Geschafft: Simon Schachenmeier (M.) durchquert das Ziel beim Großglockner Ultra Trail im österreichischen Kaprun. foto: sportograf / kn
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Geschafft: Simon Schachenmeier (M.) durchquert das Ziel beim Großglockner Ultra Trail im österreichischen Kaprun.

Bergsport

„Man läuft, so lange es geht“

Miesbach – Über 19 Stunden war Simon Schachenmeier unterwegs, dann war er im Ziel.  Der Miesbacher hat den 110 Kilometer langen Großglockner Ultra Trail gemeistert. Jetzt trainiert er schon für die nächste Herausforderung.

Der Anruf kommt irgendwie ungelegen. „Ich hänge gerade in der Felswand,“ sagt Simon Schachenmeier. „Kann ich zurückrufen?“ Der Bergsportler aus Miesbach ist einer, der gerne Grenzen auslotet. „Es ist eine Faszination, was man aus seinem Körper herausholen kann,“ sagt der 30-Jährige, nachdem er seine Klettertour am Comer See kurz fürs Interview unterbrochen hat. „Du denkst: Irgendwann muss der Einbruch kommen. Aber dann geht es doch noch weiter.“

Mit diesem Gefühl lief Schachenmeier Ende Juli auch den Großglockner Ultra Trail in den Alpen. Der Berglauf wurde heuer zum ersten Mal ausgetragen. „Deshalb war auch ein bisschen Abenteuer mit dabei.“ 110 Kilometer über Berg und Tal, mit 7000 Höhenmetern. Für Wanderer und Bergsteiger wird die Tour auf etwa sieben Tage veranschlagt. Schachenmeier brauchte nur 19 Stunden und zehn Minuten dafür. „Man läuft, so lange es gerade dahin oder bergab geht, und bergauf, so lange es nicht zu steil wird,“ beschreibt er die Strecke.

Start war abends in Kaprun (Österreich), der Lauf dauerte die ganze Nacht. Die Veranstalter hatten damit gerechnet, dass der schnellste Athlet nach etwa 13 Stunden im Ziel eintreffen würde. Doch das Rennen war schwieriger als gedacht. Die beiden Gewinner, Markus Amon und Klaus Göswein aus Österreich, kamen zeitgleich nach 16:47 Stunden an. „Feldwege, Schneefelder, glitschige Felsen“ – so hat Schachenmeier die Strecke in Erinnerung. In einer Scharte auf etwa 2800 Metern Höhe stürzte hinter ihm ein anderer Läufer zwei Meter ab. „Ich bin gleich zu ihm hin, und er wurde auch sofort von der Bergwacht versorgt.“

Das Risiko soll möglichst überschaubar bleiben. Deshalb gibt es genaue Vorgaben, welche Ausrüstung jeder Teilnehmer mitführen muss. Dazu gehören Stirnlampe, Rucksack, Stöcke. Trotzdem „kommen die meisten blutig und verschrammt ins Ziel“, sagt Schachenmeier. Ihm selbst blieb das erspart. Auf einem steilen Wiesenhang rutschte er mehrmals aus. Er konnte einen Sturz zwar vermeiden. Doch einer seiner beiden Stöcke brach ab und er musste den Schlussanstieg mit nur einem bewältigen. „Auf den letzten 200 Höhenmetern habe ich trotzdem noch zwei andere Läufer überholt.“

Seine Fitness hat sich Schachenmeier mit hartem Training geholt. „Ich habe vor allem versucht, lange Einheiten zu trainieren.“ Zehn, zwölf Stunden am Stück war er zu Fuß, beim Klettern oder auf dem Rad unterwegs, oft gemeinsam mit seinem Bruder Tobias. Manchmal stand er um drei oder vier Uhr morgens auf und absolvierte eine vierstündige Laufeinheit. Den Großglockner Trail beendete Schachenmeier als hervorragender Sechster. In seiner Altersklasse bis M40 belegte er sogar den vierten Platz.

Beim Zieleinlauf in Kaprun dachte er sich noch: „Jetzt bin ich froh, wenn ich nicht mehr laufen muss.“ Aber die Sucht nach der nächsten sportlichen Grenzerfahrung ist stärker. „Eigentlich möchte ich sofort wieder weitermachen.“ Die nächsten Ziele sind schon gesteckt, zumindest für das kommende Jahr. Ein Triathlon der Iron-Man-Serie steht auf Schachenmeiers Wunschliste, und irgendwann der Ultra-Berglauf am Mont Blanc. „Aber dafür muss man sich qualifizieren. Da ist die ganze Weltspitze vertreten.“ Wer sich für einen Startplatz bewerben möchte, muss 15 Wertungspunkte in drei Jahren gesammelt haben.

Für seinen Erfolg beim Großglockner Trail hat Schachenmeier immerhin schon die ersten fünf Punkte bekommen. Mit dem Berglauf hat der Ausdauersportler seinen Höhepunkt der Saison 2015 hinter sich, und er will es jetzt etwas ruhiger angehen lassen. Naja, vielleicht auch nicht. „Eventuell laufe ich noch einen Marathon.“ Das wären ja auch nur knapp 43 Kilometer.

Christian Selbherr

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