Test mit Wettkampfcharakter: Beim Test gegen den FC Deisenhofen Ende August durften die Fußballer des TuS Holzkirchen noch auf eine zeitnahe Saisonfortsetzung hoffen. Foto: Thomas Plettenberg
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Test mit Wettkampfcharakter: Beim Test gegen den FC Deisenhofen Ende August durften die Fußballer des TuS Holzkirchen noch auf eine zeitnahe Saisonfortsetzung hoffen.

Von Verständnis bis Ablehnung

So reagieren Landkreis-Sportler auf mögliche BFV-Klage gegen Staatsregierung

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  • Hans Spiegler
  • Hans-Peter Koller
  • Markus Eham
  • Michael Eham

Die mögliche Klage des BFV gegen die Staatsregierung wegen der Corona-Auflagen schlägt bei Fußballern im Landkreis hohe Wellen. Wir haben Reaktionen gesammelt.

Landkreis – Die mögliche Klage des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) gegen die Staatsregierung wegen der Corona-Auflagen für den Sport schlägt bei Fußballern im Landkreis Wellen. Einige verstehen die Unzufriedenheit mit der Entscheidung. Andere meinen, der BFV solle die Saison abbrechen.

Wie berichtet, hatten die Sportler gehofft, mit den neuen Vorgaben wieder Zuschauer zu Spielen begrüßen zu dürfen. Dies schließt die Landesregierung aber weiter aus – obwohl zu Kulturevents 400 Gäste kommen dürfen. Der Verband befragt seine Mitglieder noch bis Montag, ob er rechtlich gegen diese Entscheidung vorgehen soll.

Für Benedikt Zeisel,Torhüter des TuS Holzkirchen, ist es keine Überraschung, dass die bayerische Regierung bei Corona-Regeln vorsichtiger ist als andere. Eine Klage lehnt er daher ab: „Es gibt eben Vorgaben.“ Der Verband solle seinen Fehler eingestehen, die Saison fortsetzen zu wollen – „damit ein Schlussstrich gezogen werden kann“.

Dennoch ist Zeisel vom Vorgehen des BFV wenig überrascht. „Man ist es gewohnt, dass es nicht die Stärke des Verbands ist, Fehler einzugestehen.“ Die Lust am Fußball sei ihm schon lange vergangen. Es habe wenig mit einer Saison 19/20 zu tun wenn wegen Transfers plötzlich ganz andere Mannschaften auf dem Feld stehen als zu Beginn der Punktrunde.

Mike Probst, Trainer des TSV Otterfing, sorgt sich um die soziale Funktion der Vereine, um Integration und Gesundheit. Ohne sportliches Ziel nur zu trainieren, sei zu wenig Motivation für alle Altersklassen. „Schwere Kost, die es zu verdauen gilt“.

Dass der Verband nun erwägt, den Re-Start per Klage zu erzwingen, befürwortet Probst: „Der BFV hat seine Hausaufgaben gemacht. Darum ist der Zeitpunkt gekommen, dass die Regierung davon abweicht, den bequemsten Weg zu nehmen.“

Probst versteht zwar, dass die Gesundheit der Sportler und Zuschauer an erster Stelle steht. Da aber in vielen Bereichen Lockerungen stattgefunden haben und anderswo Fans bei Punktspielen erlaubt sind, vermutet er, der Ministerrat wolle warten, was in Schulen und Kitas passiert, bevor er den Sport anfasst.

Für Sigi Frank, Sprecher des FC Real Kreuth, steht fest: „Wir möchten endlich spielen.“ Er denke, das gehe auch mit Zuschauern – schließlich ist Fußball eine Freiluftveranstaltung. Mit Auflagen „bräuchten wir zwar den einen oder anderen Ordner mehr“. Aber die meisten Leute hielten sich in niedrigen Ligen an Abstandsregeln.

Dennoch, sagt Frank, wisse er nicht, ob eine Klage des BFV die richtige Entscheidung wäre: „Man weiß ja nicht, ob sie erfolgreich ist.“ Diese Ungewissheit sei problematisch. Mannschaften könne es schwerfallen, Spieler bei Stange zu halten, was besonder die Jugend treffe. „Wenn die Jugendlichen nicht spielen, springen sie ab.“

Auch Thomas Schönauer, zweiter Abteilungsleiter des SC Wörnsmühl versteht die Entscheidung der Staatsregierung nicht: „In unseren Ligen stehen keine hundert Leute eng nebeneinander.“ Dazu die freie Luft – an vielen Orten, an denen Veranstaltungen erlaubt sind, sei die Ansteckungsgefahr höher.

Ob eine Klage der richtige Weg ist, bezweifelt aber auch Schönauer. „Der BFV hat einfach von Anfang an verpasst, den richtigen Weg zu gehen.“ Die Vereine würden hingehalten, niemand kenne sich aus. Außerdem sei es Wettbewerbsverzögerung, wenn Vereine unter der Saison Spieler verpflichten. „Das hat nichts mehr mit der Saison 2019/20 zu tun und ist keine faire Lösung, wie es der BFV immer behauptet.“

Beim TSV Schliersee merkt Trainer Sebastian Fischer nichts von einer möglichen Unlust am Fußball. „Das spiegelt sich in der Trainingsbeteiligung.“ Aber der Unmut über die Staatsregierung wachse: „Grundsätzlich fühlt sich natürlich jeder ein Stück weit verarscht.“ Schizophren sei, dass Testspiele möglich sind und Punktspiele nicht. „Den Sinn verstehe ich nicht.“

Von einer Klage gegen die Staatsregierung hält Fischer mangels Erfolgsaussicht allerdings nichts. Sein Fazit: „Das Schönste am Fußball ist das Messen mit anderen, wenn es wirklich um etwas geht. Diesen Wettkampfcharakter kriegst du weder über Training noch über Testspiele.“

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