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In den Niederlanden steht künftig eine Frau bei den Männern auf dem Fußballplatz. (Symbolbild)

Revolution in den Niederlanden

Frau im Männerfußball: Stimmen aus dem Landkreis

  • vonHeidi Siefert
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  • Michael Eham
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In den Niederlanden darf eine Frau bei den Männern mitspielen. Wir haben Reaktionen aus dem Landkreis Miesbach eingeholt.

Landkreis – In den Niederlanden geht in der kommenden Saison ein ganz besonderes Pilotprojekt an den Start. Als erste Frau erhält Ellen Fokkema eine Sondergenehmigung und darf damit in einer Herrenmannschaft ihres Vereins VV Foarut spielen. Dieser kickt in der vierten Amateurklasse, die der siebten Liga entspricht. Was auf den ersten Blick als große Innovation erscheint, ist eigentlich nur eine logische Konsequenz der jahrelangen Empfehlungen der Fußballverbände. Denn die raten den Spielerinnen, möglichst lange in gemischten Teams zu spielen. „Bei den Jungs zu spielen, bringt dir unheimlich viel, Zweikampfhärte, Schnelligkeit – du lernst dich durchzusetzen“, wird beispielsweise Nationalspielerin Sara Däbritz auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zitiert. Während sich Ellen Fokkema erst mit 19 von ihrer Jungsmannschaft trennen musste, geben die DFB-Statuten sogar eine Trennung nach den B-Junioren vor – also mit spätestens 17 Jahren (siehe Kasten). Reaktionen aus dem Landkreis Miesbach.

Steffi Kameter, Spielerin SV Parsberg

Steffi Kameter

„Ich finde das im Endeffekt eine coole Sache, dass sie bei den Herren mitspielen darf. Sie hat da Bock drauf, die Mitspieler offenbar auch. Und wenn die Verantwortlichen finden, dass sie mit ihrer körperlichen Fitness mithalten kann, dann ist das mit Sicherheit nicht verkehrt. Am Ende treffen ja die Trainer eine sportliche Entscheidung. Sie würde ja wahrscheinlich nicht aufgestellt werden, wenn sie keine Tore schießt oder nicht gut genug verteidigt. Da sehe ich keinen Unterschied für den Wettbewerb. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass die Verbände in dieser Hinsicht mal was ändern. Noch weiß niemand, ob sich das bewährt, aber ich sehe keinen Grund, es nicht zu versuchen. Und wenn das für alle Beteiligten passt, dann kann das gerne auch bei uns in Deutschland ausprobiert werden.“

Friedl Kröll, Trainer SG Hartpenning/Darching

Friedl Kröll

„Für die Frauen wäre eine solche Regelung eine Erleichterung, ihren Sport auszuüben. Viele Vereine haben keine Frauenmannschaften, sodass Frauen oft nur mit zeitlichem und auch finanziellem Aufwand bei anderen Mannschaften und nicht in der Nähe ihres Wohnorts Fußball spielen können. Eine Spielerin aus dem jüngeren B-Jugend-Jahrgang darfst du noch nicht bei den Frauen einsetzen, und um da bei den Jungs spielen zu dürfen, braucht es eine Sondergenehmigung. Das ist zwar theoretisch möglich, vom Verband aber nicht gerne gesehen. Um allen Frauen das Fußballspielen zu ermöglichen, wäre das eine gute Sache, wenn sie mit Sondergenehmigungen in Männermannschaften spielen dürfen – und diese auch leichter zu bekommen wären.“

Vroni Probst, Torhüterin U17 FC Bayern aus Föching

Vroni Probst

„Aus Sicht der Gleichberechtigung finde ich es richtig und wichtig, dass es eine Frau probiert, bei den Männern zu spielen. Ich glaube, es könnte durch den körperlichen Unterschied schwierig sein. Trotzdem finde ich es gut. Man kann‘s ja auf jeden Fall mal versuchen.“

Die Regelung

Mädchenmannschaften gibt es im Bayerischen Fußball Verband von den E- bis zu den B-Juniorinnen. Jüngere Mädchen (F- und G-Jugend) spielen in gemischten Mannschaften. Eine A-Jugend gibt es im Frauenfußball nicht. Ab dem 17. Lebensjahr rücken Spielerinnen automatisch in die Frauenmannschaft auf. Spielerinnen können bis einschließlich B-Jugend auch in gemischten Mannschaften antreten.

Ralph Eckle, Mädchentrainer TuS Holzkirchen

Ralph Eckle

„Grundsätzlich, da bin ich pragmatisch, entscheidet am Ende die Leistung. Und genau da bin ich eher skeptisch. Im heutigen, extrem athletischen Herrenfußball werden es Frauen eher schwer haben. Dies ist ab etwa der C-Jugend, also mit der Pubertät, auch im Juniorenbereich zu sehen. Beim TuS Holzkirchen kann man sich aber aktuell auch das glatte Gegenteil anschauen. In der C-Jugend spielen einige Mädchen mit, die zum festen Kader und zu den Stützen der Mannschaft gehören. Es gibt herausragende Frauenligen, etwa in Frankreich und England, in denen die Damen Vollprofi-Status haben. Die deutsche Liga ist eine der stärksten der Welt, auch wenn die Frauen Amateur-Status haben. Insofern muss keine Spielerin zu den Herren wechseln. Ellen Fokkema kenne ich nicht, darum kann ich wenig sagen, ob sie wirklich so gut ist oder sich im Ruhm sonnen mag, die Erste zu sein. Apropos: Erinnern sie sich an Birgit Prinz, die deutsche Topstürmerin und Weltfußballerin? Der italienische Erstligist AC Perugia wollte sie 2003 unbedingt verpflichten. Sie hatte damals aber nach einigem Hin und Her doch Nein gesagt.“

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