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Erfahrener Experte: Peter Schlickenrieder ist seit 2002 für die ARD im Einsatz. 

Olympische Winterspiele 2018

Schlickenrieder: „Olympia gerne, aber nicht zu jedem Preis“

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Peter Schlickenrieder ist wieder für die ARD als TV-Experte bei den Olympischen Spielen im Einsatz. Wir haben uns mit dem Olympia-Silbermedaillen-Gewinner von 2002 vor seinem Abflug über den Kampf um die Fernsehrechte und die Chancen der Landkreis-Langläufer unterhalten.

Neuhaus – Peter Schlickenrieder weiß, wovon er spricht. Der 47-Jährige aus Neuhaus gewann 2002 bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City (USA) die Silbermedaille im Skilanglauf. Mittlerweile ist er als Experte für die ARD im Einsatz und kommentiert die Langlauf-Rennen. Wir haben uns vor seinem Abflug mit Schlickenrieder über die Spiele in Pyeongchang, den Kampf um die TV-Rechte und die Chancen der Landkreis-Langläufer unterhalten.

- Herr Schlickenrieder, seit wann sind Sie nun schon TV-Experte?

Peter Schlickenrieder: Seit 2002. Ich bin direkt mit dem Karriereende ins Expertentum eingestiegen.

- Wie kam’s dazu?

Schlickenrieder: Der Sportkoordinator der ARD hat mich angesprochen. Der Langlauf-Sprint war 2002 das erste Mal olympisch und hatte mit über sechs Millionen Zuschauern eine Wahnsinns-Einschaltquote. Das war sozusagen die Geburtsstunde. Die ARD sagte dann, wenn sie den Langlauf im Fernsehen aufbaut, will sie das mit einem Spezialisten versuchen, der gerade in der Sportart erfolgreich war.

-Haben Sie gleich zugesagt?

Schlickenrieder: Das hat mich schon immer interessiert. Zeit meines Lebens wollte ich den Langlaufsport so zeigen, wie er ist. Nämlich die Action, die Geschwindigkeit, das taktische Vermögen, das man braucht, auch transportieren. Darum war das damals eine Riesenmöglichkeit, die ich gerne wahrgenommen habe.

- War die Umstellung schwierig?

Schlickenrieder: Schon, es ist eine komplett andere Welt. Du stehst plötzlich auf der anderen Seite. Du bist nicht mehr der Sportler, der trainiert, sondern der, der sich nach den Zeiten des Fernsehens richten muss. Es war das Lernen eines neuen Berufsbildes. Man versucht sein Bestes und stellt fest, dass es gar nicht so leicht ist, die Vorstellung, die man im Kopf hat, im Bild umzusetzen.

- Wie haben Sie es letztlich hinbekommen?

Schlickenrieder: Ganz inspirierend war der Wasi (Markus Wasmeier, Anm. d. Red.). Der war damals schon ein recht erfahrener Experte und hat mir ein paar Tipps gegeben, wie er mit seiner Wasi-Cam die Abfahrten meistert. Natürlich nicht eins zu eins, weil eine Strecke im Langlauf viel länger ist. Es war wie ein Trainingsprozess, mit jeder Übertragung habe ich ein Stück mehr gelernt.

-Wie waren Ihre ersten Spiele als Experte?

Schlickenrieder: Spannend. Als Athlet bist du in einem Tunnel. Da hast du deinen Wettkampf, auf den du dich fokussiert, und alles andere schaltest du aus. Wenn du als TV-Experte dabei bist, entdeckst du erst mal, wie mächtig, wie groß das ganze Olympia ist. Aber als Sportler darfst du viel mehr, als Experte bist du sehr beschränkt. Wenn die Kennziffer nicht auf deiner Akkreditierung draufsteht, kommst du da nicht rein. Das ist schon ungewohnt.

- Gibt es auch Vorteile als Experte?

Schlickenrieder: Man weiß ja noch, unter welchem Druck man selbst stand. Wenn man sieht, was medial passiert, wenn sich der Erfolg nicht einstellt, ist das schon der Zeitpunkt, wo ich mir denk‘: Gut, dass du nimmer Sportler bist (lacht). Daher habe ich bei den ersten Spielen schon ein paar Mal durchgeatmet, dass ich jetzt nicht an der Startlinie stehe.

-Gibt es einen weiteren Unterschied?

Schlickenrieder: Der eigene Erfolg kriegt noch mal eine ganz andere Dimension, wenn man sieht, wie Leute das letzte Quäntchen Glück nicht haben und Vierter werden.

-Es sind nun Ihre vierten Experten-Spiele. Haben Sie damit gerechnet, dass es so lange geht?

Schlickenrieder: Die Qualifikation als TV-Experte ist ein bisschen einfacher als als Aktiver (lacht). Wobei das auch nicht stimmt. Beim Fernsehen wird jährlich überprüft, wie groß man die Sportart noch macht, und ob man einen Experten braucht. Von daher konnte man nicht erahnen, dass das fernsehmäßig so lange geht.

-Um ein Haar wären Sie diesmal tatsächlich nicht dabei gewesen. ARD und ZDF haben die Rechte erst spät erworben. Wie haben Sie das erlebt?

Schlickenrieder: Man kann sich nicht vorstellen, dass die Öffentlich-rechtlichen nicht bei Olympia sind. Aber wenn man sieht, wie hart die Bandagen beim Kampf um den Livesport wie Fußball geworden sind, war das nur eine Frage der Zeit. Die Öffentlich-rechtlichen können nicht endlos mitbieten. Das sind Steuergelder, mit denen man behutsam umgehen muss, und da ist irgendwann eine Schmerzgrenze erreicht. Man kann das nicht ins Unendliche treiben. Von daher war die Entscheidung – so bitter es für mich persönlich gewesen wäre – nachvollziehbar.

-Gab es Abwerbungsversuche?

Schlickenrieder: Ja, klar. Aber dafür bin ich zu sehr mit der ARD verhangen. Wir haben da den Sport aufgebaut, wir haben viel entwickelt und sind ein Team. Die ARD hat mir viel ermöglicht, und ich habe viel gelernt. Da habe ich schon das Gefühl – durch gute und schlechte Zeiten geht man gemeinsam. Zudem ich, wie gesagt, auch der Meinung bin: Olympia gerne, aber nicht zu jedem Preis.

- Nun hat es ja noch geklappt. Was unterscheidet Olympia vom Weltcup?

Schlickenrieder: Es dauert alles doppelt und dreimal solange. Beim Weltcup hast du die Schnittplätze und die Redaktionen ganz eng am Start- und Zielgelände. Bei Olympia ist alles sehr verteilt. Du musst immer erst mal die Stunde wieder ins IBC (International Broadcast Center, Internationales Sendezentrum, Anm. d. Red.) fahren, und dort ist dann dein Schnittplatz. Dann fährst du mit dem Kameramann wieder raus, drehst mit dem Athleten, weil der jetzt erst da ist. Du bist mehr oder weniger den ganzen Tag unterwegs, für was, was beim Weltcup in ein, zwei Stunden geht.

-Wie sieht Ihr Tagesablauf bei Olympia aus?

Schlickenrieder: Ich werde erst mal ins IBC fahren und mir bei der Redaktion die Aufträge abholen und besprechen, was wir für Sendezeiten haben, und was wir für Geschichten machen können. Dann ist es meistens schon zehn, elf Uhr, und du musst schauen, dass du an die Strecke kommst. Dort musst du dir die entsprechenden Zusatz-Akkreditierungen holen. Dann ist viel Recherchearbeit angesagt: Wie ist der Schnee? Was machen die Wachsler? Dann wird gedreht, und es geht zurück ins IBC an den Schnittplatz. Gegen neun, zehn Uhr ist der Tag dann mal zu Ende, und wir müssen noch eine Stunde raus zu unserem Hotel gondeln. Wenn du Glück hast, kannst du abends mal gemeinsam Essen gehen.

-Bleibt da auch mal Freizeit?

Schlickenrieder: Es sind fünf Veranstaltungen, die in der ARD laufen. Das ist gut, so ist immer ein Tag frei, an dem man was vorbereiten kann.

-Können Sie andere Bewerbe anschauen?

Schlickenrieder: Nein, das passiert ganz selten. Vielleicht mal abends ein Eishockey-Spiel. Unser Hotel ist in Gangneung in der Nähe vom Stadion. Aber irgendwelche Ski-Geschichten gehen sich nicht aus. Du bist da schon zum Arbeiten drüben.

-Wie schätzen Sie die Chancen der Landkreis-Langläufer Elisabeth Schicho und Lucas Bögl ein?

Schlickenrieder: Der Luci hat in diesem Jahr einen deutlichen Sprung gemacht. Da denke ich, Top 15. Im super-super-Idealfall ist auch Top 10 drin. Die Lisi hat im Sprint eine Chance, wobei man sagen muss, dass die Strecken schon schwer sind. Taktisch macht sie es aber gut, da kann ich mir schon vorstellen, dass es für eine Top-10-Platzierung reicht.

-Ist für Bögl mit der Staffel eine Medaille drin?

Schlickenrieder: Das ist schon schwer. Die Norweger sind fast nicht schlagbar, die Schweden sind eine Nummer. Auch wenn die Russen jetzt sehr reduziert sind, sind sie eine starke Staffel. Wir haben jetzt auch nicht viele Sprinter drüben. Es ist nicht chancenlos, aber leicht ist es nicht. Wenn wir das schaffen, lassen wir die Sektkorken knallen.

-Mit Vanessa Hinz ist eine weitere Schlierseer Vereinskollegin am Start.

Schlickenrieder: Auch wenn sie als Biathletin nicht mehr zu meinem Fachgebiet gehört, drücke ich meiner langjährigen Langläuferin natürlich ganz fest die Daumen. Vanessa hat sicherlich die größten Medaillenchancen aus dem Trio.

jpa

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