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Zum Sieg gequält: Hannes Hinterseer gewinnt Silvretta-Marathon

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Das Tempo von Japhet Mutwiri Mwenda (l.) halten musste Hannes Hinterseer beim Silvretta-Marathon.
Das Tempo von Japhet Mutwiri Mwenda (l.) halten musste Hannes Hinterseer beim Silvretta-Marathon. © Privat

Damit hat er selbst nicht gerechnet: Hannes Hinterseer hat den Silvretta-Marathon gewonnen. Doch es war eine Qual für den Schlierseer.

Schliersee – Der Silvretta-Marathon vom malerischen Ischgl über das Kronenjoch nach Galtür beginnt mit einem Auf, wenn es die ersten knapp 22 Kilometer des Rennens mehr als 1600 Höhenmeter nur bergauf geht. Dann folgt ein langes Ab, denn die zweite Hälfte geht es nur bergab. Und für Hannes Hinterseer, der den Ultra-Marathon am Samstag gewonnen hat, war es gefühlt umgekehrt: Auf ein langes Ab folgte ein langes Auf.

Denn sein kenianischer Konkurrent Japhet Mutwiri Mwenda wollte schon in der ersten Hälfte des Rennens davonziehen, legte ein schnelles Tempo vor. Hinterseer entschied sich, mit aller Kraft dranzubleiben. Bei einer Marathondistanz ist das relativ riskant. Doch für Hinterseer sollte sich das Tempo auszahlen. „Er hat mich die ersten 22 Kilometer richtig kaputtgemacht“, erzählt der Schlierseer und eröffnet einen tiefen Blick in seine Gefühlswelt. „Ich habe das ein- bis zweimal im Jahr, dann weiß ich: Heute kann ich mich so quälen, dass ich entweder gewinne oder in Ohnmacht falle.“

Nachdem Hinterseer die erste Hälfte des Rennens bis zum höchsten Punkt, dem Kronenjoch auf knapp 3000 Metern, an Mwenda dranbleiben konnte, drehte er den Spieß um und blies selbst zum Angriff. „Ich bin dann bergab Vollgas und mit 110 Prozent gelaufen. Das brachte mich noch einmal dazu, meine mentalen Kräfte zu sammeln und alles zu geben.“ Durch den Nebel im alpinen Gelände war die Sicht eingeschränkt, sodass Hinterseer zwar wusste, dass er an der Spitze lag – allerdings nicht, wie groß der Abstand war. „So hieß es für mich immer weiterkämpfen.“

Hinterseer von Sieg überrascht

Das Kämpfen machte sich bezahlt. Am Ende hatte der 27-Jährige nach 3:15 Stunden einen Vorsprung von knapp zehn Minuten auf den Zweitplatzierten Thomas Wanninger. Mwenda wurde Dritter.

„Ich habe sehr, sehr gelitten“, sagt Hinterseer, der über seinen Sieg überrascht war. „Ich wollte unter die besten Fünf laufen. Als ich dann kurz vor dem Ziel realisierte, dass ich den Silvretta-Marathon tatsächlich gewinne, kamen mir einige Tränen.“ Zuvor war er beim Stubaitrail Dritter geworden

Viel Zeit zur Erholung hat der Schlierseer Ultraläufer nicht: Schon kommendes Wochenende steht das Schlegeis 3000 Skyrace an. Über knapp 33 Kilometer gilt es dann, 2378 Höhenmeter zu bewältigen. Daher steht jetzt Erholung auf dem Programm, damit er sich wieder quälen kann.

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