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2500 Kilometer für WM-Bronze

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Von: Olaf Heid

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Das Spielgerät fest im Blick: Tanja Eberl vom TSV Neubiberg sicherte sich Bronze im Einzel, während im Doppel an der Seite von Elke Nijsse-Drews (im Hintergrund, li.) knapp im WM-Viertelfinale Schluss war.
Das Spielgerät fest im Blick: Tanja Eberl vom TSV Neubiberg sicherte sich Bronze im Einzel, während im Doppel an der Seite von Elke Nijsse-Drews (im Hintergrund, li.) knapp im WM-Viertelfinale Schluss war. © privat

Neubiberg – Die Reise und Strapazen im spanischen Huelva haben sich für Tanja Eberl gelohnt. Bei den Weltmeisterschaften der Badminton-Senioren gewann die Egmatingerin im Dameneinzel der Altersklasse +50 die Bronzemedaille und war damit die beste der 14 bayerischen Starter, die die deutschen Farben bei dem Event vertraten. Im Doppel kam dagegen ebenso wie im Mixed bereits vorm Halbfinale das Aus.

Mehr als 1200 Athleten aus 49 Nationen haben an der WM unter teils extremen Corona-Bedingungen teilgenommen. Den ganzen Tag eine FFP2-Maske zu tragen, sei „schon eine Herausforderung“ gewesen, meinte die 54-Jährige. „Allerdings geht es dem Gegner ja genauso.“ Beim Spielen konnte sie die Pandemie komplett ausblenden. „Das ist ja auch das Wundervolle am Sport. Ich sage immer, wenn ich die Badmintonhalle oder auch das Fitnessstudio betrete, dass ich dann in meine ,rosarote Badminton-Seifenblase’ trete und alles andere ausblenden kann.“

Auch die Vorbereitung war für die Egmatingerin, die für den TSV Neubiberg-Ottobrunn spielt, äußerst herausfordernd. Durch den Lockdown musste sie andere Trainingsmöglichkeiten finden. „Dazu habe ich mir die Ballmaschine meines Vereins geholt und im Garten gespielt“, sagte sie lachend. „Schlägerskills kann man ebenfalls gut zuhause trainieren und sowieso das große Thema der Altersklasse ist die Mobilität und Stabilität. Hier hat mein Fitnessstudio beim WSV Glonn in Lockdown-Zeiten auch großartige Online-Kurse angeboten.“

Weil es in den beiden Vorjahren keine DM gab, zählten die Ergebnisse von 2019 als Qualifikationskriterium für die WM in Spanien. Die Strapazen nahm sie aber gerne auf sich: „Wenn man etwas mit Leidenschaft betreibt, möchte man dies unbedingt – möglichst immer – tun. Da wird der Verstand erst mal nach hinten gedrängt“, erklärte Eberl. Natürlich versuche man, das Risiko möglichst gering zu halten. „Aus diesem Grund habe ich ein kleines Appartement mit Küche gemietet, sodass ich meine Mahlzeiten selbst zubereiten und dem Andrang beim Essen aus dem Weg gehen konnte.“ Zudem könne man sich dorthin zurückziehen und müsse nicht bei Wartezeiten in der Halle bleiben.

Die WM-Dritte von 2019 fuhr die gut 2500 Kilometer lange Strecke mit dem Auto, „um nicht in einem voll besetzten Flugzeug zu sitzen“, erläuterte sie „Wir waren zu dritt und sind zweieinhalb Tage gefahren.“ Grundsätzlich sei man aber trotz des Riesen-Events viel allein, „weil man sich in den Zeiten zwischen den Spielen zurückzieht, konzentriert, versucht zu entspannen und die Gegner analysiert“.

Der Beginn der WM war „ein wenig chaotisch“, berichtet die Egmatingerin von Problemen des Veranstalters mit den Akkreditierungen. „Ohne diese durften wir nicht in die Halle. Ich habe zwei Tage darauf warten müssen, und mich allerdings dennoch irgendwie zum Training in die Halle geschmuggelt“, so die 54-Jährige.

Der nächste Schockmoment folgte: Zwei Tage vor dem ersten Match spürte sie einen Stich im linken hinteren Oberschenkel. „Kurz dachte ich, dass es das mit dem Turnier war.“ Doch helfende Hände kamen vom „fantastischen“ Physiotherapeuten der schwedischen Mannschaft. Eberl: „Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich nicht spielen können.“ Denn in der Halle sei es „sehr zugig und eiskalt“ gewesen. „Dies war in den Spielen eine Herausforderung, weil man sich darauf einstellen musste.“ Sie passte ihre Kleidung dementsprechend an und startete ihren Erfolgslauf.

An Position zwei im 64er-Einzelfeld gesetzt, überstand sie nach Freilos ihre Auftaktrunde mühelos gegen eine Schwedin (21:7, 21:5), doch im Achtel- und Viertelfinale musste die zweifache Mutter jeweils in einem Satz in die Verlängerung, bevor sie das Ticket fürs Halbfinale und somit Rang drei gesichert hatte. Erst bezwang sie eine Portugiesin (23:21, 21:16), dann eine Schweizerin (21:14, 27:25). „Ich habe versucht, mich immer nur auf den nächsten Punkt zu konzentrieren und nicht das gesamte Spiel zu sehen, und vor allem eines“, so betonte Eberl, „alles zu genießen und aufzusaugen, weil im mich gerade in Pandemie-Zeiten privilegiert gefühlt habe, an so einer Veranstaltung teilnehmen zu dürfen“.

Im Halbfinale ist Schluss

Aber im Halbfinale war gegen eine Rivalin aus Großbritannien dann Schluss. Tanja Eberl unterlag Betty Blair, gegen die sie bereits zwei Semifinals bei vorhergehenden Titelkämpfen knapp gewonnen hatte, mit 7:21 und 20:22 in den Sätzen. „Dieses Mal hat es leider nicht gereicht. Ich habe schon gemerkt, dass so ein langes Turnier ohne große Praxis Substanz kostet. Hier haben mir einfach die letzten Körnchen gefehlt“, analysierte die Egmatingerin.

Nach der Siegerehrung ging Eberl zum Strand, um dort „bei einem wundervollen Sonnenuntergang barfuß im Wasser“ zu spazieren. „Ich habe es einfach nur genossen.“ Ist mit Bronze ein Wunsch für Weihnachten in Erfüllung gegangen? „Ja und Nein“, sagte sie. „Sportlich hat sich auf jeden Fall mein großer Wunsch erfüllt, eine Medaille bei der WM zu holen. Auf der anderen Seite wünsche ich mir zu Weihnachten vor allem, dass ich das Fest gemeinsam mit meinem Mann, meinen Eltern und Kindern feiern kann.“

Im kommenden Jahr will sie wieder angreifen, wie die 54-Jährige verriet, und „bei der EM 2022 in Ljubljana (Slowenien) eine Goldmedaille holen“. Die möglichen Reisestrapazen sind nach den Erlebnissen in Spanien kein Hindernis mehr.

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