Aktionstag: Zahlreiche interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene strömten 2018 auf Gut Kaltenbrunn, um mehr über das Königliche Spiel zu erfahren.
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Aktionstag: Zahlreiche interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene strömten 2018 auf Gut Kaltenbrunn, um mehr über das Königliche Spiel zu erfahren.

Horst Leckner erinnert an die Gründungszeit des Vereins

Zehn Jahre Schulschach Miesbach: Langer Weg zur Erfolgsgeschichte

  • vonHans-Peter Koller
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Zehn Jahre gibt es den Verein Schulschach Landkreis Miesbach bereits. Horst Leckner erinnert an die Anfangszeit der Erfolgsgeschichte. Das Jubiläumsfest muss vorerst ausfallen.

Landkreis – Bitter, aber bei der aktuellen Gesundheitslage unumstößlich: Die Geburtstagsfeier des Vereins Schulschach Landkreis Miesbach zum zehnjährigen Bestehen fällt ins Wasser. Und dabei ist die Erfolgsgeschichte durchaus einer Festivität im angemessenen Rahmen würdig. Ist doch der kommunale Zusammenschluss mit dem Ziel, die Vorzüge des Königlichen Spiels für die Erziehung des Nachwuchses zu nutzen, ein Projekt, das auch nach zehn Jahren noch deutschlandweit seinesgleichen sucht.

Unumstößlich ist allerdings auch, dass Schulschach und der Name Horst Leckner untrennbar verbunden sind. „Bis der Verein gegründet war, bin ich mehrfach an meine Belastungsgrenze gestoßen“, erinnert sich Leckner an die Anfänge des zarten Pflänzchens, das sich als strahlende Blume entpuppen sollte. Das Leben des Waakirchners war vorher geradlinig strukturiert: Familie, Beruf und Schach. Und mit dem Blick auf das stets angestrebte Optimum war Leckner gut ausgelastet.

Als der vormalige Sparkassen-Lehrling 2009 als stellvertretender Vorsitzender des Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee in Ruhestand ging, rief er seine Funktionärskollegen der Sparte Schach im TV Tegernsee zusammen. Er stellte ihnen die geplante Umsetzung eines bis dato nie realisierten Projektes vor. Einer Förderung der Kinder im Wahlfach Schach im Rahmen des Schulunterrichtes: Verbesserung des Wahrnehmungsvermögens, höhere Leistungsmotivation und Sozialkompetenz, bessere Schulnoten und und und. Keine Visionen schlafloser Nächte, mit denen Leckner den Vereinsfunktionären das Vorhaben schmackhaft machen wollte, sondern untermauert durch einen Feldversuch der Uni Trier aus dem Jahr 2007. „Was der Horst bislang anpackte, hat gut funktioniert. Wir sollten es einfach probieren“ – mit diesen Worten war es Dirk Nitsche, der mit dem Blick auf die Bundesligamannschaft des TV Tegernsee und der Erfolgsgeschichte Internationale Offene Bayerische Meisterschaft (IOBM) die Zweifler überzeugte.

Mit den Klub-Funktionären im Rücken fiel für Leckner der Startschuss. Aber nicht für einen Sprint, sondern einen Marathon. Seine nächste Station waren die Schulen in Bad Wiessee und Rottach, in denen er selbst die Kinder im Schach unterrichtete. Mit den dort gewonnenen Erfahrungen wurde der Waakirchner beim Schulamt vorstellig. Er fand Unterstützung beim Leiter Peter Huber, und dessen Empfehlungsschreiben öffnete ihm die Türen zu weiteren Bildungsstätten.

Schwierige Suche nach finanzieller Unterstützung

Aber der Schuh drückte Leckner dennoch. Vor allem in finanzieller Hinsicht, kostete doch ein professioneller Schachlehrer rund 60 000 Euro. Als Erstes überzeugte er die Kreissparkasse. Das Geldinstitut war seit jeher für Nachwuchsförderung offen und sagte ihm zu, ein Drittel des Etats zu übernehmen. Als zweites Standbein war eine Beteiligung der Eltern angedacht. Sechs Euro je Monat bei kalkulierten 300 Schachkindern sollten die zweite Säule fundamentieren. Das dritte Standbein aber erwies sich als Klumpfuß. Eine Vorsprache bei den Kreistagsmitgliedern sorgte für wenig Nachfragen – aber großteilig negativer Resonanz. Und das Abklappern jeder einzelner der 17 Kommunen brachte auch Nackenschläge. „Und als nächstes soll ich dann einen Schafkopfverein unterstützen“, winkte Irschenbergs Rathauschef Hans Schönauer ab – bei einer weiteren Kommune, die hier bewusst ungenannt bleibt, flog Leckner gar unerwünscht aus der Amtsstube.

Buchführung, Steuerberatung, Sponsorenverträge, Anwaltskosten für Beratung und Knüppel zwischen den Beinen: Der Waakirchner drohte aus den Latschen zu kippen. Es war der Dermatologe Hans-Wilhelm Kaiser, der mit seiner Begeisterung für das Schulschach-Projekt den Visionär aus dem moralischen und seelischen Tief herausholte. Und Kaiser spannte sich selbst vor den Karren. Er leistete Überzeugungsarbeit beim Lions Club am Tegernsee und öffnete Türen zur Hubertus-Altgelt-Stiftung und zur Fritz und Thekla Funke-Stiftung. Dessen Geschäftsführer Thomas Hübner ermöglichte es, ein weiteres Schwergewicht ins Schulschach-Boot zu holen. „Das, was du für den Fußball bist, ist Herr Leckner im Schach“, spannte Hübner einen Bogen zu Uli Hoeneß. Eine neu entstandene Freundschaft mit positiven Spätfolgen.

Ermutigt ging Leckner die Gründung eines Vereins an. Er gewann den stellvertretenden Landrat und jahrzehntelangen Haushamer Bürgermeister Arnfried Färber als Vorsitzenden, der dem Schach ein Leben lang treu ist, kandidierte selbst als dessen Vize und nahm mit Roman Vidonyak eine Koryphäe als Schulschach-Lehrer unter Vertrag.

Uli Hoeneß bei Aktionstag

Im Januar 2011 wurden bei der Gründungsversammlung des Vereins Nägel mit Köpfen gemacht. Selbst Aleksander Khalifman, der Leckner bei zwei Teilnahmen an der IOBM in Bad Wiessee kennen und schätzen gelernt hatte, war extra aus Sankt Petersburg angereist. „Dass ich heute da bin, ist eine Referenz an Herrn Leckner“, bekannte der Weltmeister von 1999.

Sofort nach der Gründungsversammlung begann der Schulschach-Unterricht. 320 Kinder waren mit Eifer dabei. Und ihre Zahl nahm ebenso zu wie die nun interessierten Gemeinden. Knapp 800 Kinder aus 16 der 17 Kommunen waren es in der Spitze. Die Verpflichtung eines zweiten und dritten Lehrers waren notwendig, um das Wahlfach Schach an den 26 verschiedenen Bildungsstätten abzudecken. Um die Arbeit des Vereins noch bekannter zu machen, wurde vor drei Jahren auf Gut Kaltenbrunn ein Aktionstag ausgerichtet. Und Hoeneß ließ sich als Zugpferd einspannen.

Nun hat die Pandemie nicht nur das Jubiläumsfest zum Zehnjährigen in den Sand gesetzt. Auch der Unterricht an den Brettern ist unmöglich. Trotzdem kommt das Königliche Spiel dank Online-Schach einigermaßen unbeschadet durch die Krise. Leckner ist sich sogar sicher, dass die Kinder in Zukunft zweigleisig unterrichtet werden – virtuell wie auch mit Präsenzunterricht. Und was das Vereinsjubiläum betrifft, wird sich zum richtigen Zeitpunkt auf die Schnelle ein Termin finden lassen. Kaiser als aktueller Vereinsvorsitzender und Hoeneß als abermalige Lokomotive lassen sich sicher nicht lange bitten.

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