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Fast wie ein Detektiv hat Peter Schroeder für sein Buch über McNamara Racing recherchiert.

Motorsport

Ein echter Renn-Krimi

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Valley – Peter Schroeder aus Valley hat ein Buch über McNamara Racing aus Lenggries geschrieben – und so ein Rätsel gelöst.

Ein Roman sollte es werden. Am besten ein Krimi. Das Genre seines nächsten Werks stand für Peter Schroeder eigentlich schon fest. Ein Sachbuch hatte der 65-jährige Valleyer, der bis Ende März als Professor der Gefäßchirurgie in Holzkirchen praktizierte, mit der Geschichte vom „Wallbergrennen: 1959 bis 1988“ ja bereits vorgelegt. „Und jetzt ist doch wieder ein Motorsportbuch herausgekommen“, sagt Schroeder und schmunzelt.

Dennoch blättert er zufrieden durch die 176 Seiten von „McNamara Racing – Der Weg von Lenggries nach Indianapolis“. Denn schon die Recherche kann mit jeder Detektiv-Story mithalten. Als wäre die Geschichte eines in Lenggries stationierten US-Soldaten, der es von 1968 an in nur drei Jahren zu einem weltweit gefragten Rennwagenbauer gebracht hat, noch nicht spannend genug, hat Schroeder letzten Endes sogar den lange Zeit verschollen geglaubten Francis McNamara in Chicago aufgespürt.

Dabei begann alles ganz unspektakulär – im Archiv des ADAC. Eine wertvolle Fundgrube für Schroeder, in der er schon für sein Buch über das legendäre Wallbergrennen gestöbert hatte. „Da bin ich zum ersten Mal auf den Namen Francis McNamara gestoßen“, erzählt der Valleyer. „Mac“, wie ihn seine Weggefährten nannten, war 1968 mit einem Fuchs-Formel V die kurvenreiche Bergstrecke hinaufgerast. Nur drei Jahre später brachte er seinen eigenen Rennwagen – den McNamara Formel V – mit Gerd von Hacke am Steuer an den Start.

Es war die Zeit des puren Motorsports. Riskante Rennen, Mann gegen Mann. In Autos, die sich auch ohne Computer noch starten ließen. Eine Ära, die Schroeder noch heute fasziniert. Vor 40 Jahren trat er bei Rallyes selbst aufs Gaspedal. Als er 1983 mit einer Gruppe von Assistenzärzten bei den 24 Stunden von LeMans auf der Tribüne mitfieberte, war es endgültig um ihn geschehen. „Da wurde ich zum Fan“, sagt Schroeder.

So musste er auch nicht lange überlegen, als ihm Mitte der 1990er-Jahre ein Einsatz als Rennarzt vorgeschlagen wurde. Von 2004 bis 2008 nahm er regelmäßig für den Deutschen Motorsportbund (DMSB) im Medical-Car Platz. Am liebsten bei der DTM, ab und zu auch in der Formel 1. „Da sitzt man sich aber nur den Hintern platt“, sagt der Chirurg.

Der hochgezüchtete PS-Zirkus, den der 65-Jährige deshalb gerne als „Zoo“ bezeichnet, war nicht seine Welt. Der Formelsport der 1960er-Jahre, als auch passionierte Schrauber mit ihren selbstgebauten Kisten noch eine Chance hatten, es in die Startaufstellung bei berühmten Rennen zu schaffen, umso mehr. Und genau so einer war Francis McNamara.

Mit Hilfe seiner betuchten Frau Bonnie richtete Mac, der seine Militäruniform nach Einsätzen in Vietnam und Korea in der Kaserne in Lenggries an den Nagel gehängt hatte, 1968 in einem alten Sägewerk am Urtlmühlweg eine Werkstatt für Rennwagen ein. McNamara Racing war geboren. „Mac liebte die Formel V, war aber enttäuscht von den Marken, die in dieser Serie fuhren“, sagt Schroeder. „Für ihn musste es der ultimative Formel-V-Rennwagen sein.“ In unzähligen privaten Fotos, technischen Zeichnungen und Blaupausen zeigt der 65-Jährige in seinem Buch, wie sich Mac diesem Ziel immer weiter annäherte.

Um überhaupt an das historische Material heranzukommen, sprach Schroeder mit ehemaligen Mechanikern und Konstrukteuren – und sogar mit einem berühmten Rennfahrer aus den USA: Mario Andretti. „Er war 1970 beim Probesitzen für ein Indy-500-Auto in Lenggries“, sagt Schroeder. Zwei Stunden telefonierte er mit dem Formel-1-Weltmeister von 1978, der sich ebenfalls noch gut an McNamaras „brillante Konstrukteure“ erinnern konnte. Auch Jochen Mass, den Schroeder aus seiner Zeit als Rennarzt bei der Mille Miglia kennt, lobt in seinem Vorwort Macs Capri, mit dem er 1970 bei einem Bergrennen antrat, als „sorgfältig aufgebautes Auto“.

Und doch hat Schroeder die Ingenieursleistungen der jungen Rennwagenschmiede aus Lenggries nicht trocken aufgeschrieben, sondern sie – nicht zuletzt durch den romanartigen Dialogstil – geschickt in die spannende Lebensgeschichte von Mac und seiner Frau Bonnie verpackt. Eine Erzählweise, die perfekt zu McNamaras Persönlichkeit passt. „Er hat es durch seine charismatische und zupackende Art geschafft, die Größen der Szene auf seine Seite zu ziehen“, erklärt Schroeder.

So holte Mac 1968 den ehemaligen Lotus-Konstrukteur Dan Hawkes nach Lenggries. Der baute McNamaras Formel-V-Versionen Sebring Mk I, Mk II und den Formel 3-Sebring Mk III. Letzterer lockte sogar Ernst-Peter Lauda, Vater des späteren dreifachen Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda, ins Oberland. „Er hat das Auto für seinen Sohn gekauft“, erzählt Schroeder. Ein anderer prominenter Österreicher ging 1969 als Werksfahrer für McNamara an den Start: der heutige Motorsportberater von RedBull, Helmut Marko.

Mit Jo Karasek, den er 1969 von Lola zu sich zog, wollte Mac endgültig nach den Sternen greifen. Doch Andrettis Auftritt im McNamara STP-Ford in Indianapolis 1971 wurde bereits von Streitigkeiten um unbezahlte Rechnungen und ausbleibende Lieferungen überschattet. Mit dem mysteriösen Tod von Macs Frau Bonnie war der Komet von McNamara Racing bereits nach drei Jahren wieder verglüht. Und Mac tauchte unter.

Bis ihn Schroeder 2013 in Chicago ausfindig machte. „Er rentnert vor sich hin“, erzählt der 65-Jährige von den Telefon-Gesprächen mit dem ehemaligen Rennwagenbauer. Autorennen schaue er sich höchstens noch im Fernsehen an. Trotzdem: Schroeder hat das Rätsel von McNamara Racing gelöst. Und seine Geschichte in einen lesenswerten und spannenden Motorsportkrimi gegossen.

Das Buch

„McNamara Racing – Der Weg von Lenggries nach Indianapolis“ von Peter Schroeder ist im VIEW-Verlag erschienen. Es kostet 39 Euro und ist im Buchhandel sowie direkt unter info@view-verlag.de erhältlich.

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