1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport
  4. Landkreis Miesbach

Holzdeppe: „Werde noch mal in Rottach-Egern springen“

Erstellt:

Von: Sebastian Schuch

Kommentare

Leichtathletik - WM, Raphael Holzdeppe, hier bei der WM 2017.
Raphael Holzdeppe, hier bei der WM 2017. © Rainer Jensen

Nach seiner Knie-OP verbrachte Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe fünf Wochen in der Reha in Schliersee. Er will nach der Genesung wieder beim Meeting in Rottach-Egern starten.

Schliersee – Seit mehr als zehn Jahren hält Raphael Holzdeppe mit 5,80 Metern den Rekord beim Stabhochsprung-Meeting in Rottach-Egern, außerdem ist er der bislang einzige deutsche Stabhochsprung-Weltmeister. Die Olympischen Spiele in Tokio verpasste er aufgrund eines Knorpelschadens im rechten Knie. Nach der Operation vor drei Monaten verbrachte der 32-Jährige die vergangenen fünf Wochen zur Reha im Landkreis, die am Freitag endete. Im Interview spricht er über seine Genesung im Landkreis, welche Bedeutung Meetings wie das in Rottach-Egern haben und seine Ziele nach seinem Comeback.

Herr Holzdeppe, nachträglich alles Gute zum 32. Geburtstag. Wie haben Sie gefeiert?

Das war das erste Mal, dass ich meinen Geburtstag in der Reha gefeiert habe. Es war ein guter Geburtstag, weil ich genau an diesem Tag wieder einen neuen Schritt gehen konnte.

Wie liefen die fünf Wochen Reha?

Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf und habe in der Zeit große Sprünge machen können. Ungefähr zur Halbzeit war ich zur Zwischenkontrolle bei Dr. Müller-Wohlfahrt in München. Er war auch total zufrieden. Wir sind auf dem richtigen Weg, das freut mich sehr.

Wie sind Sie auf das Osteozentrum in Schliersee gekommen?

Ich kannte das Osteozentrum am Schliersee vorher gar nicht. Erst als mein OP-Termin stand, kam ein Kontakt mit Felix Neureuther zustande. Lustigerweise haben wir uns noch nie persönlich getroffen, haben aber dasselbe Management. Er hat mir dringend geraten, hier her zu kommen, und ich habe es nicht bereut.

Hochzufrieden ist der frühere Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe. Er ließ sich die vergangenen fünf Wochen von Martin Auracher (l.) und Max Merkel im Osteozentrum Schliersee behandeln.
Hochzufrieden ist der frühere Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe. Er ließ sich die vergangenen fünf Wochen von Martin Auracher (l.) und Max Merkel im Osteozentrum Schliersee behandeln. © Thomas Plettenberg

Aufgrund der OP konnten Sie Ihr Saisonhighlight, die Spiele in Tokio, nur aus der Ferne verfolgen.

Das hat mir quasi zwei Wochen gerettet. Da musste ich das Bein auf der Couch hochlegen und kühlen. Und da die Tage ewig lang waren, war es eine super Abwechslung gewesen, dass ich zwei Wochen lang den ganzen Tag Olympia kucken konnte. Nur für die Abendstunden musste ich mir eine andere Beschäftigung suchen. (lacht))

Wie bitter war es für Sie, Olympia zu verpassen?

Es gibt leider nie einen guten Zeitpunkt für eine Verletzung und Olympia ist noch mal ein bisschen ärgerlicher. Aber ändern kann ich es nicht – und ich bin ein Mensch, der gleich nach vorne schaut.

Ihre Bestleistung sind 5,94 Meter, das hätte für Bronze gereicht. Was wäre in Tokio für einen fitten Raphael Holzdeppe drin gewesen?

Das ist schwer zu sagen. Wenn alles normal gelaufen und ich in wirklich guter Form dort angekommen wäre, hätte ich mir vorgenommen, um Bronze mitspringen zu können. Jetzt, wo ich die Ergebnisse kenne, wäre das mit 5,87 Metern durchaus in Reichweite gewesen. Aber jetzt ist das Ziel, wieder fit zu werden und in diese Bereiche zu springen.

Wann haben Sie vor, wieder bei Wettkämpfen zu starten? Zur Hallensaison?

Die Hallensaison ist noch zu früh. Wenn wirklich alles nach Plan läuft, dann sollte dem Sommer nichts im Wege stehen. Aber die Hauptsache ist, dass keine anderen Verletzungen auftauchen oder sogar wieder etwas an der operierten Struktur passiert.

Das heißt, wir könnten Sie eventuell wieder in Rottach begrüßen. Welche Bedeutung hat ein solches Meeting für Sie?

Es hat schon einen Wert. Diese Spezialmeetings, wo man einen Steg aufbaut, das ist schon was Besonderes, weil man die Sportart den Leuten auch mal wirklich näher bringen kann und sie hautnah neben dran stehen können. Wenn wir jetzt in einem großen Stadion sind, da ist man schon durch acht Rundbahnen getrennt und je nachdem, wo man auf der Tribüne sitzt, ist man weiter entfernt. Dementsprechend finde ich diese Meetings auch sehr, sehr schön.

Leider hat das Meeting lange nicht in Ihren Kalender gepasst. 2019 waren Sie wieder da, blieben aber ohne gültigen Versuch.

Da hat uns leider der Regen ein bisschen das Springen ruiniert. Ich habe es versucht, aber die Regenunterbrechung war zu lange gewesen

So will man als Rekordhalter aber nicht abtreten, oder?

Nein, da bin ich mir sicher: Ich werde definitiv noch einmal in Rottach-Egern springen.

Mit Rekordversuch?

Der sollte noch mal nach oben geschraubt werden.

Kommendes Jahr gibt es zwei Großereignisse im Kalender: die WM in den USA und die EM in München.

Diese Wettkämpfe sind das Ziel. Inwieweit eine WM wirklich sinnvoll ist, das muss das nächste Jahr entscheiden. Das sind auch immer drei bis vier Wochen mit Akklimatisierung und Meisterschaft. Der erste Schritt ist, die Qualifikation zu schaffen. Dann muss entschieden werden, ob ich mich nur auf die EM konzentriere.

Also hat die EM 2022 einen höheren Stellenwert?

Eine Heim-EM ist schon etwas ganz Besonderes. Ich hatte in Berlin 2018 bisher einmal die Chance, bei einer Heim-EM zu starten, da war ich im Vorfeld leider verletzt. Da ich weiß, dass es definitiv die letzte Heim-EM sein wird, habe ich schon Ambitionen, möchte sie, so gut es geht gestalten.

Und dann sollen die Sommerspiele 2024 in Paris eine Art Karriereabschluss bilden.

Genau. Ich möchte mich noch nicht so 100 Prozent darauf festlegen. Aber der Fahrplan sieht eigentlich Paris 2024 vor und dann langsam ausklingen lassen.

Bis dahin ist es noch ein bisschen hin. Wie sieht der kurzfristige Plan aus?

Ab Freitagabend bin ich wieder zu Hause und darauf freue ich mich riesig drauf, ich war fünf Wochen durchgängig hier gewesen. Ab Montag bin ich in der Atos-Klinik in Heidelberg, wo ich operiert wurde. Da ist dann quasi ein dreimonatiges Check-up und dann geht es mit der Belastung, die ich hier begonnen habe, mit Physiotherapeuten und Heimtrainer weiter.

Auch interessant

Kommentare