Christiane Utz TuS-Geschäftsführerin
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TuS-Geschäftsführerin Christiane Utz

Coronavirus

Sport ist kein Infektionsherd im Landkreis

  • vonHeidi Siefert
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Ist der Sport ein Corona-Infektionsherd? Im Landkreis Miesbach scheinbar nicht, wie die ersten Erkenntnisse zeigen.

Landkreis – Auch die Sportler bremst der Lockdown light gewaltig aus. Abgesehen von Individualsport unter freiem Himmel oder in den eigenen vier Wänden gibt es im Zuge der Pandemie-Bekämpfung nichts zu tun – Kaderathleten einmal ausgenommen. Seit zuletzt auch jegliche sportliche Betätigung in der Halle untersagt wurde, müssen selbst Tennis- und Badmintonspieler – die zuvor auch in der Halle noch Einzel spielen durften – ihre Rackets in die Ecke stellen. Doch wie waren die Erfahrungen mit Sport und Corona?

„Wir gehen nicht davon aus, dass der Sportbetrieb nachweislich zum Infektionsgeschehen beigetragen hat. Nach unserem Kenntnisstand haben die bayerischen Sportvereine Hygienekonzepte und -maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ihrer Sportlerinnen und Sportler zuletzt vorbildlich umgesetzt“, sagt Christian Henßel, Sprecher des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV) – auch wenn er das nicht mit validen Daten und Zahlen unterlegen kann.

Zahlen, die aufgrund des Verwaltungsaufwands auch beim Landratsamt Miesbach nicht erhoben werden. Auch weil das die Vorgaben übergeordneter Gesundheitsbehörden nicht verlangen. So habe man zwar im Einzelfall gut nachvollziehen können, wo sich die Menschen infizierten und anhand der von den Sportvereinen bereitgestellten Listen Kontakte leicht nachverfolgen können. Dies sei aber danach nicht gesondert erfasst worden.

Christiane Utz erklärt Situation beim TuS Holzkirchen

Einen klaren Überblick über die Situation im Verein hat indes Christiane Utz. Die Geschäftsführerin des TuS Holzkirchen, mit zehn Sparten und mehr als 3000 organisierten Aktiven mitgliederstärkster Sportverein im Landkreis, weiß von keiner einzigen nachgewiesenen Infektion im Verein. „Bei uns im Sportbetrieb hat sich niemand angesteckt.“

Gewiss habe man mit Verdachtsfällen umgehen müssen, doch da hätten sowohl Trainer als auch Sportler besonnen und vorsichtig reagiert. Dazu gehörte unter anderem, dass in den Sommerferien Reiserückkehrer aus Risikogebieten zunächst nicht am Trainingsbetrieb teilnahmen – es sei denn, sie konnten einen negativen Coronatest vorweisen.

Gab es Verdachtsfälle innerhalb von Trainingsgruppen, wurden diese sofort eingestellt und das gemeinsame Training erst wieder aufgenommen, wenn sich diese nicht bestätigt hatten. „In der letzten Zeit konnten wir viele Verdachtsfälle beobachten, die durch bestätigte Coronainfektionen an Schulen an uns herangetragen worden sind“, beschreibt Utz die Situation vor dem Lockdown.

Grundsätzlich habe man beim TuS beobachtet, dass sich das Infektionsgeschehen nicht abhängig vom Start eines unter den gegebenen Umständen und Vorsichtsmaßnahmen mehr oder weniger regulären Trainings veränderte, sondern eher bedingt durch Urlaubsrückkehrer oder aufgetretene Infektionen an Schulen. Im Fußball habe es durch gegnerische Mannschaften vereinzelt Spielabsagen gegeben. „Das Zulassen von Zuschauern hatte keinerlei Einfluss.“

Sporthallen blieben als Vorsichtsmaßnahme geschlossen

Mit dem organisierten Training – zunächst online und mit kontaktlosen Angeboten unter freiem Himmel – hatten die TuS-Gruppen sehr früh wieder begonnen, das jedoch unter großen Vorsichtsmaßnahmen. Unabhängig von den staatlichen Vorschriften habe man eine separate Risikoabwägung vorgenommen und in vielen Bereichen sogar zurückhaltender trainiert, als es bereits möglich gewesen wäre. Für den vereinseigenen „Schwitzkasten“ erarbeitete Sportärztin Petra Walter ein umfassendes Hygienekonzept, zu dem auch eine intensive Schulung aller Trainer gehörte.

So gab es nicht nur viel Lob von den Mitgliedern. Deren Zufriedenheit spiegelt sich auch in den Zahlen wider: „Im Gegensatz zu anderen Vereinen hielt sich der Mitgliederrückgang in Grenzen. Aktuell verzeichnen wir ein Minus von etwa zwei Prozent. Der deutschlandweite Durchschnitt liegt bei rund zehn Prozent und mehr.“

Zurückhaltender als es die Regularien vor den Herbstferien erlaubt hätten, hatte auch der Landkreis als Träger der Sporthallen reagiert. Mit einer Sport-Ampel hatte man versucht, die Ansteckungsgefahr beim Sport so weit zu minimieren, dass Präsenz-Unterricht und Präsenz-Betreuung an den Kitas nicht gefährdet würden. Nicht die Hygienekonzepte in den Hallen habe man als problematisch gesehen, sondern vor allem die vielen, nicht mehr leicht nachvollziehbaren Kontakte im Umfeld der Übungsstunden. Wäre ein positiver Fall beim Vereinssport aufgetreten, hätten alle Kinder aus der Gruppe in Quarantäne gehen müssen und Präsenz-Unterricht wäre nicht mehr möglich gewesen. „Dieses Risiko war uns zu hoch“, heißt es aus dem Landratsamt. Der in den Herbstferien geplanten Überprüfung kam der erneute Lockdown zuvor.

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