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Glücklich und total geschafft: Andreas Lenz qualifizierte sich in Italien für den Ironman auf Hawaii.

„Ich bin ein Ironman“

Andreas Lenz schafft bei seiner Premiere die Quali für Hawaii

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Dass er Radfahren kann, hat Andreas Lenz oft genug bewiesen. Aber Triathlon? Doch auch das hat der 27-jährige Miesbacher im Kreuz, wie er bei seiner ersten Ironman-Teilnahme in Cervia eindrucksvoll bewies.

Dort überquerte er als 35. die Ziellinie, wurde Zweiter seiner Altersklasse und qualifizierte sich mit etwas Glück für den Ironman auf Hawaii.

Mit einer neunköpfigen Reisegruppe hatte sich das Geiger Medius Bike Base Team auf den Weg nach Italien gemacht – zum Ironman in Cervia, bei dem Lenz und Alexander Zdovc starteten. Für Lenz war das etwas ganz Besonderes: Für den Studenten war es der erste Ironman. Außerdem hatte er zuvor noch nie die Einzeldisziplinen bewältigt – ist weder 3,8 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer mit dem Zeitfahrrad gefahren oder 42,2 Kilometer gelaufen. Es ging einfach nur ums Durchkommen.

Der Wettkampftag begann früh: 5 Uhr morgens Frühstück, und um 7.15 Uhr zwängten sich Lenz und Zdovc in die Neoprenanzüge. Die Profis starteten um 7.30 Uhr, für die 2700 Altersklassenteilnehmer erfolgte ab 7.45 Uhr ein Rolling Start. „Alle fünf Sekunden werden sechs Teilnehmer ins Wasser gelassen“, erklärt Lenz. Er und Zdovc starteten gegen 7.50 Uhr in die 25 Grad warme Adria. „Zum Glück waren kaum Wellen vorhanden. So konnte ich ganz entspannt losschwimmen.“

Das Schwimmen lief optimal. Zdovc ging nach 55 Minuten aus dem Wasser, Lenz folgte 15 Minuten später. Dann der ein Kilometer lange Weg durch die Wechselzone – ab aufs Rad. Die 180 km lange Radstrecke führte zuerst flach ins Hinterland, dann ein Anstieg, bevor es wieder Richtung Küste ging. Dann die Runde noch mal. „Ab Kilometer 140 hatte ich Mühe, das Tempo zu halten“, erzählt Lenz. „Mein Oberkörper und die Arme waren vom Schwimmen und dem Fahren in Zeitfahrposition arg in Mitleidenschaft gezogen.“ Außerdem krampfte das Fußgewölbe, und Gegenwind kam auf.

Nach 4:40 Stunden wechselte Lenz auf die Laufstrecke, Zdovc folgte 32 Minuten später. Die ersten Meter waren schwer, doch der Miesbacher fand schnell einen super Rhythmus. Für seinen Teamkollegen lief es weniger gut: Zdovc kam nicht ins Laufen und musste gehen. Nach zehn Kilometern beendete er den Wettkampf. Von da an feuerte er mit dem restlichen Fanclub Lenz an.

Dieser lief auch auf der zweiten von vier Runden sehr konstant und bewältigte die ersten 20 km in 1:30 Stunden. Dann wurde es schwierig. Zahlreiche Ermüdungserscheinungen machten es ihm schwer, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam zu laufen. Umso wichtiger war das Coachen von Teamkamerad Stefan Gottfried, der am Streckenrand den Chefbetreuer gab: Er sammelte sämtliche Infos im Internet, die er dann seinem Freund mitteilte: „Lauf einfach so weiter! Nicht schneller, nicht langsamer – die gehen alle ein!“

In der letzten Runde, bei Kilometer 30, folgte Lenz einer Profi-Läuferin, die ein gutes Tempo hatte. „Dadurch lief ich wieder etwas schneller und merkte, dass mir das Tempo guttat“, sagt Lenz. „Ich spürte, dass ich schneller laufen konnte. Bei Kilometer 35 wusste ich, dass ich nicht mehr einbrechen werde.“ Also Tempo rauf. „Ich war im absoluten Tunnel. Ich hatte auch nicht mehr die Energie, Gedanken zu formen. Ich lief einfach.“

Dann die letzten Meter. Im Telemark die Ziellinie. Und er erfüllte sich seinen sehnlichsten Wunsch der letzten Stunden: fallen und liegen bleiben. Dazu nur ein Gedanke: „Ich bin ein Ironman.“

Der 27-Jährige überquerte nach 9:10 Stunden die Ziellinie und wurde Zweiter in seiner Altersklasse. Als feststand, dass nur der Sieger einen Platz für die Weltmeisterschaften auf Hawaii erhielt, war das ein kleiner Rückschlag. Doch Lenz hatte Glück: Der Sieger verzichtete. Damit ist der Miesbacher für die Ironman-WM auf Hawaii am 12. Oktober 2019 dabei.

Lenz freute sich gigantisch: „Es war mein erster Triathlon auf der Langstrecke. Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich da einlasse. Jetzt fahre nach Hawaii.“ Doch ohne die Unterstützung seines Teams – das Anfeuern und die vielen Tipps – hätte er es nie geschafft, betont Lenz: „Ich war so froh, dass ich erfahrene Leute wie Stefan Hütter, Dirk Buss, Christian Deißenböck und Alex Zdovc hatte.“

ddy

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