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Bilder wie dieses sahen allein heuer 1,5 Millionen Zuschauer live im ZDF.

Nach Rückzug von OK-Chef Josef Lechner

Kein Weltcup mehr am Sudelfeld

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Fischbachau/Bayrischzell – Schluss, aus, vorbei: Es wird am Sudelfeld keinen Snowboard-Weltcup mehr geben. Das Organisationskomitee entschied sich gegen eine neuerliche Austragung.

Das war’s: Der Snowboard-Weltcup Anfang Februar in Bayrischzell war der letzte seiner Art. „Es wird keinen PGS am Sudelfeld mehr geben“, sagt Josef Lechner. Der Fischbachauer Bürgermeister hatte bereits nach den Parallel-Riesenslaloms (PGS) am Waldkopf seinen Rückzug als Chef des Organisationskomitees (OK) verkündet. Bei der Abschlussbesprechung haben nun die übrigen OK-Mitglieder beschlossen, keine derartige Veranstaltung mehr auszurichten.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es soweit kommt“, sagt Lechner. „Es wäre alles geregelt gewesen.“ Wäre es nach Lechner gegangen, hätte Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer seine Nachfolge antreten sollen. „Wir waren bestens aufgestellt.“ Warum sich das OK anders entschieden hat, deckt sich mit den Gründen für Lechners Rückzug. Und die sind vielfältig.

„Die Mannschaft ist müde, die Luft ist ein bisschen raus“, sagt der 60-Jährige. „Wir stecken viel Energie in eine Leuchtturm-Veranstaltung, bei der die Nachhaltigkeit fehlt.“ Bei jedem der fünf Weltcups engagierten sich jedes Mal über 100 freiwillige Helfer der örtlichen Skiclubs. „Die Aufgabe der Vereine ist eigentlich eine andere“, stellt Lechner klar. Nämlich die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. „Ich glaube auch, dass Snowboard seinen Zenith überschritten hat."

Angefangen hat alles vor neun Jahren: Als Amelie Kober 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin (Italien) die Silbermedaille gewonnen hatte, versprach ihr Lechner beim Empfang der Gemeinde, einen Weltcup auszurichten. Schon 2008 fand ein Europacup statt, als Generalprobe sozusagen. 2009 der erste Weltcup. „Es waren fünf Weltcups bisher, die alle hervorragend verlaufen sind“, betont Lechner. „Wir haben keinen Euro Steuergelder dafür verwendet. Da bin ich wirklich stolz drauf."

Auch sonst waren die Parallel-Riesenslaloms ein Erfolg. „Die sechs Weltcups haben eine Million Euro gekostet. Wir haben einen Medienwert von dem Zehnfachen erzielt.“ Dieser Wert stützt sich auf eine Media-Analyse, die das OK jedes Mal in Auftrag gab. Allein heuer sahen 1,5 Millionen Menschen die Rennen am Waldkopflift live im ZDF. „Das ist ein Medienwert von mehr als zwei Millionen Euro.“ Dennoch, es war jedes Jahr ein Kampf, Sponsoren zu finden. Mehrmals stand der Weltcup auf der Kippe, so auch der diesjährige. Dies gab auch den Ausschlag, warum dem Bayrischzeller Bürgermeister die Entscheidung nicht schwer fiel. „Es war jedes Jahr schwierig, die Veranstaltung auf ein gutes Fundament zu stellen“, sagt Kittenrainer. „Bevor wir was Halbes machen, lassen wir’s lieber ganz.

Hinzu kommt, dass die Zusammenarbeit mit Snowboard Germany nicht immer einfach war. Anfangs war der Skiverband Oberland Veranstalter, seit zwei Jahren ist es Snowboard Germany. „Da hat sich seitdem etwas verändert“, berichtet Lechner. „Da geht’s mehr um Sportpolitik und Verbandsinteressen. Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft und hatten nur im Sinn, einen Super-Wettkampf abzuliefern."

Stefan Knirsch, Geschäftsführer Snowboard Germany, gibt sich zugeknöpft. „Zu einem Weltcup gehören viele Bausteine.“ Dies sei nicht nur das örtliche OK, sondern auch der nationale Verband, die FIS, eine TV-Anstalt und ein Skigebiet. „Jetzt ist einer dieser Bausteine weggefallen. Ob die anderen zur Verfügung gestanden wären, ist eine andere Sache.“ Zudem habe Snowboard Germany mit Winterberg seit dieser Saison einen zweiten Standort in Deutschland. „Es hat all die Jahre am Sudelfeld toll funktioniert, und da sind wir auch zurecht stolz drauf“, sagt Knirsch.

Diese Meinung teilt Lechner: „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Ich habe mein Versprechen der Amelie gegenüber eingelöst und Snowboard in Deutschland eine Heimat gegeben.“ Kober findet die Entscheidung „natürlich schade“. Die Fischbachauerin sagt aber auch: „Ich bin dankbar, dass ich das Glück hatte, das zu erleben. Und dass sich so viele Leute dran beteiligt haben, dass der Weltcup überhaupt möglich war“, betont die 27-Jährige. „Es war eine sehr schöne Zeit. Aber ich verstehe, dass sich das Sudelfeld jetzt anders ausrichten möchte."

Der Schwerpunkt soll nun auf dem Familien-Skigebiet liegen. „Wir wollen mehr Breitenwirkung.“ Dass sich Lechner als Fischbachauer Bürgermeister am Sudelfeld in Bayrischzell engagiert, brachte ihm auch Kritik ein. „Der Gast unterscheidet aber da nicht,wie man an den Zahlen unseres Skibusses sieht.“ Daher wird er sich weiter für die Vermarktung einsetzten. „Wer mich kennt, weiß, dass ich noch viele Ideen habe.“ Ihm schwebt eine Veranstaltung in Richtung Freestyle/Funsport vor. Auch Kittenrainer sagt: „Man hat ja beim Skicross-Weltcup am Oedberg gesehen, dass solche Veranstaltungen mehr den Zeitgeist treffen als Race-Snowboard.“ Er kündigt aber auch an: „Wir werden uns nicht komplett zurückziehen. Irgendwas stellen wir sicher wieder auf die Füße."
Lechner beschränkt sich bei seinen Überlegungen nicht nur auf den Winter – Mountainbike-Downhill-Cross wäre zum Beispiel eine Möglichkeit. „Wir haben mit Vitus Wagenbauer in Fischbachau einen sehr guten Radfahrer.“ Vielsagend fügt er an: „Die Tür ist verschlossen, aber nicht verriegelt“, sagt Lechner und lächelt. „Ideen sind da.“

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