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Mit Medaillen geschmückt: Peter Käpernick (l.) und Leonhard Brader sind mehrfache Europameister im Vorderladerschießen. Brader wurde zudem noch Weltmeister. 

Die Titeljäger aus dem Landkreis

Peter Käpernick und Leonhard Brader sind mehrfache Europameister

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Leonhard Brader und Peter Käpernick haben bei der EM im Vorderladerschießen abgeräumt: 19 Medaillen gab es für die beiden. Brader wurde dann noch Weltmeister.

Fischbachau – Leonhard Brader gerät ins Schwärmen, wenn er von den Europameisterschaften in Sarlospuszta erzählt. Dabei geht es dem Fischbachauer gar nicht um seine Erfolge oder die der Deutschen Mannschaft, vielmehr war es die Atmosphäre, die den 64-Jährigen beeindruckt hat. „Es war ein toller Zusammenhalt“, sagt Brader. Mitten in der ungarischen Puszta kämpften Vorderladerschützen aus ganz Europa vier Tage lang bei konstant 38 Grad um die Titel. Unter den 25 Teilnehmern aus Deutschland war neben Brader auch Peter Käpernick (53) aus Waakirchen. Und die Ausbeute kann sich sehen lassen: Das deutsche Team gewann 70 Medaillen – so viele wie noch. Zehn davon gingen an Käpernick, neun an Brader. Letzterer holte sich dann vier Tage später bei den Weltmeisterschaften im Long-Range-Schießen auch noch den Titel.

Peter Käpernick und Leonhard Brader sind erfahrene Schützen

Die Beiden, die für die FSG Schongau starten, sind erfahrene Schützen und haben schon mehrmals bei internationalen Titelkämpfen abgeräumt, doch bei Brader waren die Erfolge in diesem Jahr nicht unbedingt zu erwarten. Der Fischbachauer erlitt einen Tag vor den Bayerischen Meisterschaften einen Bandscheibenvorfall. „Das war das Dilemma dieses Jahres“ sagt er. Dann zog er sich auch noch einen doppelten Bänderriss im linken Fuß zu. Nach fünfwöchiger Reha blieben ihm nur noch 14 Tage Vorbereitungszeit für die EM. Doch die genügten offenbar.

In Ungarn hatte Brader neun Starts, davon vier in der Mannschaftswertung, zu absolvieren. „Das ist ein wahnsinniger Stress“, sagt er. Käpernick ging gesund in die Wettkämpfe und startete acht Mal, davon sechs Mal für Deutschland. Am ersten Tag holte Brader gleich in den Einzel- und Mannschaftswertungen einen kompletten Medaillensatz, Käpernick kam auf zwei Mal Silber und ein Mal Gold. „Da war natürlich ein guter Einstieg.“

Unerwartete Ergebnisse am zweiten Tag

Der zweite Tag brachte dann einige unerwartete Ergebnisse mit sich. Im Steinschlossgewehr liegend erzielten Käpernick und Brader bei unberechenbarem Wind enttäuschend niedrige Ringzahlen. „Da gab es lange Gesichter“, erzählt Brader. Doch zur Überraschung aller reichten die 91 Ringe von Käpernick zu Einzelgold und die 88 Ringe von Brader für Silber. Dafür ging der Mannschaftstitel in Deutschlands Paradedisziplin Muskete an Finnland –da halfen auch die Plätze zwei und vier in der Einzelwertung nicht. Käpernick gelang mit 98 Ringen in einem schweren Wettkampf ein weiterer Stockerlplatz: Er wurde Vizeeuropameister mit dem Perkussionsgewehr.

Leonhard Brader wird Geheimfavoriten-Rolle gerecht

Brader holte am dritten Tag unerwartet mit 97 Ringen den Titel mit dem Dienstgewehr. Er distanzierte die Verfolger um ganze zwei Ringe. „Mit einem Ring mehr wäre es sogar Weltrekord gewesen“, sagt Brader. Diesen Titel hatte im vergangenen Jahr noch Käpernick auf den Welt- und Europameisterschaften geholt. Der Fischbachauer wurde am letzten Tag auch noch seiner Geheimfavoriten-Rolle im Freigewehr gerecht: Er setzte mit 100 Ringen seine Spitzenserie fort und holte sich – wieder mit zwei Ringen Vorsprung – den Titel mit dem Freigewehr.

Insgesamt holte Käpernick einen Europameistertitel im Einzel und vier in der Mannschaftswertung und wurde je zwei Mal Vize-Europameister im Einzel sowie mit der Mannschaft. Brader errang zwei Einzeltitel und wurde zwei Mal Vize-Europameister, zwei Mal Mannschafts-Europameister und zwei Mal Vizemeister in der Teamwertung.

Leonhard Brader fährt vier Tage später zur WM

Doch damit nicht genug. Schon vier Tage später stand für Brader die WM auf dem Plan. Mit zwei Zentnern Ausrüstung im Kofferraum ging es vom Oberland nach Bisley in der südenglischen Grafschaft Surrey. Die Ortschaft ist die einzige in Europa, an der Training und Wettbewerbe über Entfernungen bis 1000 Yard (923 Meter) ausgetragen werden können, was für das Long-Range-Schießen nötig ist. 70 Schützen aus neun Nationen waren am Start, WM-Favorit waren natürlich die Briten. Brader verzichtete diesmal auf den Einsatz im Team.

Leonhard Brader holt sich überlegen den Titel

Schon im 900-Yard-Schießen gelang dem Fischbachauer ein gutes Ergebnis, das aber aufgrund einiger Fehler nicht für ganz vorne reichte. Aus den Fehlern gelernt, lief der 1000-Yard-Wettkampf dann umso besser. Brader erreichte sein Ziel, alle seine Schüsse trotz des starken und böigen Windes auf der Scheibe in fast einem Kilometer Entfernung zu platzieren. Bis zu vier Meter trieb der Wind das Projektil im Flug seitlich ab. „Diese Abtrift musste von Schuss zu Schuss neu kalkuliert, berechnet, eingeschätzt und dann am Visier eingestellt werden“, erklärt er. „Da gehört aber natürlich auch Glück dazu.“ Als dann der Range-Officer Brader mit den Worten „Great fight, great shooting“ gratulierte, hatte Brader noch keine Ahnung, dass er der einzige war, der mit allen Schüssen die Scheibe getroffen und mit 57 Punkten alle Favoriten weit hinter sich gelassen hatte. Nur Peter Truiter aus Südafrika kam mit 56 Punkten dem Siegerergebnis nahe. „So stand ein alter Freund neben mir auf dem Siegerpodest.“

Dass das Ergebnis keine Eintagsfliege war, zeigt Braders vierter Platz in der Long-Range-Aggregat-Wertung aus 900 und 1000 Yard. Und das ohne große Vorbereitung, da es ja kurz zuvor noch die EM-Medaillen zu verstauen galt.

jpa

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