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Zwangsabstieg für EC Fischbachau

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Haben Paragrafen gewälzt, geholfen hat es nichts: Barbara Guggemoos (l.) und Barbara Dialler müssen mit dem EC Fischbachau absteigen. © Andreas Leder

Sportlich haben die Stockschützinnen des EC Fischbachau die 1. Bundesliga Süd gehalten. Aufgrund einer unklaren Satzung des Bayerischen Eissport-Verbands muss der EC nun aber nachträglich in die Bayernliga absteigen. „Das hat nichts mit Fair Play zu tun“, schimpft Barbara Dialler.

Fischbachau – Die Welt des Stocksports ist klein und beschaulich. Die Athleten gehen ihrem Sport als Hobby und wegen dem Spaß an der Freude nach. Dieser wurde den Schützinnen des EC Fischbachau (Kreis Miesbach) nun ein wenig verleidet. Aufgrund eines Sportgerichtsurteils des Bayerischen Eissport-Verbands (BEV), das die Frauen-Mannschaft des EC Haslangkreit aufgrund eines abgelaufenen Spielerpasses nachträglich disqualifizierte und somit alle Bundesliga-Ergebnisse gegen dieses Team gestrichen hatte, hat zur Folge, dass Fischbachau – das dank eines neunten Platzes den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga Süd geschafft hatte – in die Bayernliga absteigen muss.

Die Fischbachauerinnen hatten beide Begegnungen gegen Haslangkreit gewonnen und rutschten durch den Punktabzug auf den zehnten und damit einen Abstiegsplatz ab. „Das hat nichts mit Fair Play zu tun“, schimpft Barbara Dialler vom EC Fischbachau. „Es kann nicht sein, dass andere Mannschaften durch eine nachträgliche Disqualifikation einen Nachteil erleiden“, sagt die Fischbachauerin. „Aber dafür gibt es von seiten des Verbands kein Verständnis. Es gab zahlreiche Verfahrensfehler, und das darf nicht auf dem Rücken der Vereine ausgetragen werden.“

Was war passiert? Der Wettbewerbsleiter hatte den abgelaufenen Pass bei Haslangkreit in der Vorrunde nicht festgestellt. Dies fiel erst auf, als der Spielerpass vom Verein zur Verlängerung an den Deutschen Eisstock Verband (DESV) geschickt wurde. Dieser zeigte den Fehler beim BEV an, wo ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet wurde. Dennoch durfte Haslangkreit auch am Rückrundenturnier teilnehmen. „Da das Verfahren noch schwebend war, hat der Wettbewerbsleiter die Mannschaft antreten lassen“, erklärt Leonhard Mittermair, Landesobmann der Fachsparte Eisstocksport im BEV. Das Sportgericht fasste erst nach dem letzten Turnier den Beschluss, die Mannschaft zu disqualifizieren, auf den letzten Platz zu setzen und alle Punkte abzuziehen.

Und nun wird es kurios, denn eine genaue Regelung für das nachträgliche Aufdecken eines unberechtigten Spielereinsatzes gibt es nicht. Das Internationale Regelwerk der IFI (International Federation Icestocksport) besagt: „Bei nachträglicher Disqualifikation wird die betroffene Mannschaft unter Beibehaltung der Ergebnisliste als disqualifiziert und auf den letzten Rang geführt.“ Da die Disqualifikation nach der Rückrunde erfolgte, wäre Fischbachau also nicht abgestiegen. Doch falsch gedacht.

„Dies gilt nur bei einer nachträglichen Disqualifikation wegen Manipulation am Material“, erklärt Landesobmann Mittermair. „Weitere Festlegungen gibt es nicht. Da muss der internationale Verband seine Regeln klarer fassen.“ Das Berufungsgericht des BEV bestätigte die Disqualifikation. Die anschließende Wertung war allerdings nicht Gegenstand der Verhandlung. Ein Protest des EC Fischbachau wurde an das Berufungsgericht nicht weitergeleitet, sagt Dialler.

Die Fischbachauer legten dem BEV dann ein offizielles Schreiben der IFI an den DESV vor, das besagt, dass die Punkte bei einem entsprechenden Vorfall bestehen bleiben müssen. Mittermair hält dies jedoch für ein „Gefälligkeitsschreiben“. „Vom DESV liegt uns nichts vor. Ich dränge seit Jahren darauf, dass die Spielerpässe wie beim Fußball online geführt werden. Dann hätte das nicht passieren können“, sagt der Obmann. „Es tut mir leid für Fischbachau, aber das Sportgericht hat klar entschieden.“

So muss nun Fischbachau also den Gang in die Bayernliga antreten. „Wir sind geschädigt, haben aber kein Recht auf einen Einspruch“, schimpft Dialler. „Wir haben immer versucht, das alles sportlich fair zu lösen. Aber jetzt haben wir aufgegeben und werden nun Bayernliga spielen.“ Eine Möglichkeit wäre es gewesen, die Bundesliga in der neuen Saison, die am Sonntag, 3. Juni, beginnt, mit 16 statt der üblichen 15 Teams auszutragen. Laut dem Landesobmann würden die Mannschaften dann aber die in der BEV-Satzung festgelegte Maximalspielzeit überschreiten. „Leider gibt es keinen Präzedenzfall“, sagt Mittermair. „Wir haben nach einvernehmlichen Lösungen gesucht, aber keine gefunden.“

Die Fischbachauerinnen sind also die Leidtragenden – aufgrund unklarer Satzungen und fehlender Regelungen der Verbände. So bleibt dem EC nun nur die sportliche Antwort: der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga.

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