Freut sich auf den Saisonstart: Radsportler Klaus Betzinger aus Holzkirchen.
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Freut sich auf den Saisonstart: Radsportler Klaus Betzinger aus Holzkirchen.

RADSPORT - Holzkirchner unterschreibt U23-Vertrag – Erstes Rennen am Ostersonntag

Klaus Betzinger wagt den Schritt in Richtung Profi-Karriere

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Holzkirchen – An diesem Ostersonntag wird es erstmals ernst für den Holzkirchner Radsportler Klaus Betzinger: Bei der Ein-Tages-Rundfahrt La Roue Tourangelle in der französischen Region Centre-Val de Loire bestreitet der 18-Jährige sein erstes Rennen als Nachwuchs-Profi.

Betzinger hat sich zur neuen Saison dem Team Lotto Kernhaus (LKH) angeschlossen und dort einen U23-Profi-Continental-Vertrag unterschrieben. „Das werden wahrscheinlich 200 Kilometer auf Volllast“, sagt Betzinger.

Der Holzkirchner ist einerseits stolz, die Chance zum nächsten Karriereschritt zu bekommen, und andererseits glücklich, dass dies überhaupt möglich ist. Denn: Nachdem er 2019 unter anderem als Bayerischer Zeitfahrmeister auf sich aufmerksam machte, folgte vor etwas mehr als einem Jahr ein unerwarteter wie heftiger Rückschlag, nach dem längst nicht klar war, ob er diese Möglichkeit noch haben wird.

Am 14. März 2020 war er als Beifahrer in einen Autounfall verwickelt, brach sich zwei Wirbel, ist „gerade so nicht im Rollstuhl“ gelandet. Vier Monate lang konnte er nicht Rad fahren. „Das hat mich das komplette letzte Jahr gekostet“, sagt Betzinger mit Blick darauf, dass die körperliche Grundlage in dieser Zeit verloren gegangen ist, Verletzungen heilten und die Muskulatur neu aufgebaut werden musste.

Geholfen haben ihm in dieser schweren Zeit, die durch den Beginn der Corona-Pandemie nicht einfacher wurde, Familie und Freunde. Vater Klaus fährt selbst gerne Rad, die jüngere Schwester Antonia gehört in ihrer Altersklasse auf Straße und Bahn zur deutschen Elite. „Sie haben mich motiviert, mich so weit gebracht, dass ich nicht aufgebe“, erinnert sich Betzinger.

Und auch wenn der 18-Jährige mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen hatte: Ganz verloren war das Jahr 2020 dann doch nicht. Im ersten Rennen nach dem Unfall wurde er auf Anhieb Neunter in der U19 bei der deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren. Es folgten unter anderem ein fünfter Platz in der Gesamtwertung der Visegrad 4 Juniors in Ungarn, einer Rundfahrt der höchsten Juniorenklasse. Außerdem belegte er mit seinem damaligen Team Auto Eder Bayern, dem Nachwuchsteam des Weltklasse-Rennstalls Bora--hansgrohe, Platz vier bei der deutschen Meisterschaft der U19-Junioren im Mannschaftszeitfahren.

Mit dem Wechsel von der U19 in die U23 musste sich Betzinger ein neues Team suchen – und fand dieses mithilfe seines Trainers Christian Schrot, der ihn weiterhin betreut. Dieser habe während eines Bundesliga-Rennens den Kontakt zu LKH-Teamchef Florian Monreal vermittelt – es passte mit einem der, laut Betzinger, „besten deutschen Teams im Kontinental-Bereich“. Als Radfahrer des Vereins RSV Irschenberg und als Holzkirchner wären die Maloja Pushbikers die nahe liegende Wahl gewesen. „Menschlich hätte es gepasst“, sagt der 18-Jährige. Aber das Rennprofil von LKH, die auf eher flache, klassische Rennen setzen, passe besser zu ihm, ist er überzeugt. Mit LKH will sich Betzinger im Profi-Bereich etablieren – und vielleicht in ein paar Jahren seinem Idol, dem Schweizer Fabian Cancellara, nacheifern.

„Als Vollprofi sehe ich mich noch nicht“, betont er, wenngleich das Training durchaus vergleichbar sei. Gerade nach der schweren Verletzung müsse er sich Zeit geben, einen Schritt nach dem anderen gehen. Und dann, hofft Betzinger, den Sprung zum Vollprofi zu schaffen. Am liebsten bei Bora, wo mit Sprinter Pascal Ackermann ein weiteres seiner Vorbilder aktiv ist.

Zunächst aber geht es für den Holzkirchner darum, erste Erfahrungen zu sammeln. Eine konkrete Platzierung hat er für La Roue Tourangelle nicht im Blick. Zum einen weil es sein erstes Rennen in der neuen Altersklasse ist, zum anderen sind auch fünf World-Tour-Teams am Start. Aber er hofft: „Vorne mit ankommen, das wäre schon ein Traum.“

ses

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