Kleine, aber feine Runde: Rodel-Gesamtweltcupsiegerin Natalie Geisenberger (2.v.r.) sprach mit Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller (2.v.l.), SV-Vorsitzendem Stefan Griesbeck und Sportreferentin Aline Brunner über ihre Comeback-Saison.
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Kleine, aber feine Runde: Rodel-Gesamtweltcupsiegerin Natalie Geisenberger (2.v.r.) sprach mit Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller (2.v.l.), SV-Vorsitzendem Stefan Griesbeck und Sportreferentin Aline Brunner über ihre Comeback-Saison.

Natalie Geisenberger spricht bei Empfang über ihren Comeback-Winter

Natalie Geisenberger: Nur dank Familie so erfolgreich

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Natalie Geisenberger ist die erfolgreichste Rennrodlerin aller Zeiten. Beim Empfang der Stadt Miesbach spricht sie über ihre Erfolge - und wie wichtig dabei die Unterstützung ihrer Familie ist.

Miesbach – Nur allzu gerne hätte Bürgermeister Gerhard Braunmiller ein großes Fest auf dem Miesbacher Marktplatz organisiert, um Natalie Geisenberger für ihre unglaubliche Comeback-Saison zu ehren. Mit 300 bis 500 Leuten, die der erfolgreichsten Rennrodlerin aller Zeiten zujubeln. Doch Corona lässt das heuer nicht zu. Also lud Braunmiller die 33-Jährige im kleinen Rahmen ein, gemeinsam mit Sportreferentin Aline Brunner und Stadtrat Stefan Griesbeck in dessen Funktion als Vorsitzender von Geisenbergers Heimatverein SV Miesbach. „Das ist auch gut“, sagt Geisenberger, die Geste sei wichtiger als die Größe.

Wie schon während der Rodelsaison war auch im Gespräch im großen Ratssaal Geisenbergers Familie eines der Hauptthemen neben dem sportlichen Abschneiden – insbesondere ihr zehn Monate alter Sohn Leo. Er, das betonte Geisenberger immer wieder, sei nun ihr Hauptfokus. „Er ist der Mittelpunkt.“ Nur weil Leo es zuließ, habe sie die Rennen fahren und somit auch die Erfolge feiern können. „Ihn in die Kita stecken und weg, das will ich nicht“, machte Geisenberger deutlich. Stattdessen hatte sie die Familie immer dabei: Leo, ihren Mann Markus Scheer, ihre Eltern, den Hund. „Wir haben alles mitgenommen – bis zur Kaffeemaschine“, beschreibt Geisenberger und lacht.

Das konkretisiert sie anhand zweier Beispiele: So wurde etwa das Techniktraining in Berchtesgaden um Leo herum gestaltet. „Wenn er Hunger hatte, war Trainingspause.“ Bei den Rennen, die fast ausschließlich in Auto-Reichweite stattfanden, kümmerten sich ihre Eltern um den Familienmittelpunkt, wenn die 33-Jährige an der Strecke war und Scheer in Eltern-Teilzeit im „Hotel-Office“ arbeitete. „Mithilfe meines Mannes und meiner Eltern habe ich die Zeit gehabt, die ich benötigt habe“, sagte Geisenberger. Dabei sei der Rodel-Winter auch für Scheer ein besonderer gewesen. „Für Markus war es auch die schönste Saison, weil wir immer zusammen unterwegs waren.“ Es passe einfach alles derzeit.

Geisenberger will zu Winterspielen in Peking

Dass es mit der Deutschen Meisterschaft, ihrem 50. Einzel-Weltcupsieg, der Vize-Weltmeisterschaft und dem achten Titel im Gesamtweltcup sportlich fast lief, als hätte die Miesbacherin keine Saison pausiert, damit hatte sie nicht gerechnet. „Ich wusste, dass ich Monate zu spät angefangen hab’ – was logisch ist“, sagte Geisenberger. Vor allem der Gesamtweltcup wäre – in einer normalen Saison – außer Reichweite gewesen. Auf die ursprünglich in Nordamerika geplanten Rennen hätte sie wegen ihres Sohnes verzichtet. Doch diese wurden coronabedingt nach Europa verschoben, „nur deshalb habe ich die Chance bekommen“. Und diese nutzte die Miesbacherin – dank ihrer unvergleichlichen Konstanz. „Es war schon cool, als in St. Moritz klar war, dass ich gewonnen habe“, erzählt Geisenberger.

Ans Aufhören denkt die 33-Jährige derzeit nicht. Zumindest nicht im nächsten Jahr, wenn die Olympischen Winterspiele in Peking anstehen. Ihre vierten Spiele sind fest eingeplant. „Ich hoffe, dass ich dabei sein darf“, sagte Geisenberger. Denn es dürfen nur drei deutsche Rodlerinnen starten und die Konkurrenz ist groß. Mit der Form der vergangenen Saison stehen die Chancen zumindest gut, dass sie einen der drei Plätze ergattert.

Freuen würde sich Geisenberger in Peking über Unterstützung aus der Heimat – zusätzlich zu ihrer Familie. So wie 2018, als Griesbeck mit einer Delegation des SV Miesbach ins südkoreanische Pyeongchang gereist war. „Als Maskottchen sind wir dabei“, betonte Griesbeck – wenn das bis dahin wieder möglich ist natürlich. Und selbst, wenn die Corona-Situation ausländische Fans bei den Wettkämpfen nicht erlauben sollte – wie es heuer in Tokio der Fall ist – will sich Geisenberger den Mythos Olympia nicht kaputtmachen lassen. „Mein Vorteil ist, dass ich schon dreimal dabei war. Wenn es jetzt anders ist, kann ich sagen, ich habe alles erlebt.“

Runde ist sich einig: Geisenberger ein Vorbild für alle

Die Miesbacherin nimmt die Situation an und macht das Beste draus. Deshalb, bescheinigten ihr Braunmiller, Griesbeck und Brunner, sei sie ein absolutes Vorbild. Sportlich sowieso, menschlich und seit knapp einem Jahr auch als Mutter. Ob sie einen Tipp für Sportlerinnen habe, die ebenfalls an eine Familiengründung denken, wollte Brunner wissen. „Ich glaube, dass das speziell mein Fall ist“, sagte Geisenberger über ihre Herangehensweise. Ihre Teamkollegin Dajana Eitberger regle das Muttersein als Profi-Sportlerin komplett anders. „Ich glaube nicht, dass es eine Anleitung gibt.“ Wenn eine Sportlerin Mutter werden wolle, solle sie diesen Traum verfolgen und dafür kämpfen.

Der Empfang als Video

Den kompletten Empfang von Natalie Geisenberger können sich Interessierte auf der Internetseite der Stadt Miesbach ansehen. Hier geht‘s zum Video.

Apropos Träume: Wird Leo eines Tages auch Profi-Sportler, fragte Braunmiller. Wenn er das möchte „unterstütze ich das“, sagte Geisenberger. Wenngleich ihr wichtiger sei, dass ihr Sohn Bewegung nicht als Qual sieht, sondern Spaß daran hat. Sie bedauert, dass genau das gerade vielen Kindern coronabedingt verwehrt bleibt. Und wenn Leo beispielsweise große Freude am Klavierspielen habe, sei sie auch glücklich. „Es ist mir eigentlich wurscht, was er macht. Hauptsache er ist glücklich.“

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