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Es geht wieder aufwärts: Amelie Kober hat mit ihren Therapeuten (hinten v.l.) Martin Auracher, Max Merkel und Thierry Murrisch ein starkes Team im Rücken, das ihr bei der Genesung hilft.

Snowboard

„Man muss das Positive sehen“

  • Julia Pawlovsky
    VonJulia Pawlovsky
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Fischbachau – Amelie Kober hat die Zwangspause nach ihrem Kreuzbandriss für andere Dinge genutzt, wie Zeit mit ihrem Sohn verbringen. Jetzt will sie wieder angreifen, denn eines ist ihr klar geworden: „Ich hab’ gemerkt, dass das noch immer genau das ist, was ich machen möchte.“

Amelie Kober

hat in ihrer Karriere schon einiges mitgemacht. Seit zwölf Jahren ist 28-jährige

Snowboarderin

vom

SC Miesbach

mittlerweile im Weltcup-Zirkus unterwegs. Zwölf Weltcupsiege und zwei

Olympische Medaillen

hat die Fischbachauerin geholt. Mit der ersten – der silbernen 2006 in Turin – hat sie alle überrascht. Mit der zweiten – der bronzenen 2014 in Sotschi – hat sie es allen gezeigt, indem sie mit gebrochenem Ellenbogen fuhr.

Dieser machte sich unlängst wieder bemerkbar. „Nach der OP hat er wieder weh getan“, sagt Kober. Das lag aber nur an der Überstreckung während des Eingriffs. „Wenn ich nicht operiert werde, merke ich nichts.“ Das kam zuletzt allerdings eher selten vor. Vier OPs in neun Monaten weist ihre Krankenakte auf. Allein die letzten drei fanden diesen Sommer an Kobers Knie statt. Nach ihrem Kreuzbandriss musste vor rund sechs Wochen eine Schraube im Kniegelenk entfernt werden.

Trotz der Rückschläge hat Kober nicht ans Aufhören gedacht. „Ich hab’ mich nur gefragt: Was ist, wenn ich aufhören muss.“ Soweit kam es aber nicht. „Inzwischen bin ich ganz positiv“, sagt Kober. „Es wird viel, viel besser.“ Ob sie diese Saison noch in den Weltcup eingreifen kann, stellt sich Mitte/Ende des Monats heraus. Aber nachdem heuer kein Großereignis im Wettkampf-Kalender steht und auch der Heimweltcup am Sudelfeld nicht mehr stattfindet, „hab’ ich mir die Zwangspause ganz gut ausgesucht“.

Und manchmal ist eine Pause auch nicht schlecht. „Man muss die positiven Seiten sehen“, sagt Kober. Sie ist nun mit ihrem Studium der Wirtschaftspsychologie wesentlich weiter, als geplant. „In spätestens eineinhalb Jahren bin ich fertig.“ Zudem ist Kober Polizeimeisterin bei der Bundespolizei in Bad Endorf. „Ich brauch’ also keine Angst haben vor der Zeit, wenn ich nicht mehr fahre.“ Das wurde ihr jetzt klar.

Auch für sich persönlich hat die 28-Jährige einiges gelernt, ist geduldiger geworden. Nach der dritten OP am Knie hat sie versucht, sich keinen Stress mehr zu machen. Natürlich hilft da auch die Erfahrung. „Wenn ich jetzt noch gar keine Medaillen gewonnen hätte, wär’s etwas anderes.“ So standen die vergangenen zwei Monate statt dem Sport eben andere Dinge im Vordergrund: „Ich hab’ zum ersten Mal die Adventszeit mit meinem Sohn gemeinsam erlebt“, sagt Kober. „Wir haben gebastelt, Geschichten gelesen und den Baum geschmückt. Da passt keine einzige Kugel mehr drauf, sonst bricht er zam“, erzählt sie und lacht.

Trotzdem kann es jetzt wieder losgehen. Denn eines ist Kober in der Pause auch klar geworden: „Ich hab’ gemerkt, dass das noch immer genau das ist, was ich machen möchte.“

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