Turbulente Zeiten haben die Münchner Löwen erlebt: Nach Bundesliga-Fußball mit Harald Cerny und Manfred Schwabl ging nun mit Stefan Aigner (l.) eine Ära zu Ende.
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Turbulente Zeiten haben die Münchner Löwen erlebt: Nach Bundesliga-Fußball mit Harald Cerny und Manfred Schwabl ging nun mit Stefan Aigner (l.) eine Ära zu Ende.

Abstieg des TSV 1860 München

Ex-Löwe Harald Cerny: „Hat sich abgezeichnet“

  • Julia Pawlovsky
    vonJulia Pawlovsky
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  • Bastian Huber
    Bastian Huber
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Beim TSV 1860 München geht eine Ära zu Ende: 24 Jahre in den beiden höchsten deutschen Fußballligen. Wir haben mit Ex-Löwe Harald Cerny und Karl Schäffler von den „Miesbacher Löwen“ gesprochen. 

Landkreis – 24 Jahre lang haben sich die Münchner Löwen in den beiden höchsten Spielklassen Deutschlands gehalten – seit Dienstagabend steht es fest: Der TSV 1860 spielt in der kommenden Saison in der 3. Liga. Bestenfalls. Bei der 0:2-Niederlage im Relegations-Rückspiel gegen den SSV Jahn Regensburg blieb auch Stefan Aigner wirkungslos. Der Warngauer wurde zur Halbzeit ausgewechselt.

„Es war heute schon schwer, aus dem Bett zu kommen“

Unter den 62 200 Zuschauern in der Münchner Allianz Arena war auch Karl Schäffler aus Wall. Der Vorsitzende des Fanklubs Miesbacher Löwen trauert noch immer. „Es war heute schon schwer, aus dem Bett zu kommen“, sagt er am Tag danach. Kein Wunder, angesichts des blutleeren Auftritts seiner Sechziger. Schäffler spricht sogar von Arbeitsverweigerung. „Das war Larifari, als würde es um nichts gehen.“ Genauso wie schon vier Tage zuvor beim Hinspiel in Regensburg. Deshalb haben die Oberpfälzer den Aufstieg auch verdient, betont der 48-Jährige. Denn bei seinen Münchnern hat er keine echte Mannschaft gesehen. „Elf Solisten sind halt noch lange kein Orchester.“

„Das sind lauter Wahnsinnige. Das schadet dem Image und den Finanzen des Vereins“

Als Rechtfertigung zum Randalieren hält er das Geschehen auf dem Platz – anders als einige Fans in der Nordkurve – aber nicht. „Das darf nicht sein, das sind lauter Wahnsinnige. Das schadet dem Image und den Finanzen des Vereins.“ Von letzteren hängt auch die Lizenz für die 3. Liga ab. Sollte es klappen, so wünscht sich Schäffler ein neues Konzept. „Einige Stammspieler und ansonsten auf den Nachwuchs setzen.“

Der Sollacher Harald Cerny ist nach wie vor Rekordspieler der Löwen

Zum Stamm der Löwen gehörte zwölf Jahre lang Harald Cerny aus Sollach. Der 43-Jährige ist mit 238 Bundesliga-Einsätzen Rekordspieler der Sechziger – noch vor Petar Radenkovic. Nach seiner Karriere trainierte Cerny eineinhalb Jahre lang die U15 der Löwen, ehe der 47-fache österreichische Nationalspieler in die Nachwuchsabteilung des FC Bayern wechselte.

„Ich habe immer gehofft, dass sie wieder in die Spur kommen und vernünftige Strukturen aufbauen“

Das Spiel am Dienstagabend hat Cerny daheim am Fernsehen verfolgt. Überrascht hat ihn der Abstieg nicht. „Das hat sich über die Jahre schon ein bisschen abgezeichnet“, sagt der Sollacher. „Ich habe immer gehofft, dass sie wieder in die Spur kommen und vernünftige Strukturen aufbauen. Aber das haben sie leider nicht geschafft.“ Sportlich wäre der Klassenerhalt möglich gewesen, meint der 43-Jährige. „Die Qualität war da. Aber das war keine Mannschaft auf dem Platz, und so kannst du nicht bestehen.“

„Die Jugendarbeit ist das, wo immer zuerst eingespart wird“

Leid tut es Cerny vor allem für die Menschen im Hintergrund, „die sich immer voll reingehauen haben“. Den Nachwuchstrainer schmerzt aber auch der Abstieg der U19, U17 und U16. „Die Jugendarbeit ist das, wo immer zuerst eingespart wird. Da war in den vergangenen Jahren nicht mehr die Unterstützung von oben da, und ab einem gewissen Zeitpunkt kannst du mit den anderen nicht mehr mithalten.“ Wie es mit dem Verein weitergeht, weiß auch Cerny nicht. „Es ist gar nicht absehbar, was jetzt passiert ist. Ich denke nicht, dass die für die 3. Liga geplant haben.“

Wie geht es weiter bei den Sechzigern?

Durch den Abstieg in die 3. Liga muss die Zweite Mannschaft von 1860 in die Bayernliga zurück. Dort würde es zum Duell gegen Aufsteiger TuS Holzkirchen kommen. Ob dies aber tatsächlich der Fall sein wird, war gestern nicht absehbar. Im Raum steht eine mögliche Insolvenz der Sechziger und der Gang in die Regionalliga. Da zwischen Erster Mannschaft und Reserve immer eine Liga Abstand sein muss, würde die Zweite folglich in der Landesliga antreten.

„Dann würd’ ich auch bei der Zweiten zuschauen“, sagt Fanklub-Vorsitzender Schäffler. „Da sind ja die Auswärtsspiele näher als die Heimspiele.“ Einen positiven Aspekt bringt der Abstieg also vielleicht doch.    

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