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Pfeilschifter: „Das ist jetzt halt der Schnitt“

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Von: Sebastian Schuch

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Leichte Übungen kann Sonja Pfeilschifter nach einer Herzkrankheit derzeit nur absolvieren. Sie befindet sich zur Zeit in Reha im Medical Park in Bad Wiessee.
Leichte Übungen kann Sonja Pfeilschifter nach einer Herzkrankheit derzeit nur absolvieren. Sie befindet sich zur Zeit in Reha im Medical Park in Bad Wiessee. © Thomas Plettenberg

Fünfmal war Schützin Sonja Pfeilschifter bei Olympischen Spielen dabei, Tokio fand sie auch aus der Ferne faszinierend. Jetzt musste sie ihre aktive Karriere beenden.

Bad Wiessee – Auf insgesamt fünf Olympia-Teilnahmen kann Schützin Sonja Pfeilschifter zurückblicken, erstmals 1992 in Barcelona, letztmals 2012 in London. Trotz zwölf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und diversen weiteren Titeln blieb ihr Edelmetall ausgerechnet auf der größten Bühne des Sports verwehrt. Aktuell erholt sich die Sportsoldatin, die in der Fürst-Wrede-Kaserne im Münchner Norden stationiert ist und in der Nähe von Feldkirchen-Westerham wohnt, im Medical Park Bad Wiessee von einer Herzkrankheit. Hier absolviert die 50-Jährige ihre Reha, was sich durch die Kombination aus Kardiologie und Fokus auf den Sport anbietet. Wir haben mit ihr über die Sommerspiele in Tokio, ihre Pläne nach dem Karriereende und die Beziehung zu ihren Schützenvereinen im Landkreis, der FSG Miesbach und der SG Holzkirchen, gesprochen.

Frau Pfeilschifter, wie haben Sie als fünfmalige Olympia-Teilnehmerin die Spiele in Tokio verfolgt?

Durch meine Krankheit habe ich die Spiele intensiv verfolgen können und gemerkt, wie viel man eigentlich mitkriegt, wenn man nicht selber dabei ist. Man leidet mit den Sportlern mit, weil man es selbst erlebt hat, dass man trainiert und trainiert und sich vorbereitet und es bei manchen am Tag X nicht funktioniert. Man leidet einfach mit, weil man weiß, wie das ist. Und man versteht es auch besser. Es ist auch so, wie es oft betont wurde, dass in Deutschland nur Medaillen zählen.

Sie wurden während Ihrer aktiven Zeit kritisiert, dass Sie dem Druck nicht gewachsen gewesen seien.

Man trainiert natürlich für die Medaille. Es ist mir ja auch so gegangen. Wenn es einfach nicht funktionieren möchte, dann geht es nicht. Und dann kann man es nicht erzwingen. Aus. Fertig.

Aber es sind auch positive Erinnerungen hochgekommen.

Ja, natürlich. Man nimmt immer was Positives mit. Auch wenn man nicht das erreicht hat, was man sich wünscht.

Welche Spiele waren Ihre schönsten?

Die 2000 in Australien. Peking 2008 hat auch seinen Reiz gehabt, vom Dorf her. Aber so richtig gelebt haben es die Australier. Egal ob man ein bekannter oder unbekannter Sportler war, man ist in die Stadt gegangen, die haben gesehen, du bist Sportler und dann bist du gefeiert worden. Das war wirklich richtig schön.

Wären Sie unter den gegebenen Bedingungen nach Tokio gefahren, wenn Sie noch aktiv wären?

Ja. Weil man einfach für den Tag X trainiert. Man muss abwägen: Wenn man jetzt wirklich in Corona drin gewesen wäre.... Aber wahrscheinlich wäre ich hingefahren. Dafür bin ich jetzt zu wenig drinnen. Nur weil keine Fans dort waren, wäre ich trotzdem hingefahren, weil ich aus einer Sportart komme, wo nie so viele Zuschauer sind.

Durch Corona sind Sie seit 2019 zweifache Titelverteidigerin bei den Deutschen Meisterschaften. Sind Sie bis Ende August wieder fit?

Nein. Durch die Herzkrankheit sind Medikamente notwendig, die meinen Sport nicht mehr möglich machen. Mit denen darf ich keine Meisterschaft mehr schießen. Ich hätte zwar gerne noch eine letzte Saison Bundesliga mit der SG Dynamit Fürth geschossen, das muss ich echt zugeben, aber jetzt geht die Gesundheit vor. Ich wollte nach Corona noch eine Saison schießen – und dann beende ich meine Karriere offiziell. Das ist jetzt halt der Schnitt.

Immerhin hören Sie als Titelverteidigerin auf.

Das stimmt. (lacht)

Werden Sie als Zuschauerin bei der DM dabei sein.

Dieses Jahr noch nicht, man darf ja nicht hin wegen Corona. Aber ich habe schon vor, bei der Bundesliga dabei zu sein.

Welche Rolle spielt der Medical Park bei Ihrer Genesung?

Ich weiß, dass der Medical Park eine gute Klinik ist und er ist nicht weit weg von daheim. Für mich ist es gut, zu lernen, etwas runterzufahren. Und sich damit abzufinden, dass man langsam starten muss. Wobei die positive Prognose der Ärzte da ist, dass ich wieder in die Berge gehen oder Radl fahren kann. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben hier.

Wie sieht Ihre Reha aktuell aus?

Man fängt langsam an mit dem Ergometer, dass man wieder Radl fahrt, dass man langsame Übungen macht und sich einfach mal vor Augen führt, dass man eine Herzkrankheit hat und dass das Zeit braucht. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg, das zu akzeptieren. Mit der Aussicht, dass ich das wieder machen kann, was ich vorher gemacht habe.

Hier im Landkreis werden Sie, sobald es möglich ist, auch wieder aktiv sein?

Ja. Für mich ein bisschen Kranzlschießen. Dass ich wieder unter die Leute komme, meine Bekannten sehen, mit denen ich immer trainiert habe. Einfach meinen Sport ein bisschen weitermachen.

Wie haben Sie als Schützin Corona erlebt?

Wir konnten halt genauso wenig machen, wie alle anderen Sportler auch. Man hat halt damit Leben müssen. Man hat seinen eigenen Sport gemacht, um sich körperlich fit halten können. Aber die Sportart war einfach total stillgelegt.

In Schützenvereinen geht es ja auch um das Gesellige. Das wird Ihnen auch gefehlt haben.

Ja, dass man sich mit den Leuten trifft und einfach miteinander trainiert. Das ist die vergangenen eineinhalb Jahre sehr kurz gekommen.

Was wünschen Sie sich diesbezüglich?

Dass man das wieder hoch lebt und die Jungen wieder herzieht und das Vereinsleben wieder stattfindet.

Apropos Jugend: Sie sind bei der SG Holzkirchen in der Jugendarbeit aktiv. Werden Sie das jetzt ausbauen?

Das könnte durchaus möglich sein. Dass ich hier jetzt einen Beitrag leiste, wo ich selbst nicht mehr so extrem aktiv sein kann. Dass man hier unterstützt, die Jungen motiviert.

Haben Sie von Abmeldungen gehört?

Bis jetzt noch nicht. Ich hoffe, wenn es jetzt wieder aktiver wird, dass die Jungen sagen, jetzt kommen sie wieder. Weil man sich eben auch wieder drinnen treffen darf.

Welche Vorteile hat das Schießen für Heranwachsende?

Es ist ein Konzentrationssport. Man lernt, sich auf gewisse Sachen und über eine gewisse Zeit zu konzentrieren. Das fördert das auf jeden Fall und auch die mentale Stärke.

Und wer könnte das besser vermitteln, als eine vielfache Welt- und Europameisterin.

Ich hoffe es. (lacht)

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