Trainingspartner für Olympia: Anna Schell hat in der Coronapandemie hauptsächlich in Unterföhring trainiert. Als Partner stellte sich der ehemalige Ringer und langjährige Vorsitzende Georg Daimer zur Verfügung. 	Foto: SC Isaria
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Trainingspartner für Olympia: Anna Schell hat in der Coronapandemie hauptsächlich in Unterföhring trainiert. Als Partner stellte sich der ehemalige Ringer und langjährige Vorsitzende Georg Daimer zur Verfügung.

Isaria-Ringerin fliegt nach Corona- und Verletzungspause heute nach Tokio

Anna Schells Achterbahnfahrt auf dem Weg zu Olympia

  • Patrik Stäbler
    VonPatrik Stäbler
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Im September 2019 lieferte Anna Schell „das Turnier ihres Lebens“ ab – so formulierte es damals Patrick Loës, Bundestrainer der deutschen Freistil-Ringerinnen. Zugleich war dieser Septembertag für die 27-Jährige vom SC Isaria Unterföhring aber auch der Startschuss für eine 22-monatige Achterbahnfahrt der Gefühle. Diese findet nun ein Happy End, so sieht das Anna Schell, wenn sie an diesem Mittwoch in den Flieger nach Japan steigt – zu den Olympischen Spielen.

Unterföhring – Als eine der ersten Sportlerinnen überhaupt hatte Schell im September 2019 das Ticket für Tokio gelöst. Bei der Weltmeisterschaft in Kasachstan – zugleich die erste Chance zur Qualifikation – holte sie überraschend Bronze und konnte somit frühzeitig für Olympia planen. Oder genauer: Sie hätte es tun können, wäre da nicht dieses vermaledeite Coronavirus namens Sars-CoV-2 gewesen. Denn die Pandemie warf im März 2020 auch alle Pläne von Anna Schell über den Haufen. Da Hallen und Krafträume gesperrt waren, musste sie sich anfangs daheim fithalten – unter anderem beim Zirkeltraining im Wohnzimmer. Hinzu kam die Unsicherheit hinsichtlich Olympia, bis die Spiele schließlich um ein Jahr verschoben wurden. Einerseits sei sie nach der Entscheidung enttäuscht gewesen, sagte sie damals, „denn Olympia ist mein großes Ziel“. Andererseits habe sie Erleichterung verspürt, „weil wir jetzt endlich Klarheit haben“.

Doch kaum war Anna Schell auf die Ringermatte zurückgekehrt, folgte der nächste Rückschlag. Infolge einer Fußverletzung musste sie im Oktober operiert werden und sich den Rest des Jahres in der Reha quälen. Für die gebürtige Aschaffenburgerin nichts Neues, schließlich hat sie sich in ihrer Karriere schon zweimal das Kreuzband gerissen. Und auch diesmal kämpfte sich Schell zurück – getreu ihrem Motto: „Aufgeben ist keine Option.“

Qualifikation für Olympia: Mit ihrer Bronzemedaille bei der WM in Kasachstan 2019 löst Anna Schell die Fahrkarte nach Tokio.

Im Januar konnte die Unterföhringerin ins Mattentraining zurückkehren, kurz nachdem sie ihre Ausbildung im Rahmen der Spitzensportförderung bei der Polizei in Dachau erfolgreich abgeschlossen hatte. Seither liegt ihre volle Konzentration auf Tokio: Nebst zahlreichen Trainingslagern rang sie im April erstmals wieder bei einem Übungswettkampf, ehe im Sommer zwei Turniere in Polen und der Türkei anstanden. Bei ihrem ersten Auftritt sei es „nicht gut gelaufen für mich“, räumt Schell ein – was angesichts der 16-monatigen Wettkampfpause kaum verwunderlich war. In Istanbul konnte sie dann aber schon wieder glänzen, holte drei Siege in drei Kämpfen und belegte den ersten Platz.

„Von der Fitness her bin ich wieder auf einem guten Level“, ist Anna Schell überzeugt, die in Tokio im Halbschwergewicht bis 68 Kilo antritt. Das Wort Medaille will sie bei der Frage nach ihren Zielen dennoch nicht in den Mund nehmen. Denn: „Ich kann viele Gegnerinnen nur schwer einschätzen, auch weil ich gegen mehrere noch nie gerungen habe.“

Unabhängig davon verspüre sie eine unbändige Vorfreude, betont Anna Schell kurz vor dem Abflug. Sie und die anderen Ringerinnen werden in Tokio zunächst im Hotel einchecken, da sie erst fünf Tage vor ihrem Wettkämpfen ins Olympische Dorf dürfen. Dort werden die Athletinnen dann „in einer Blase leben“, sagt Schell, weshalb kaum olympisches Flair aufkommen dürfte – zumal ja auch keine Zuschauer erlaubt sind. Schon zwei Tage nach dem Wettkampf, auch das schreiben die Corona-Regeln vor, muss die Ringerin das Olympische Dorf wieder verlassen und heimreisen. Ach ja, und auch die Eröffnungsfeier werde sie bloß vom Hotel aus verfolgen können, sagt Schell, da im Stadion lediglich eine Handvoll Sportlerinnen und Sportler je Land erlaubt seien.

Doch all diese Unannehmlichkeiten will die 27-Jährige nicht an sich heranlassen. Ihre ganze Konzentration gilt vielmehr ihrem Wettkampf, der am 2. August startet und tags darauf mit den Kämpfen um die Medaillen endet. Und ginge es nach Anna Schell, dann soll dieser 3. August für sie unvergesslich bleiben – nicht nur, da sie an diesem Tag ihren 28. Geburtstag feiert.

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