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Ein Traum wird wahr

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Unwiderstehlicher Antritt: Der Attacke von Elisabeth Schicho (l.) kann die US-Amerikanerin Jessica Diggins nicht folgen. fotos: Newspower (kn)
Unwiderstehlicher Antritt: Der Attacke von Elisabeth Schicho (l.) kann die US-Amerikanerin Jessica Diggins nicht folgen. © Newspower (kn)

Val di Fiemme/Schliersee – Langläuferin Elisabeth Schicho aus Schliersee sprintet bei den U23-Weltmeisterschaften zu Gold.

Elisabeth Schicho strahlt einfach nur. Das bringt ihre Wangen besonders gut zur Geltung. Auf die sich die Langläuferin aus Schliersee Schwarz, Rot und Gold – die deutsche Fahne – geschminkt. Vor allem Gold passte gestern zu dem wohl schönsten Tag in ihrer noch jungen Karriere. Schicho hat zum Auftakt der U23-Weltmeisterschaften im italienischen Val di Fiemme für die Überraschung gesorgt und den Freistil-Sprint gewonnen.

Vor dem Turnier hatte sie noch gesagt: „Eine Medaille wäre ein Traum.“ Nun ist er Realität, dieser Traum. Ein einzigartiges Gefühl. Die Glückwünsche ließen nicht lange auf sich warten. Zu den ersten, die sie umarmte, gehörten unter anderem ihre Mutter und sechs Mitglieder des heimischen Skiclubs, die mit ins Langlauf-Mekka im Trentino gereist waren.

Andere Freunde und Sportler gratulierten Schicho über die sozialen Netzwerke im Internet. Beispielsweise Denise Herrmann. Die derzeit stärkste deutsche Sprinterin und Führende im Disziplin-Weltcup schrieb: „Lisi Schicho, die neue U23-Königin. Ich bin so stolz auf dich.“ Herrmann, die mit Schicho in Ruhpolding trainiert, holte 2009 den zweiten Platz bei der U23-WM. Letzte deutsche U23-Weltmeisterin war Hanna Kolb, die 2012 den Sprint im türkischen Erzurum gewann. Schicho war damals Siebte, im Vorjahr belegte sie im tschechischen Liberec Rang acht.

Dass es die Schlierseerin nun bei ihrer letzten U23-WM-Teilnahme ganz nach vorne schaffen kann, deutete sich bereits im Viertelfinal-Lauf an. Mit 2:55,62 Minuten über 1,2 Kilometer setzte sich die 22-Jährige unter anderem gegen ihre deutsche Teamkollegin Laura Gimmler aus Oberstdorf durch. Schneller lief auch in den anderen Viertelfinal-Läufen niemand. Auch das Halbfinale entschied Schicho für sich und ließ dabei ihre zweite Mannschaftskameradin und Olympia-Teilnehmerin Lucia Anger (Oberstdorf) hinter sich.

Beide Sprints haben ihr Selbstvertrauen gestärkt vor dem Finale. „Ich habe mich in den Vorrunden immer besser gefühlt“, sagt sie. „Also habe ich auf dem bergigen Kurs im Finale gerade an den Anstiegen viel riskiert und Körner für den Zielsprint hatte ich auch noch genug.“ Im Zielsprint überholte sie Favoritin Diggins und gewann in 2:54,67 Minuten. Platz drei sicherte sich die Italienerin Stuerz, die wie Diggins auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi starten wird. „Lisi ist ein taktisch kluges Rennen gelaufen. Wir sind stolz auf sie“, sagt Alois Gartenleitner, Vorsitzender des SC Schliersee. „Am Ende hatten sogar einige hartgesottene Männer Tränen in den Augen. Wir hatten zwar damit gerechnet, dass sie aufs Stockerl kommt, aber nicht unbedingt mit dem Sieg.“

Die große Feier muss allerdings noch bis Samstag warten. Am heutigen Donnerstag steht bereits die nächste Aufgabe an: das Distanzrennen über zehn Kilometer in klassischer Technik. Am Samstag folgt zum WM-Abschluss ein Skiathlon über zweimal 7,5 Kilometer. Die Chance auf eine weitere Medaille schätzt Schicho in diesen Disziplinen geringer ein, dennoch will sie natürlich ihr Bestes geben. Der Vorteil: Sie startet jetzt ohne Druck, nachdem sie sich ihren Traum erfüllt hat. „Sie ist überglücklich“, sagt SC-Vorsitzender Gartenleitner. „Die Goldmedaille nimmt sie bestimmt mit ins Bett.“ Spätestens wenn sie aufwacht, dürfte Schicho realisieren, dass ihr Traum wahr geworden ist.

Marc Lamberger

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