Auch wenn er gegenüber Budweis-Mittelblocker Stepan Smrcka mit seinem Team das bessere Ende knapp für sich hatte: Hachings Zuspieler Branislav Skladany wirkte nach dem Verlust von zwei Sätzen nachdenklich. Foto: um

3:2-Sieg hinterlässt gemischte Gefühle

Unterhaching - Auch wenn das Ergebnis die Chancen auf die Play offs der besten zwölf Champions-League-Teams eher schmälerte, überwog bei Generali Haching letztlich die Freude über das 3:2 (25:21, 20:25, 23:25, 25:22, 15:8) gegen Jihostroj Ceske Budejovice.

Die Europacup-Arithmetik sorgte zunächst für gemischte Gefühle bei Unterhachings Volleyballern: Ein Fünf-Satz-Sieg bringt nur zwei statt drei Punkte, und dieser fehlende Zähler könnte in der Endabrechnung wehtun. „Schade“ fand es Trainer Mihai Paduretu, dass es nicht zu einem höheren Sieg gereicht hatte, „bei einem 3:1 wäre es einfacher gewesen, in die Play offs zu kommen. Aber wir probieren es weiter.“ Vor den zwei noch ausstehenden Gruppenspielen aufzugeben, wäre auch die völlig unpassende Reaktion nach einem neuerlichen erfolgreichen Kraftakt auf höchstem Niveau. Es war immerhin der siebte Sieg im siebten Dezember-Spiel. „Gut fürs Selbstvertrauen ist das Ergebnis auf alle Fälle“, stellte Sebastian Prüsener klar, der wegen eines Hexenschusses nicht selbst eingreifen konnte und wie vier Tage zuvor beim 3:2 in Friedrichshafen von Robert Hupka vertreten wurde. „Schließlich ist das Champions League. Da spielst du nicht gegen Blinde.“

Die Qualität des Gegners hob auch Paduretu hervor: „Die haben viel besser gespielt als vor einer Woche.“ Im Budweis hatte sein Team 3:1 gewonnen. So gesehen stimmte für den Coach auch die Punktebilanz gegen die Tschechen: „Dort hatten wir höchstens mit zwei Punkten gerechnet, haben aber drei geholt. Diesmal war es eben andersherum.“

Die 1150 Zuschauer, darunter auch etliche lautstarke Tschechen, hatten jedenfalls ihren Spaß an dem Volleyball-Krimi, in den die Hachinger schwach starteten. Im ersten Satz lagen sie bis zum 9:12 hinten. Dann aber zeigten sie jenes unerschütterliche Selbstvertrauen, das sie auch in den Spielen zuvor ausgezeichnet hatte und bogen den Satz noch um. Dass Max Günthör den Sack mit einem Ass zumachte, war das i-Tüpfelchen auf dessen Weltklasse-Auftritt in diesem Durchgang. Acht Punkte gingen bis dahin allein auf das Konto des Kapitäns, ein für einen Mittelblocker, der sich die Position ja mit einem Kollegen teilt, schier unglaublicher Wert. „Der erste Satz lief genial für mich. Aber dann stellen sich die Gegenspieler auch darauf ein“, begründete Günthör, warum er nicht einfach so weitermachen konnte. Im zweiten und dritten Durchgang wirkte die gesamte Mannschaft nicht mehr so zwingend. Für Günthör auch eine logische Folge des dichten Terminplans. „Im zweiten Satz haben wir nachgelassen. Aber vor vier Tagen hatten wir erst das schwere Spiel in Friedrichshafen, das zehrt schon an der Physis.“ Und vermutlich spielt sich auch im Kopf einiges ab. Hachings ehemaliger Publikumsliebling Ben Ibata, der als Co-Kommentator fürs Fernsehen im Einsatz war, sah zwei Ursachen für den zwischenzeitlichen Durchhänger der Hausherren: „Es war eine Mischung aus mentaler Müdigkeit und der Bürde, die drei Punkte holen zu müssen.“ So gesehen, analysierte der 37-Jährige weiter, habe der 1:2-Satzrückstand sogar befreiend gewirkt: „Als der dritte Satz weg war, war das eine ganz andere Mannschaft. Und der Tie Break war überragend.“ Unter stehenden Ovationen der begeisterten Fans setzte Denis Kaliberda mit dem zweiten Matchball zum 15:8 nach insgesamt 115 Minuten den Haken unter einen weiteren Erfolg, auf den die Hachinger stolz sein dürfen. Und das war Paduretu auch: „Die Jungs waren nach den zwei verlorenen Sätzen sehr enttäuscht. Aber sie haben Charakter gezeigt.“

Generali Haching: Skladany, Dünnes, Shafranovich, Kaliberda, Günthör, Cedeno, Hupka (L); Hirsch, Carvalho, Friedrich, den Boer

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