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Im Wohnzimmer in Miesbach: Elisabeth und Franz Seiler auf der Eckbank im Harztal.

Olympische Winterspiele

„Sie hat immer alles allein gemacht“

Miesbach - Die Eltern von Nationalspielerin Sara Seiler fragen sich noch heute, wie ihre Tochter zum Eishockey kam.

Das Wohnzimmer ist lichtdurchflutet, der Boden und die Fenster sind aus hellem Holz, im Kamin prasselt ein Feuer – heimelig ist es bei Familie Seiler. Die Eltern von Eishockey-Nationalspielerin und Olympia-Teilnehmerin Sara Seiler (31) wohnen im idyllischen Miesbacher Harztal. „Wir liegen zentral und doch ruhig“, sagt Elisabeth Seiler. „Nur wenn Volksfest ist, ist es mal lauter“, ergänzt ihr Ehemann Franz. Dann hört man auf der Terrasse die Musik vom Festzelt rüber. Doch jetzt ist es ruhig, die beiden sitzen auf der Eckbank, im Herrgottswinkel hängen Familienfotos. Sie zeigen die beiden im Urlaub, ihre Kinder Sara und Johannes im Alter von sechs, sieben Jahren und die Tochter im Trikot der Nationalmannschaft.

Angefangen mit dem Sport hat alles, als Sara etwa vier, fünf Jahre alt war. „Wir sind zum Spitzingsee hochgefahren, wegen der Sonne“, erinnert sich Elisabeth Seiler (57). Papa Franz (58) übte dann mit Sara Schlittschuhlaufen. „Das hat ihr offensichtlich Spaß gemacht“, sagt er und schmunzelt. „Sie wollte dann aber keine weißen Schlittschuhe und auch gleich Eishockeyspielen.“ Wie ihre Tochter darauf kam, können sich die Krankenschwester und der Sozialpädagoge nicht recht erklären. Papa Franz hat selbst nie gespielt, er mag alles, was mit Bergsport zu tun hat. „Die Sara wollt’ damals nicht auf den Berg gehen“, erzählt er. „Wahrscheinlich hat sie sich gedacht: Ich such’ mir eine Sportart, mit der meine Eltern gar nix zu tun haben. Dann hab’ ich meine Ruhe.“

So ging sie zum TEV Miesbach. „Es gab keine Probleme, Sara war auch nicht das erste Mädchen“, sagt Elisabeth Seiler. Julia Zart und Sandra Rumswinkel waren dort bereits aktiv. Sohn Johannes (28) stand bis zu den Knaben im Tor. Ihre Tochter blieb bis zu den Schülern und wechselte dann nach Ottobrunn. Die Fahrten teilten sich die Seilers mit den Zarts, Rumswinkels und den Eltern von Tina Moll.

Einmal trainierten die Mädchen im Münchner Prinzregentenstadion. Ausgerechnet da konnte niemand fahren. „Da hat die Sara gesagt: Mama, das macht gar nix, ich fahr’ mit dem Zug.“ Ein typischer Sara-Satz. „So war sie schon immer. Wenn sie was wollte, hat sie es allein gemacht.“ Sei es beim Eishockey oder in der Schule. Nach dem Abitur am Gymnasium Miesbach wurde sie Sportsoldatin. Doch das machte ihr bald keinen Spaß mehr, erzählt Elisabeth Seiler. Sara machte eine Ausbildung zur Bürokauffrau und ging nach Kanada, um Volkswirtschaft zu studieren. Ihr Bruder Johannes promoviert derzeit in demselben Fach in Innsbruck. „Da diskutieren die zwei dann immer“, sagt die Mama. Auch wenn sie sich die vergangen sieben Jahre nicht allzu oft sahen. „Sara war immer an Weihnachten und den ganzen August da.“

Kontakt hielten sie über Skype. „Ich schau’ mir auch die Spiele im Internet an.“ Die Leidenschaft ihrer Tochter zum Eishockey sehen sie positiv: „Der Franz und ich sind zu Orten gekommen, wo man sonst nicht hinkommt.“ Zu den Weltmeisterschaften waren sie etwa in der kanadischen Hauptstadt Ottawa oder in Burlington in Vermont (USA). Am Freitag sind die Seilers nach Russland geflogen. In Sotschi wohnen sie eine Woche auf einem Hotelschiff und schauen sich die Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft an. „Ich freu’ mich jetzt total“, sagt Elisabeth Seiler einen Tag vor der Abreise. „Ich hoffe, dass wir diesselbe Stimmung erleben wie in Turin damals.“ Schon 2006 war Sara bei Olympischen Spielen dabei, und ihre Familie besuchte sie.

Dass es Mitte der Woche im Testspiel gegen die USA eine 0:10-Niederlage setzte, beunruhigt die beiden nicht. „Ich hab’ ihnen den Tipp gegeben, sie sollen nicht alle Karten offenlegen“, sagt Papa Franz und lacht. Ohnehin ist ihnen wichtiger, dass ihre Tochter verletzungsfrei bleibt. „Sie hat schon mit 17 einen Bandscheiben Vorfall gehabt“, berichtet Elisabeth. Ein männlicher Gegenspieler checkte sie gegen die Bande, ein Jahr fiel Seiler aus. „Sie hat sich durchgebissen. Sie hätt’ auch sagen können, ich mag nimmer.“ Aber Aufgeben wäre nicht die Art ihrer Tochter.

Julia Pawlovsky

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