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Schicho ist Hovedtrener in Norwegen

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Genießt ihre Arbeit: Elisabeth Schicho brennt noch für den Langlaufsport wie zu ihrer aktiven Zeit.
Genießt ihre Arbeit: Elisabeth Schicho brennt noch für den Langlaufsport wie zu ihrer aktiven Zeit. © Privat

Schliersee/Kjelsas – Im vermeintlich besten Langlaufalter beendete die Schlierseerin Elisabeth Schicho mit 28 Jahren ihre Karriere. Fragt man sie heute, zwei Jahre später, ob sie den Rücktritt jemals bereut hatte, dann gibt sie eine deutliche Antwort. „Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass es genau so gut ist“, erzählt sie im Telefoninterview. Denn spätestens jetzt ist Schicho angekommen in Norwegen, wo sie seit Anfang Juni als Cheftrainerin beim größten Skiclub des Landes arbeitet.

Dort in Kjelsas, einem Vorort im Norden von Oslo, erreichen wir sie am Abend in ihrer WG. Weil über dem A ein Kringel ist, spreche man den Ort eigentlich Kjelsos aus, erklärt Schicho, die während des Interviews mit Blick auf die Skisprungschanze am legendären Berg Holmenkollen das Schimmern der Abendsonne in ihr Zimmer genießt. „Ich habe hier einen schönen Alltag. Eine gute Mischung aus meinem BWL-Studium und der Arbeit als Trainerin“, erzählt Schicho.

Weil sie als Cheftrainerin nun aber für die U23 und die Junioren zwischen 16 und 19 Jahren verantwortlich ist, die in Richtung Profi-Karriere trainieren, kann es in die Examensphasen der Uni etwas stressig werden. Dennoch hat sie sofort zugesagt, als es ihren Vorgänger nach Kanada zog und die Athletinnen und Athleten sie als neue „Hovedtrener“, also Cheftrainerin, ins Spiel brachten.

Während das Studium auf Englisch stattfindet, läuft der Trainerjob komplett auf Norwegisch. Doch nach mittlerweile mehr als zwei Jahren beherrscht Schicho die Sprache fließend. „Ich habe von Anfang an viel getan, Norwegisch zu lernen und mich gezwungen, nicht Englisch zu sprechen. Da war der Skiclub eine große Hilfe“, erzählt Schicho. Denn Langlaufen verbindet. Langlaufen ist in Norwegen absoluter Volkssport wie in Deutschland nur der Fußball. „Der Skiclub ist mitten in dem Zirkus. Wenn wir unter der Woche im Stadion trainieren, dann laufen von den Eltern bis zu den Fünfjährigen ungefähr 200 Leute, und danach gibt es oft Zimtschnecken“, erzählt Schicho. „Hier sind alle positiv verrückt. Deshalb passe ich hier so gut rein.“

Schicho orientiert sich auch an Fußballtrainern

Denn an der Begeisterung für den Langlaufsport hat sich bei Elisabeth Schicho seit ihrem Rücktritt aus dem Weltcup nichts geändert. Manchmal laufe sie auch mit den Juniorinnen noch mit. „Ganz so gut bin ich aber nicht mehr, dass ich mit den Großen mitlaufen kann“, sagt sie mit einem Lachen. Überhaupt lacht sie viel während des Gesprächs.

Im Laufe ihrer Karriere hatte Schicho nur den Blickwinkel als Athletin, heute lernt sie ganz andere Aufgabenbereiche kennen. „Ich finde total spannend, zu sehen, was da alles im Hintergrund passiert“, sagt sie. Denn von Trainingsplänen, Essensplänen und Technikanalysen bis hin zu Busorganisationen und Hotelbuchungen muss die Schlierseerin alles im Blick haben. Dabei wird sie von zwei Assistenten unterstützt. „Ich ziehe sehr viel aus meinen eigenen Erfahrungen.“ Denn während ihrer eigenen Karriere habe sie positive und negative Beispiele gehabt. Daran versucht sie sich heute als Trainerin zu orientieren.

„Ich merke auch, dass die Mädels sich freuen, wenn eine Frau mit dabei ist. Und oft weiß ich, wie sie sich vor oder nach einem Rennen fühlen.“ Denn neben den rein sportlichen Aspekten kommt es Schicho auch auf die Kommunikation und das Miteinander an. Auf die Frage nach einem Trainervorbild antwortet sie: „Ich schaue manchmal Youtube-Videos mit Vorträgen von Fußballtrainern wie Jürgen Klopp. Denn vor allem in der Kommunikation und im Teambuilding kann ich viel von Fußballtrainern lernen.“

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