Snowboardcrosser wurde Konstantin Schad letztlich, weil es die Fähigkeiten aller Disziplinen vereint. Für ihn als Allrounder ideal.
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Snowboardcrosser wurde Konstantin Schad letztlich, weil es die Fähigkeiten aller Disziplinen vereint. Für ihn als Allrounder ideal.

Snowboarder über sein Karriereende, den SC Miesbach und seine Zukunft

Schad: Körper und Familie haben für Karriereende gesprochen

  • vonHeidi Siefert
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Im Mai beendete der Miesbacher Snowboardcrosser seine aktive Karriere. Im Interview spricht er über die Gründe, seine Erfolge und den SC Miesbach.

Miesbach – Im Mai verkündete Snowboarder Konstantin Schad seinen Rücktritt vom Leistungssport. Der 32-jährige Boardercrosser vom SC Miesbach war lange Jahre eine prägende Figur im internationalen Snowboardzirkus, unter anderem Teilnehmer an den Olympischen Spielen von Vancouver, Sotschi und Pyeongchang, bei zahlreichen Weltmeisterschaften, vier X-Games und Gewinner der Universiade 2011. Wir sprachen mit dem zweifachen Familienvater über einen Sommer ohne Trainingspläne, die Entwicklung des Sports und die neue Aufgabe bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr.

Herr Schad, wie fühlt sich ein Sommer ohne Trainingsplan an?

Sehr fein. Neue Aufgaben halten mich schon auf Trab. Aber ich bin auch froh, aktuell nicht reisen zu müssen.

Mit etwas Distanz betrachtet: War Aufhören die richtige Entscheidung?

Auf jeden Fall. Sowohl der Körper, als auch das Familienleben hätten alles schwierig gemacht, und mir wäre bestimmt der Spaß vergangen; spätestens mit Corona. Ich bin froh, dass mir mein Sport und all die Dinge, die ich daran geliebt habe, niemals lästig werden konnten.

Gibt es bei den vielen Erfolgen einen, der die anderen überstrahlt?

Meine X-Games-Medaillen bedeuten mir besonders viel, weil man als Snowboarder ja eher der Extremsportfamilie entstammt, und das ist das ultimative Event. Ich freue mich sehr, bei vier Einladungen zweimal auf dem Podium gestanden zu sein (Bronze 2014 und 2016, d.Red.).

Als Ihr Schad-Brüder erste Rennen gefahren seid, war Snowboarden der Boom-Sport und der Landkreis einer der Hot-Spots. War das ein Sog, den auch Ihr gespürt habt?

Auf jeden Fall. Ohne die wahnsinnig erfolgreiche Mannschaft, die es beim SC Miesbach schon gab, hätten Kilian und ich nicht diese Möglichkeiten gehabt. Bei den Olympischen Spielen in Vancouver waren von acht deutschen Snowboardern drei Miesbacher, und ich bin sicher, Kilian wäre ohne seine Krebserkrankung unser vierter gewesen.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Rennen?

Leider nicht. Wir sind so spielerisch in tollen Jugendserien herangeführt worden, dass ich nicht mehr weiß, wo das erste stattgefunden hat. Aber gerade diese Fülle an Wettkämpfen war am Anfang der Karriere besonders wertvoll.

Welche Rolle spielte dabei der sehr rührige SC Miesbach?

Eine einmalige. Ich glaube, nur in Bischofswiesen gibt es ein ähnliches Engagement im Snowboardsport, und mit dem Spitzingseegebiet hatten wir auch immer tolle Trainingsmöglichkeiten. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich der Mut, sich in neuen Sportarten zu engagieren, auszahlte und sich Miesbach diesen tollen Ruf einfach fleißig erarbeitet hat.

Wann war klar, dass Snowboarden für Sie mehr als nur Hobby sein würde?

Konstantin Schad

Als ich mit 15 Jahren in die Nationalmannschaft berufen wurde, habe ich mit der Profikarriere geliebäugelt. Sicher war es aber erst, als ich mich nach dem Abi durch die Sportfördergruppe der Bundeswehr auf den Sport konzentrieren konnte.

Wie hat sich der Boardercross als die Disziplin herauskristallisiert?

Sehr lange bin ich in allen Disziplinen gestartet. Bei der Junioren-WM 2007 war ich noch in Big Air und Boardercross qualifiziert. Mit der Profikarriere musste ich mich für ein Trainingsteam entscheiden, weil Big Air noch nicht olympisch war und sich im Boardercross die Fähigkeiten aus allen Disziplinen bezahlt machten, habe ich mich dafür entschieden. Ich glaube, das war richtig so.

Die Karriere war begleitet von Verletzungen und Schmerzen. Wie kann man sich da immer wieder durchbeißen und herankämpfen?

Mei, das gehört halt dazu. Ich kann Schmerzen recht gut verkraften. Mittlerweile fürchte ich, dass meine Schmerzschwelle vielleicht etwas zu hoch liegt und ich mich öfter früher um vermeintlich kleine Verletzungen hätte kümmern sollen. Insgesamt bin ich ganz glimpflich davongekommen, hatte etwa nie einen Kreuzbandriss. Das Zurückkämpfen war also immer machbar, vor allem mit meinen tollen Betreuern rund um den Schliersee. Und wenn man machen darf, was man liebt, geht es eh leicht.

Wie sind Sie in Rennen gegangen?

Das Ungestüme war nie mein Ding. Meine Vorbilder waren immer die Taktiker. Schön war es, als ich mit dieser Herangehensweise tatsächlich auch besser gefahren bin. Zuletzt kamen immer mehr die Hitzköpfe hoch. Das ist überhaupt nicht mein Stil, sodass ich mich damit schwergetan habe. Aber an mir wollte ich aus Prinzip nichts verändern.

Wie hat sich das Snowboarden in den vielen Jahren verändert?

Es ist eine unglaubliche Professionalisierung eingetreten, und Snowboarden ist ein ganz brutaler Leistungssport geworden, bei dem sich die Sportler, wie in allen anderen Disziplinen, schon sehr früh spezialisieren und diszipliniert arbeiten müssen. Ich bin froh, dass ich noch was von der alten Welt erlebt habe.

Was macht der Snowboard-Rentner Schad jetzt?

Ich bin bei der Bundeswehr geblieben und darf mich als stellvertretender Leiter der Sportfördergruppe München um etwa 60 Sportsoldaten in Sommer- und Wintersportarten kümmern. Dabei habe ich auch ein bisschen eine Mentor-Rolle für die jungen Athleten. Daneben bin ich Vizepräsident des deutschen Snowboardverbandes und im Präsidium der FIS. Und ich bin im Raum Holzkirchen auf der Suche nach einem neuen Zuhause für meine Familie, was mich gerade sehr beschäftigt.

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