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"Das ist eine Verletzung des Steuerrechts"

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Von: Julia Pawlovsky

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Auf dem TuS-Vereinsgelände lagerte und verkaufte Andreas Schmidpeter das Sportequipment. © Thomas Plettenberg

TuS Holzkirchen - Ziel der außerordentlichen Mitgliederversammlung des TuS Holzkirchens war die  Aufklärung der Unregelmäßigkeiten bei den Warenverkäufen des ehemaligen Vorsitzenden Andreas Schmidpeter. Dieser entschuldigte sich, sah in der ganzen Angelegenheit aber einen Angriff auf seine Person.

Genau einen Punkt umfasste die Tagesordnung der außerordentlichen Mitgliederversammlung  des TuS Holzkirchen, aber der hatte es in sich. „Aufklärung der Unregelmäßigkeiten in Bezug auf Bareinnahmen aus dem Verkauf von Sportequipment durch den 1. Vorsitzenden des TuS Holzkirchen in den Jahren 2012, 2013, 2014 und 2015 auf dem TuS-Vereinsgelände.“ Wie berichtet, war der Vorsitzende Andreas Schmidpeter Ende Juli aufgrund der Ungereimtheiten von seinem Amt zurückgetreten. Zuvor hatte Hans Dengler den Antrag auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung gestellt, da seit Feststellung der Unregelmäßigkeiten im März keine Fortschritte bei der Aufklärung festzustellen waren.

Am Freitagabend fanden nun etwa 90 Mitglieder den Weg ins Fools-Theater im Kultur im Oberbräu. TuS-Interims-Vorsitzender Stefan Bredo bat vor Beginn der rund zweistündigen Sitzung um einen „sozialverträglichen Ton“. Dieser wurde dank der Moderation von TuS-Ehrenvorsitzendem Jörg Wedekind auch weitgehend gewahrt.

Wedekind leitete zusammen mit dem verbliebenen Vorstand – der neben Bredo aus Jugendleiter Michael Gerrer und Kassier Thomas Blind besteht – die Sitzung. Zunächst trug Evelyn Springs ihren Kassenprüfbericht 2014 vor, der die Unregelmäßigkeiten aufgedeckt hatte. Die Steuerberaterin machte nochmals deutlich, dass für das sogenannte Equipment-Konto sämtliche Belege für die Barerlöse fehlen. Wie berichtet, hatte Schmidpeter ab 2012 mit einer gewissen Gewinnmarge günstig Sportausrüstung an TuS-Mitglieder verkauft. 2013 wurde dafür ein eigenes Konto angelegt. Dieses wird jedes Jahr genauso geprüft wie die einzelnen Sparten im Verein auch. Heuer war dafür Springs zuständig. „Ich habe Andreas Schmidpeter drei Mal aufgefordert, die Barerlöse nachzuweisen. Er hat bis heute nichts vorgelegt“, sagte sie. „Damit kann die Kasse nicht freigegeben werden."

Springs Aussagen stützte anschließend Richard Gulielmo, der Steuerberater des TuS Holzkirchen. „Der TuS-Vorstand hat Andreas Schmidpeter bereits 2013 aufgefordert, Aufzeichnungen zu führen. Er hat die Aufforderung ignoriert.“ Weder der Einkauf noch der Verkauf wurden verbucht. „Das ist eine Verletzung des Steuerrechts“, stellte Gulielmo klar.

In den Jahren 2012 bis 2014 tätigte Schmidpeter Einkäufe im Wert von rund 49 000 Euro. Die Waren wurden auf die zwei Lager am TuS-Vereinsgelände sowie ein drittes in Unterhaching aufgeteilt. Seit 2014 habe Schmidpeter die Waren auch privat verkauft und dafür zwei Kassen angelegt, berichtete Gulielmo. „Er hat den Überblick verloren.“ Da 2014 keine Steuern für die Waren bezahlt wurden, musste die vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung nachträglich korrigiert werden, damit es nicht zur Steuerhinterziehung kommt. „Der Andi als Banker musste Kenntnis davon haben. Er hat’s gewusst, aber er hat’s nicht getan. Wir wissen nicht warum“, sagt Gulielmo. Und weiter: „Da könnte der Tatbestand der Steuerhinterziehung vorliegen."

Zur Aufklärung beitragen sollte auch Michael Böhlk-Lankes. Der Rechtsanwalt und Steuerberater war vom TuS als externer Prüfer eingesetzt worden, erschien jedoch nicht zur Versammlung. „Der Vorstand hat ihn nicht über den neuen Termin informiert“, sagte Schmidpeter. Ursprünglich war der 11. September vorgesehen gewesen. Da an diesem Tag wichtige Mitglieder, wie etwa Interims-Vorsitzender Bredo, verhindert waren, wurde der Termin um eine Woche verschoben. Der Darstellung Schmidpeters widersprach Wedekind allerdings. „Dem war nicht so. Stefan Bredo hat ihn über den neuen Termin informiert."

Böhlk-Lankes hatte seinen Bericht jedoch zuvor Schmidpeter übergeben, das Papier las Wedekind vor. Böhlk-Lankes kommt zu dem Ergebnis, dass Schmidpeter noch Waren im Wert von rund 3800 Euro vom TuS ablösen müsse. Dann sei das Equipment-Konto ausgeglichen. Wie berichtet, ist dies mittlerweile geschehen. Der Bericht von Springs sei korrekt, enthalte aber Tendenzen, stellte Böhlk-Lankes fest. „Viele Ausführungen wie die Drohung mit dem Anwalt sind nicht Aufgabe eines Kassenprüfers“, heißt es in dem Schreiben. Auf Zahlen oder Details in Springs Prüfbericht ging er jedoch nicht ein."

Abschließend wies Wedekind im Namen des Vorstands den Vorwurf aus Denglers Antrag zurück, der Vorstand habe versucht, die Unregelmäßigkeiten zu vertuschen. „Wolfgang Ammer hat das als Zweiter Vorsitzender bereits 2013 sehr heftig angemahnt“, sagte der Ehrenvorsitzende. „Es wurde dann zu lange nach Lösungen gesucht. Das hatte Folgen für den TuS selbst, in dem Wolfgang Ammer nicht mehr angetreten ist, Hans Fertl nach 25 Jahren als Kassier weg war, und Erwin Reithmaier als Schriftführer zurückgetreten ist.“ Der jetzige Vorstand ist erst seit 2014 im Amt. Ammer bestätigte, dass der damalige Vorstand gegen die Einkäufe von Schmidpeter protestiert hatte. „Der Vorstand hat in drei Sitzungen Andreas Schmidpeter den Einkauf untersagt."

Dann meldete sich Schmidpeter selbst zu Wort: „Mir tut das unendlich leid für den Verein“, sagte er. „Ich hab’ das gut gemeint, ich wollte keinen Gewinn machen.“ Den Großteil der Waren, die noch in seinem Besitz sind, werde er spenden. Eines sei ihm aber klar geworden: „Es ging von vornherein nur um meine Person. Für mich hat sich bestätigt, dass sie mich auch als Jugendvorstand weg haben wollen. In dem Verein stinkt’s woanders, und das werde ich in der nächsten Mitgliederversammlung sagen.“ Schmidpeter ist zwar als TuS-Vorsitzender zurückgetreten, aber noch Jugendleiter in der Fußball-Abteilung.

Der Verein sieht nun fürs Erste keinen weiteren Handlungsbedarf, da dem TuS finanziell kein Schaden entstanden sei. Zufrieden mit dem Abend zeigte sich Antragssteller Dengler. „Das war absolut notwendig. Es ist gut, dass die Dinge auf den Tisch gekommen sind.“ Und Wedekind meinte: „Ich hoffe, dass wir möglichst viel aufgeklärt haben. Lösen werden wir’s dann in Zukunft."

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