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Auf dem Küchenboden liegt Kilian Fichtl derzeit häufig. Zuhause kann er allerdings nur Zielübungen machen, Schießen ist nicht möglich. Für das richtige Training trägt er dabei immer die volle Montur.

„Wäre mein Jahr geworden“

Schütze Kilian Fichtl trainiert in der Küche der Eltern

Das Ziel war die erneute Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft: Schütze Kilian Fichtl muss stattdessen in der elterlichen Küche trainieren.

Hausham – Gleich drei Mal hat sich Kilian Fichtl im vergangenen Jahr den Titel des Oberbayerischen Meisters gesichert. Heuer hätte es für den Schützen der Altschützengesellschaft Hausham, die zum Schützengau Holzkirchen gehört, zum ganz großen Wurf reichen können. Anfang März qualifizierte er sich in der Oberbayerischen Meisterschaft für die Bayerische Meisterschaft. Die hätte aber nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft im August werden sollen. Nun ist der Traum aufgrund der Corona-Pandemie allerdings geplatzt, zumindest für 2020. Wie berichtet, hat der Deutsche Schützen-Bund die Deutsche Meisterschaft bereits abgesagt.

„Das hätte heuer mein Jahr werden können“, sagt der 16-Jährige. „Ich will in den Leistungskader.“ Der Jungschütze hat ambitionierte Ziele und betont deshalb: „Der Fokus liegt jetzt auf 2021.“ Da an den Schießständen derzeit nicht trainiert werden darf, musste sich Fichtl etwas einfallen lassen – und verlagerte seinen Trainingsplatz kurzerhand ins Elternhaus. In der Küche wird nun nicht mehr nur gekocht, sondern auch gezielt. Geschossen wird freilich nicht, „es handelt sich nur um Trockentraining“, erklärt Fichtl.

Fichtl: Atmung lässt sich auch ohne zu schießen trainieren

Wie er das macht? Kniend, liegend und stehend – natürlich in voller Schützen-Montur, als wäre es ein Wettkampf. Das Gewehr holt ihm immer sein Papa Anton aus dem Tresor, „ich bin ja noch minderjährig“, fügt er lachend hinzu. Gezielt wird dann stets auf einen Zettel mit schwarzem Punkt, der etwa drei bis vier Meter entfernt hängt. Dreimal pro Woche trainiert der Jugendliche, jeweils etwa zwei bis drei Stunden. „Es ist wichtig für mich, dranzubleiben, denn ich merke, dass ich abbaue, wenn ich nichts mache.“ Das Zielen sei dabei eminent wichtig, genauso wie das Verfeinern der Anschlagarten.

„Ich gehe in meine Schussposition und visiere das Ziel an“, erklärt er. „Dabei muss ich auch immer meine Atmung kontrollieren, was ein sehr wichtiger Teil des Schießens ist.“ Sein Trick dabei: Während des Schießens versucht er, leicht zu atmen, ohne dabei die Luft anhalten zu müssen. „Das hilft mir im Wettkampf sehr.“ Schießen ist laut Fichtl eine enorme Konzentrations- und Kopfsache – vor allem Letzteres. „Wenn der Kopf nicht funktioniert, dann geht gar nichts“, konstatiert der Haushamer.

Fichtl: 2021 ein besseres Ergebnis als 2019

Neben dem Zielen auf die Zettel sind für den ambitionierten 16-Jährigen aber auch das Radfahren auf dem Home-Trainer und Hantel-Übungen Teil des Trainings in den eigenen vier Wänden. Von seinen Eltern wird er dabei bestens unterstützt – wo der Haushamer Platz zum Trainieren zuhause benötigt, da bekommt er ihn auch.

„Ich muss jetzt einfach das Beste aus der Situation machen und die Möglichkeiten nutzen, die ich zuhause habe“, fasst Fichtl zusammen. Und ergänzt, dass er ohne seine Kleinkaliber- und Luftgewehr-Trainer Hubert Bichler und Walter Hartl sowie ohne die Sportförderung der SG Oberland nicht so weit gekommen wäre.

Neben den drei Oberbayerischen Meisterschaften im vergangenen Jahr kam 2019 auch der achte Platz bei der Deutschen Meisterschaft in seiner Altersklasse in der Disziplin Kleinkaliber liegend hinzu. Diese Platzierung will Fichtl 2021 noch steigern: „Ich arbeite voll auf nächstes Jahr hin und bin hochmotiviert, noch besser zu werden.“ 

Philip Hamm

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