Die ersten von insgesamt drei Olympischen Winterspielen: Konstantin Schad startete 2010 in Vancouver, 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang. Eine Medaille war ihm nicht vergönnt.
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Die ersten von insgesamt drei Olympischen Winterspielen: Konstantin Schad startete 2010 in Vancouver, 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang. Eine Medaille war ihm nicht vergönnt.
Der größte Erfolg: 2014 und 2016 holte Konstantin Schad Bronze bei den X-Games.
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Der größte Erfolg: 2014 und 2016 holte Konstantin Schad Bronze bei den X-Games.
Zum Landkreis-Sportler des Jahres wählten die Leser Konstantin Schad im Jahr 2015.
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Zum Landkreis-Sportler des Jahres wählten die Leser Konstantin Schad im Jahr 2015.
Sieht so die Zukunft aus? (v.l.) Konstantin Schad als FIS-Athleten-Sprecher mit DOSB-Chef Alfons Hörmann, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender in Pyeongchang.
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Sieht so die Zukunft aus? (v.l.) Konstantin Schad als FIS-Athleten-Sprecher mit DOSB-Chef Alfons Hörmann, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender in Pyeongchang.

„Ich mache jetzt ein Jahr Babypause“

Konstantin Schad steigt aus – und hält sich eine Rückkehr offen

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Boardercrosser Konstantin Schad macht eine Saison lang Pause. Ob er zurückkehrt, ist fraglich.  „Auf Snowboarden hätte ich jetzt überhaupt keine Lust“, sagt er.

Fischbachau – Konstantin Schad hat seinen Geburtstag vor ein paar Tagen nicht gefeiert, weil er schlicht keine Zeit hatte. Nein, der Snowboardcrosser befindet sich nicht im Trainingslager für die anstehende Wintersaison, sondern im Kinderzimmer. Denn das beste Geschenk hat es bereits vier Tage vor seinem Geburtstag gegeben: Sohn Jonathan kam auf die Welt. „Das ist wirklich großartig“, sagt der 32-Jährige aus Fischbachau. Baby und Ehefrau Ragnhild sind wohlauf, Tochter Antonia (14 Monate) freut sich riesig über ihren kleinen Bruder. „Ich bin wirklich sehr, sehr glücklich“, sagt Schad. „Auf Snowboarden hätte ich jetzt überhaupt keine Lust.“

Konstantin Schad macht Babypause

So war für ihn schnell klar: „Ich mache jetzt ein Jahr Babypause, wie jeder andere auch.“ Freilich ist Schad nicht wie jeder andere. Der 32-Jährige gilt als einer der erfolgreichsten Boardercrosser Deutschlands. Er war Pionier in seiner Sportart, Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft, drei Mal in Folge Deutscher Meister, gewann die Weltsportspiele der Studenten (Universiade), holte zwei Mal Bronze bei den X-Games – der wichtigsten Extremsport-Veranstaltung der Welt –, nahm an drei Olympischen Winterspielen und sechs Weltmeisterschaften teil. Ob er zum Winter 2020/21 wieder auf dem Brett steht, lässt Schad offen.

„Diese Saison ist kein Großereignis, und ich habe kein Interesse, wegen fünf, sechs Weltcups meine Familie das ganze Jahr nicht zu sehen“, sagt er. „Außerdem würde ich auch ganz schief aus dem Starthaus kommen“, sagt der junge Papa und lacht: „Auf dem einen Arm trage ich immer Jonathan und auf dem anderen Antonia. Das sind doch sechs Kilo Unterschied.“

Auch gesundheitliche Probleme spielen eine Rolle

Grund für die Pause ist aber nicht nur Schads Liebe zur Familie, sondern sind auch seine gesundheitlichen Probleme, die ihn schon die ganze Karriere über begleiten. Lange kämpfte er mit Rückenschmerzen, die sich schließlich im Februar 2017 als zweifacher Bandscheibenvorfall herausstellten. Nach einer komplizierten Operation stand der Fischbachauer dennoch zum Saisonstart im Oktober wieder auf dem Brett und sicherte sich gleich im ersten Rennen die Qualifikation für Olympia 2018.

Auch in diesem Sommer ist Schad mal wieder nicht beschwerdefrei, im Training brach er sich kürzlich das Steißbein. „In die Knie gehen ist schwierig.“ Sein Körper dankt ihm daher die Pause. „Es ist gut, wenn man mal nicht auf der Bandscheibe rumhackt.“ Auch die rund sieben Kilo, die er abgenommen hat, kommen dem Rücken entgegen.

Konstantin Schad bleibt in der Sportfördergruppe der Bundeswehr

Nachteile durch die Auszeit entstehen ihm nicht. „Wir haben den sozialsten Verband der Welt“, sagt er über Snowboard Germany. Auch in der Sportfördergruppe der Bundeswehr bleibt Schad. „Ich habe da einen ganz normalen Job.“ Der 32-Jährige ist zuständig für die Dienst- und Reisepläne der knapp 60 Sportler am Stützpunkt München. „Da ist man genauso dran am Sport.“ Zudem studiert Schad nach wie vor Wirtschafts-Management.

Funktionärskarriere wäre für Konstantin Schad vorstellbar

Genug zu tun hat er also trotzdem, um seine Zukunft macht sich Schad daher „gar keine Sorgen“. Neben Bundeswehr oder einem Job in der Privatwirtschaft könnte diese auch durchaus in einer Funktionärskarriere liegen. Schad ist Präsidiumsmitglied im deutschen Snowboard-Verband und Sprecher aller Athleten im Internationalen Ski-Verband FIS. Den Präsidiumssitz gibt er eventuell ab, als Athleten-Sprecher ist Schad bis Mitte 2020 gewählt. Gerade in dieser Funktion fiel der Fischbachauer zuletzt immer wieder durch intelligente und kritische Töne zum Thema Doping und dem immer Höher, Schneller, Weiter bei Olympischen Spielen auf.

Wann für ihn die Zukunft beginnt, lässt Schad offen. „Ich kann mir schon vorstellen, wenn wieder größere Dinge anstehen, dass ich mich motivieren kann“, sagt er. „Ich hoffe, dass ich den Anschluss bis dahin nicht verliere.“ Zu befürchten ist das bei einer Saison nicht, denn mit seiner Erfahrung machte der 32-Jährige schon in den vergangenen Jahren einiges wett. „Letzte Saison ist ja richtig gut gelaufen.“ Erst im März beim Heimweltcup am Feldberg fuhr Schad auf Rang drei, es war seine erste Podestplatzierung seit Dezember 2013. „Vielleicht ist es aber auch ein Soft-Karriereende“, sagt er. Festlegen will sich Schad nicht. Wissen wird er es, sobald sich seine Teamkollegen wieder die Kurven und Schanzen der Pisten dieser Welt hinunterwerfen und Schad seine beiden Kinder auf dem Arm trägt. „Dann sehe ich, ob mir der Sport fehlt.“

Konstantin Schad genießt „den unfassbaren Luxus“

Jetzt genießt er aber erst mal „den unfassbaren Luxus, meinem Körper eine Pause zu gönnen und für die Kinder da zu sein“. Zweifel an seiner Entscheidung hat er nicht die geringsten. „Das ist gut so, ich bin mir ganz sicher“, sagt Schad. „Das ist so fein mit den zwei Kids. Und dass ich das so entscheiden darf, ist schon ein sehr, sehr großes Glück.“

jpa

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