Schwarzentenn-Alm geholfen. Jeden Freitagabend stand er dort am Grill. „Das ist irgendwie auch eine Leidenschaft“, sagt Stickl. „Und in einem Betrieb wie dem Freihaus Brenner lernen zu können, zu Hause in Bad Wiessee, das passt. Ich freue mich darauf.“ Einfach wird der erste Winter ohne den Skicross-Zirkus sicher nicht. „Solche Geschichten wie das Training auf dem Gletscher oder in der Skihalle werden mir nicht abgehen. Aber wenn bei uns der erste Schnee fällt und ich in der Küche stehe, wird es schon ein bisschen wehtun."

Die Skier wird er deswegen sicher nicht an die Wand nageln. „Ich habe das Skifahren immer geliebt. Wenn es geht, werde ich den Schnee weiter ausnutzen“, sagt Stickl. Dazu spielt er wieder Fußball beim TSV Bad Wiessee. Weil er sich beim Kicken das Schienbein gebrochen hatte, musste Stickl einst das alpine Skifahren aufgeben. So war er überhaupt erst zum Skicross gekommen. Jetzt schließt sich der Kreis.

Christoph Fetzer

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