+
Gut gemacht: Hannes Hinterseer klatscht im Ziel des Stubai Ultra Trail mit seinem Australian Shepherd Rüden Riley ab. Als nächstes startet der Schlierseer in Norwegen. 

Hauptsache nicht Stillsitzen

Hannes Hinterseer in Saison gestartet

  • schließen

Hannes Hinterseer ist nicht zu bremsen: Umzug, Lawinenhundeführer-Prüfung und natürlich Wettkämpfe. Am Samstag startet der Schlierseer in Norwegen.

Schliersee – Stillsitzen ist nicht sein Ding. Als Hannes Hinterseer ans Telefon geht, sitzt er schon wieder im Wohnmobil. Unterwegs nach Norwegen. Die drei Tage vor der Abfahrt hat er mit Kistenschleppen verbracht. Er ist von Schliersee nach Hausham auf einen Bauernhof umgezogen. „Das war schon immer mein Traum: ländlich wohnen mit Blick auf die Berge.“ Außerdem absolviert er gerade mit seinem acht Monate alten Australian Shepherd-Rüden Riley bei der Bergwacht Schliersee die Ausbildung zum Lawinenhundeführer, und dann steckt der Trailläufer, der als Sportsoldat bei der Bundeswehr sein Geld verdient, ja auch noch mitten in der heißen Wettkampfphase.

Hannes Hinterseer kämpfte mit Verletzung

Die Saison begann für den 25-Jährigen allerdings alles andere als optimal. In der Vorbereitung hatte Hinterseer sich zu Beginn des Jahres beim Training auf Island eine Bänder- und Kapselverletzung zugezogen. „Ich musste Umfang und Intensität reduzieren und konnte nicht so richtig einschätzen, wo ich leistungsmäßig stehe.“

Hannes Hinterseer nimmt seinem Australian Shepherd Rüden Riley auch mal Huckepack.

Als ersten Härtetest hatte sich Hinterseer den Dolomiti Extreme Trail Anfang Juni ausgesucht. Eine 22 Kilometer lange Strecke, bei der 1300 Höhenmeter überwunden werden mussten. „Landschaftlich unglaublich schön, es ging immer wieder durch kleine italienische Dörfer mitten in den Dolomiten“, sagt Hinterseer. „Allerdings war es mir zu warm. Sonne und über 20 Grad sind nicht mein Fall.“ Trotz der für ihn schwierigen Bedingungen und der holprigen Vorbereitung reichte es zu Platz zwei. Erst 1500 Meter vor dem Ziel musste er den Italiener Elia Costa ziehen lassen. „Da war ich einfach sehr erleichtert, weil ich gemerkt habe, dass ich fit bin und mithalten kann.“

Hannes Hinterseer gewinnt Stubai Ultra Trail

Mit einer weiteren Leistungssteigerung holte sich Hinterseer drei Wochen später den Sieg beim Stubai Ultra Trail. Nach 19 Kilometern und 1988 Höhenmetern erreichte er das Ziel auf der 3150 Meter Hohen Jochdohle am Stubaier Gletscher mit über acht Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten. „An dem Tag ist es richtig gut gegangen. Da kamen mir auch die Temperaturen entgegen“, sagt der Schlierseer. „Je höher es hinausging, umso kälter wurde es. Der Schlussanstieg über Schnee und Eis war dann genau mein Ding.“

Der Frost half ihm offenbar, seine Topform zu konservieren. Denn auch das Schlegeis 3000 Skyrace (17 Kilometer/1200 Höhenmeter) im Zillertal vor einer Woche gewann Hinterseer. Bei, für ihn, Traumwetter. Durchgängig Regen, weiter oben Schneefall. Nach dem Start auf der Staumauer des Schlegeis Stausees hat sich an der Spitze eine Vierergruppe gebildet. „Wir haben uns mit der Führungsarbeit abgewechselt, und auf einem Flachstück konnte ich mich dann ein Stück absetzen“, berichtet Hinterseer. „Ich hab’ dann aber gemerkt, dass es bis ins Ziel noch sieben Kilometer sind, und zu mir selbst gesagt: Du Idiot, warum so früh? Half aber nichts, jetzt musste ich es durchziehen.“

Hannes Hinterseer startet am Samstag in Norwegen

Als alles nach einem sicheren Sieg aussah, kam plötzlich noch einmal unnötig Spannung auf. „Teilweise war die Strecke sehr anspruchsvoll mit großen Geröllbrocken und in einer bergab Passage hat’s mich dann heftig aufgewaffelt“, sagt Hinterseer. „Da bin ich erst mal 30 Sekunden sitzen geblieben und musste mich sammeln, bis ich gemerkt habe, dass die Verfolger kommen. Dann bin ich weitergehumpelt und habe mich ins Ziel gerettet.“

Mit den Folgen des Sturzes hat Hinterseer immer noch zu kämpfen. Prellungen an Handgelenk und Rippen waren die Folge. Statt eines Arztes sucht er sich aber lieber die nächste Herausforderung, und die wartet in Norwegen. Am Samstag, 3. August, will er dort das Tromsö Skyrace in Angriff nehmen. Mit Blick auf den Fjord müssen 32 Kilometer und 2000 Höhenmeter bewältigt werden. Ob mit oder ohne Schmerzen, Hauptsache: nicht Stillsitzen.

alf

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Natalie Geisenberger macht Babypause
Rennrodlerin Natalie Geisenberger  erwartet im April 2020 ihr erstes Kind. Auch wenn sie diesen Winter nicht fährt, will die vierfache Olympiasiegerin ihre Karriere …
Natalie Geisenberger macht Babypause
Erster Dreier im zehnten Spiel für den SC Wörnsmühl - RW Bad Tölz mit 5:2 Sieg
Die Erleichterung war riesengroß, als der Sieg des SC Wörnsmühl im Kellerduell der Kreisklasse 2 gegen den SV Bad Tölz feststand. Es war der erste Dreier im zehnten …
Erster Dreier im zehnten Spiel für den SC Wörnsmühl - RW Bad Tölz mit 5:2 Sieg
Samuel Faruhn setzt sich in Rosenheim gegen 27 Konkurrenten durch
Samuel Faruhn vom TSV Irschenberg hat beim Rosenheimer Citylauf mit dem Sieg in seiner Altersklasse überrascht. Wenig überraschend kam Sabrina Zeug erneut zu …
Samuel Faruhn setzt sich in Rosenheim gegen 27 Konkurrenten durch
Andreas Lenz startet bei Ironman WM auf Hawaii
Andreas Lenz aus Schliersee startet am Samstag bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii. Wie sich der 28-Jährige darauf vorbereitet, gibt es hier:
Andreas Lenz startet bei Ironman WM auf Hawaii

Kommentare